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© Frank Wilde

Sport

Seine Glücksformel heißt Ironman

Wenn Olaf Lechtenfeld (56) aus der List an Hawaii denkt, leuchten seine Augen. Seine Sprechgeschwindigkeit steigt. Und er rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Bei Hawaii denkt der Professor der theoretischen Physik aber nicht an Sonne, Strand und Hula-Mädchen, sondern ans Schwimmen, Radfahren und Laufen. Lechtenfeld ist ein „Ironman“, zu Deutsch also ein „Eisenmann“. Sein Leitspruch lautet: „Nicht groß nachdenken, einfach machen!“

Hannover. Der Markenname „Ironman“ steht für die bekannteste Reihe von Langdistanz-Triathlonläufen weltweit. Jedes Jahr werden 13 dieser Rennen ausgetragen. Und Lechtenfeld war schon siebenmal dabei. Einmal, 2014, sogar im Mekka der Triathleten auf Hawaii. Wer sich Ironman nennen will, muss dafür 3,8 Kilometer schwimmen, 180,2 Kilometer Rad fahren und 41,925 Kilometer laufen - am Stück. Der Physik-Professor brauchte dafür auf der pazifischen Inselkette gerademal elf Stunden und 47 Minuten: „Ich bin dort angetreten, um Spaß zu haben, nicht, um mich zu quälen.“ Lechtenfeld fügt stolz hinzu: „Wer sich für den Ironman Hawaii qualifiziert hat, muss sich nichts mehr beweisen.“

Trotzdem trainiert der Professor fleißig weiter. Er will im Oktober 2016 ein zweites Mal nach Hawaii und irgendwo noch einen Ironman unter zehn Stunden laufen. Das ist ein ambitioniertes Ziel, für das sich Lechtenfeld noch zwei, drei Jahre Zeit gibt: „Dann schließt sich das Fenster, alterstechnisch.“ Um seinen Fitness-Level zu halten, treibt der Professor durchschnittlich elf Stunden Sport in der Woche: Etwa zwei Stunden schwimmen (vier Kilometer), sechs Stunden Rad fahren (170 Kilometer) und drei Stunden laufen (33 Kilometer) stehen an.

Ganz nebenbei arbeitet er rund 50 Stunden an der Universität: Lehre, Forschung, Hausarbeiten. Der 56-Jährige ist nicht nur Top-Athlet, er gehört auch zur Weltelite der Physiker, die - wie schon Albert Einstein - versuchen, Quanten- und Kosmostheorie unter einen Hut zu bekommen („Den Ironman zu gewinnen, ist einfacher“). Er hat zwei Jahre am Cern-Kernforschungsprojekt in der Schweiz mitgearbeitet und war ebenso lange an der Elite-Uni in Princeton und von 2005 bis 2007 Dekan der Fakultät für Mathematik und Physik an der Leibniz-Uni. Er ist Denker und Sportler.

„Meine Idee für die Promotion ist mir beim Radfahren gekommen“, erinnert sich Lechtenfeld. Ansonsten helfe ihm der Sport beim Abschalten zwischen der Arbeit an physikalischen Formeln: „Ich kann auch drei Stunden konzentriert an einer Formel sitzen“, sagt er. Aber: „Manchmal muss ich einfach raus. Dann hilft kein Kaffee. Ich muss mich bewegen.“

Auf Fachtagungen kennen die anderen Physiker den Sportirrsinn ihres Kollegen bereits: „Nach Goslar fahre ich gerne mit dem Rad.“ Das sind etwa 90 Kilometer. Und: „Jedes Jahr im Sommer gebe ich einen Workshop in Thüringen. Da überrede ich die Studenten immer morgens um sieben vor den Kursen, eine Stunde mit mir laufen zu gehen. Das schweißt zusammen.“

Eine Woche ohne Sport geht für ihn „gar nicht. „Gelegentlich“, gesteht der 56-Jährige, sei sein Sport auch Streitthema zwischen ihm und seiner Frau Sabine (auch 56). „Meine Frau ist nicht so sportlich, aber sie hat sich ganz gut an mich gewöhnt“, sagt der Professor. Dass sein Sportpensum von manchem mit „Wahnsinn“ in Verbindung gebracht werde, sieht Lechtenfeld auch ein: „Ein Drittel von dem, was ich mache, würde schon reichen, um gesund zu sein.“ Aber, so der Ironman: „Der Spaß an der eigenen Leistung treibt mich weiter an.“


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