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Meine Stadt Sekretärin veruntreut Geld der jüdischen Gemeinde
Hannover Meine Stadt Sekretärin veruntreut Geld der jüdischen Gemeinde
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17:13 12.06.2018
12.06.2ß18 Deutschland, Hannover Amtsgericht, Sekretärin, die die jüdische Gemeinde um 125.000 Euro erleichtert hat, muss sich wegen Betrugs, Unterschlagung, Urkundenfälschung und Untreue verantworten (hatte schon Vorab-Geschichte geschrieben), Richter Schnelle, Saal 3112. Foto: Villegas Quelle: Villegas
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Hannover

Rund 40 Minuten dauert die Verlesung der Anklage: Es geht um 156 Fälle der Untreue, des Betrugs und der Urkundenfälschung. Die pummelige Angeklagte mit dem Pferdeschwanz schüttelt immer wieder den Kopf. Evgenia M. (34) wirkt nicht einsichtig. Nach eineinhalb Stunden Rechtsgespräch ist ihre Einsicht teilweise zurück gekehrt. Sie gesteht gut ein Drittel der Straftaten. Dafür gibt es eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Seit 2013 war Evgenia M. Sekretärin in der jüdischen Gemeinde. Bis 2015 hat sie laut Anklage etwa 125 000 Euro veruntreut und erschwindelt. So soll sie Geld für Ferienlager, Holocaust-Opfer oder Beerdigungen nicht weitergeleitet haben. Sie habe auch Scheinrechnungen erstellt, heißt es in der Anklage. Das veruntreute Geld landete teilweise auf den Konten von Angehörigen und Freunden. Das tat die Angeklagte, um der etwaigen Pfändung ihres Kontos zu entgehen. „Die Kontoinhaber haben nichts von meinem Tun gewusst“, sagt Evgenia M. Das mag man glauben oder auch nicht. Die Angeklagte erzählte, dass das Geld der jüdischen Gemeinde für ihre Spielsucht drauf gegangen sei. In Spielhallen oder beim Online-Casino habe sie abends bis zu 1000 Euro verspielt. Von der Beute sei nichts mehr da.

Schöffenrichter Simon Schnelle sprach im Urteil von „hoher krimineller Energie“. Allerdings erklärte er die Bewährungsstrafe für angemessen. Denn die Beweislage sei schwierig gewesen. So sei die Buchhalterin der Gemeinde gestorben. Ihre Nachfolgerin trat erst 2015 ihren Dienst an. „Auch auf Grund der nicht ganz klaren Buchführung war die Beweislage in vielen Fällen schwierig“, so der Richter. Zumal sich die Delikte über einen langen Zeitraum erstreckten.

Das Geständnis kam dem Gericht sehr entgegen. So konnte man sich eine aufwendige Beweisaufnahme sparen. Also blieben am Ende 39 Fälle der gewerbsmäßigen Untreue und 19 Fälle des Betruges. Den festgestellten Schaden bezifferte der Richter auf 80 000 Euro. M. wird den Schaden kaum zurückzahlen. „Ihr Arbeitgeber hat ihre Spielsucht finanziert“, so Schnelle.

Zurzeit bezieht Evgenia M. Hartz IV. Das Teilgeständnis hat sie vor dem Gefängnis bewahrt. Die Frau hat drei Kinder (zwei, acht und 14 Jahre alt), die bei ihr leben. Die Angeklagte lebt in Scheidung. Sicher spielte auch die familiäre Situation bei der Urteilsfindung eine Rolle.

Von Thomas Nagel

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