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Die Macher von Tutanota (v.l.): Arne Möhle, Meike Barczak, Bernd Deterding, Matthias Pfau (fehlt: Hanna Bozakov).

Die Macher von Tutanota (v.l.): Arne Möhle, Meike Barczak, Bernd Deterding, Matthias Pfau (fehlt: Hanna Bozakov).
© Tutao

DATENSCHUTZ

Sichere E-Mails auf rasantem Vormarsch

Datenschutz und Privatsphäre sind immer mehr Menschen nicht egal, sondern werden immer wichtiger. Das gilt seit dem NSA-Skandal und Snowden besonders im Internet, bei allem was Online geschieht oder mit dem Handy zusammenhängt. Gut, dass es da eine einfache Methode gibt, seine E-Mails geheimdienstsicher zu versenden – dank Tutanota aus Hannover.

HANNOVER. Die Nutzerzahl schießt in die Höhe – immer mehr Menschen setzen auf sichere elektronische Post und nutzen dazu „Tutanota“, mit dem sie ganz einfach verschlüsselte E-Mails senden können. Inzwischen sind es laut dem Anbieter mehr als zwei Millionen. „Wir freuen uns, dass drei Jahre nach dem von Snowden aufgedeckten des Überwachungsskandal endlich das Zeitalter der Privatsphäre begonnen hat“, sagt Matthias Pfau (34), einer der Gründer des hannoverschen E-Mail-Unternehmens Tutao, das seinen Dienst „geheimdienstsicher“ nennt.

Binnen der vergangenen zwei Monate hat Tutanota laut Pfau „pro Monat mehr als zweihunderttausend neue Nutzer gewonnen“. Weltweit – denn das für Privatanwender in der Grundversion kostenlose E-Mail-Programm gibt es dank der Hilfe der „Netzgemeinschaft“ (Community) inzwischen in 30 Sprachen. Wie viele das Programm – das die Mails Ende-zu-Ende verschlüsselt - tatsächlich regelmäßig nutzen, sagt Pfau nicht, nur so viel: „Wir sind erstaunt, wie viele es sind.“ Auch kommerziell sieht er das Projekt auf gutem Weg: mehr als 10 000 zahlende Nutzer (etwa ein Viertel davon Geschäftskunden) gebe es schon, ihr Anteil wachse mit der Gesamtnutzerzahl im Gleichklang. Und nachdem 2015 am Ende ein „ausgeglichenes Ergebnis“ stand, sei 2016 „positiv“ abgeschlossen worden, wurde also „ernsthaft“ Gewinn gemacht.

Mehr als 30 000 Plätze gutgemacht

Den Bedeutungszuwachs der im Frühjahr 2014 publizierten Anwendung zeigt auch die Rangliste des Amazon-Unternehmens Alexa, das etwa beobachtet, welche Internet-Seiten am häufigsten aufgesucht werden. Hier legte Tutanota ebenfalls rasant zu: Im Vergleich zu vor einem Monat stieg der hannoversche E-Mail-Anbieter in der Beliebtheitsskala um gut 33 000 Plätze. Dort seien zeitgleich etwa auch die Suchmaschinen Duckduckgo und Qwant stark nach oben gegangen – sie verzichten auf die Datenschnüffelei von Google, Bing & Co.

Der Nutzerschub sei „ein guter Start, wir müssen aber noch viel mehr werden“, sagt Pfau. Er und seine vier Kollegen sehen sich als Kämpfer für Privatsphäre, Presse- und Meinungsfreiheit und Demokratie – und gibt ein ambitioniertes Ziel vor: „Wir wollen Tutanota zu dem meistgenutzten E-Mail-Service der Welt machen. So können wir der Massenüberwachung einen Riegel vorschieben, und das ist uns unglaublich wichtig!“ Was den aktuellen Trend betrifft, ist Pfau der Grund für den Wechsel zu dem E-Mail-Programm aus Hannover aus vielen Nutzer-Kommentaren klar: „Es ist nicht die Massenüberwachung an sich, sondern autokratisch agierende Politiker, die selbst darüber bestimmen wollen, was Wahrheit ist und was nicht.“ Da würden immer mehr Menschen „vorsichtiger und nutzen mehr und mehr privatsphäre-orientierte Services wie Tutanota und Qwant“. E-Mails enthalten viele sensible persönliche Daten: Kommunikation mit der Bank oder mit Behörden, Termine, Online-Abonnements, private Nachrichten mit Freunden und Familie, erklärt Pfau. Darum sei es „essentiell, dass diese Informationen nicht missbraucht werden können - weder von Angreifern, noch von Behörden, noch von den E-Mail-Services, die unsere Daten unverschlüsselt aufbewahren (wie Gmail, Yahoo).“ Deshalb brauche es Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: „Nur damit kann niemand unsere E-Mails ausspionieren, und die Menschen verstehen das zunehmend!“ Darum arbeitet sein Team derzeit auch daran, die Kontaktdaten verschlüsselt abzulegen, so dass man sie nicht mehr „bei Datenkraken wie Google oder Apple speichern muss“.

 

Von Ralph Hübner


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