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BÖSE POST: Babak S. soll 193,83 Euro für eine Schwarzfahrt von 2001 zahlen.

BÖSE POST: Babak S. soll 193,83 Euro für eine Schwarzfahrt von 2001 zahlen.© Frank Wilde

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Üstra

Schwarzfahrer soll nach 14 Jahren zahlen

Ein Inkasso-Unternehmen aus Hannover verschickt derzeit Rechnungen an frühere Üstra-Schwarzfahrer. Die Fälle sind mehr als zehn Jahre her - Verbraucherschützer raten, nicht zu zahlen.

Hannover. Jedes Jahr erwischt die Üstra gut 60.000 Schwarzfahrer. Üstra-Sprecher Udo Iwannek schätzt, dass rund zehn Prozent der Öffi-Sünder das Strafgeld nicht bezahlen. Auch Babak S. (38) ist schon mal ohne gültigen Fahrausweis gefahren. Aber er war ziemlich überrascht, als er von einer Rechtsanwaltskanzlei ein Schreiben erhielt. Darin stand: „Erhöhtes Beförderungsentgelt für Fahrten ohne gültigen Fahrausweis, Vorfall vom: 30.04.2001.“

Der Exil-Iraner sollte für die Schwarzfahrt vor mehr als 14 Jahren 193,83 Euro zahlen. Dazu Üstra-Sprecher Iwannek: „Das ist einer der Fälle, die wir gegen Zahlung eines Abschlags an die Kanzlei abgetreten haben.“ Es sei am wirtschaftlichsten, wenn man solche Altfälle veräußern würde. Die Üstra habe mit der Einforderung der Leistung nichts mehr zu tun. Anfragen der NP beantwortete die Kanzlei nicht.

Wie dem auch sei, Babak S. muss die Forderung von 193,83 Euro nicht begleichen: Aus verschiedenen Gründen. „Solche Forderungen sind nach drei Jahren verjährt“, sagt Gabriele Peters, Sprecherin der Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN). Sie rät trotzdem, ein Formschreiben an die Kanzlei aufzugeben und sich auf die Verjährungsfrist zu berufen. Das sollte per Einschreiben mit Rückschein verschickt werden. Zumal das Schreiben der Kanzlei nicht korrekt sei, so Peters: „Die Forderung ist nicht nachvollziehbar. Es fehlen genauere Angaben zu dem Vorfall.“

Dieses Gebaren passt zu einer bundesweiten Untersuchung der Verbraucherzentralen. Bei 1413 ausgewerteten Beschwerden zu Inkassoforderungen stellte sich heraus, dass jede zweite unberechtigt war. „Inkassodienste sind nicht verpflichtet, die Ansprüche, die sie eintreiben, auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Auch seriöse Inkassounternehmen verschicken deshalb oft unberechtigte Forderungen“, sagt VZN-Rechtsexpertin Kathrin Körber. Oft seien auch die Gebühren unangemessen hoch. Oder es werde mit Schufa-Einträgen, Strafanzeigen oder Zwangsvollstreckungen gedroht. „Ärgerlich ist zudem, dass Verbraucher in eine Ratenzahlungsvereinbarung gedrängt werden. Häufig ist daran ein vorformuliertes Schuldanerkenntnis gekoppelt“, sagt Körber.

Der Fall Babak S. ist nicht der einzige in Hannover. Der NP liegt ein weiteres Schreiben an einen ehemaligen Studenten vor. Dieser soll 204,60 Euro zahlen für eine angebliche Schwarzfahrt aus dem Jahr 2003.

Laut Üstra-Sprecher Iwannek ist die hannoversche Kanzlei „seriös“. Trotzdem steht in dem Schreiben an Babak S., dass die Leistung im Auftrag „unseres Mandanten Üstra“ erhoben werde. Das ist offenkundig nicht ganz wahr. Auf Nachfrage von S. sei die Kanzlei sofort bereit gewesen, die Forderung auf 95 Euro zu senken.


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