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Prozess

Sicherungsverwahrung nach Tankstellenüberfall?

Bei den Frauen hat Sascha R. (32) einen Schlag. Bislang war sein Leben eine große Party: Koks, Frauen, Raubüberfälle. Nun geht es darum, ob er für lange Zeit hintern Gittern verschwindet. Ihm droht eine Sicherungsverwahrung. Ein psychiatrischer Gutachter stellt dem gutaussehenden Mann eine negative Prognose.

Hannover. Kiffen, Abhängen, Computerspielen, Nichtstun: Dieser Lebensstil könnte Sascha R. in die Sicherungsverwahrung bringen. Eine stolze Leistung für einen 32-Jährigen.

Selbst erfahrene Juristen hatten gestern Probleme, die vielen Vorstrafen des Angeklagten zu sortieren. Man kann es aber auch so wie der Gutachter Tobias Bellin machen. „Seit 2004 hat der Angeklagte kaum Zeit in Freiheit verbracht“, sagte der Psychiater.

Die 19. Große Strafkammer muss die eigentliche Tat nicht mehr klären. Am 28. August 2015 überfiel Sascha R. mit einer Schreckschusspistole eine Jet-Tankstelle in Garbsen. Er hatte bei einer Roma-Familie Drogenschulden in Höhe von 15.000 Euro. Um die Schulden abzubauen, wurde er zum Überfall aufgefordert. Es blieb beim Versuch. Die Service-Kraft ließ den Angeklagten nicht in den Verkaufsraum.

Im vergangenen Jahr gab es dafür viereinhalb Jahre Gefängnis. Darin waren auch andere Verurteilungen enthalten. Und R. sollte in die Sicherungsverwahrung. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil wegen zwei Rechtsfehlern auf. Die Kammer um Richter Stefan Joseph muss nun eine neue Strafe verhängen. Dazu hörte das Gericht am Mittwoch den Psychiater. „Die Taten waren Teil seines Lebensstils. Party, Frauen, Straftaten.“ Drogen wie Kokain unterstützen dieses Lebensgefühl. In der Haft habe der Angeklagte keine Probleme, drogenfrei zu leben. Bereits 2007 hatte Sascha R. drei Raubüberfälle auf Supermärkte begangen. Gutachter Bellin bezeichnete den 32-Jährigen als Person mit geringem Durchhaltevermögen, hoher Affektivität, ohne Zukunftsgestaltung und sexuell freizügig.

Der Angeklagte stammt aus desolaten familiären Verhältnissen. Zu seinem Vater hatte er nie Kontakt. Die Partner seiner bereits verstorbenen Mutter seien auch keine Vorbilder gewesen.

Insofern stellt Bellin dem Angeklagten eine negative Prognose: hohe Rückfallgeschwindigkeit, kein soziales Umfeld und keinen Beruf. Einziger Hoffnungsschimmer: R. will Koch werden. Aber ob das reicht? Dem Psychiater hat er nicht erzählt, dass er vergangene Woche wegen Bedrohung verurteilt wurde. Er hatte seiner Ex-Freundin Drohbriefe geschrieben.

Von Thomas Nagel


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