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Meine Stadt Schwarzfahrer muss wieder ins Gefängnis
Hannover Meine Stadt Schwarzfahrer muss wieder ins Gefängnis
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13:30 09.10.2018
Foto: Quelle: dpa
Hannover

Der Weg des Günther Bachmann (30, Name geändert) schien vorgezeichnet. Das Adoptivkind hing mit den falschen Freunden rum. Um Geld für Cannabis zu bekommen, stahl und raubte er. Irgendwann reichte es der Justiz. Der Jugendliche fuhr für zwei Jahre und vier Monate ein- – wegen Diebstahls und Computerbetrugs.

Fast drei Jahre Gefängnis

Wegen einer Beziehung verschlug es 2011 Günther Bachmann nach Hannover. Die alten Freunde waren weg, aber manche Verhaltensweise legte er nicht ab. Der junge Mann fuhr weiter schwarz. Laut Gerichtssprecherin Catharina Erps folgte 2012 eine weitere Verurteilung zu einer Haftstrafe wegen 60 Schwarzfahrten. Die Beziehung aus der zwei Kinder hervorgingen, ging in die Brüche. Die Kinder leben jetzt bei Bachmanns Eltern.

Und Günther Bachmann fuhr weiter schwarz. Im Rechtsdeutsch heißt das „Erschleichen von Leistungen“. Bei dem jungen Mann müsste es eher „Erschlafen von Leistungen“ heißen. Weil er keine Wohnung hatte, nutzte er die langen Bahnfahrten für seine Nachtruhe. Zwischen 2013 und 2014 wurde er mehrfach beim Schwarzfahren erwischt. Er ging dafür von Januar 2015 bis August 2017 ins Gefängnis – zwei Jahre und acht Monate. „Ich habe alle Strafen bis auf den letzten Tag abgesessen.“ Er sei immer mit dem „blauen Sack“ entlassen worden. Ohne Wohnung, ohne soziale Hilfe.

Ausbildung zum Maler

Also saß er am Dienstag wieder im Amtsgericht Hannover. Zwischen September und Oktober 2017 wurde er sechs Mal ohne Fahrschein in Zügen der Bahn angetroffen. Richterin Franziska Steffen hatte den Strafbefehl nicht zugelassen, sondern einen Prozess anberaumt. Der freundliche Angeklagte mit dem schwarzen Kapuzen-Pulli hatte dafür volles Verständnis – wegen seiner Vorgeschichte. Er erzählte der Richterin, dass er Anfang 2018 wegen „Erschleichens von Leistungen“ im Amtsgericht Tiergarten (Berlin) zu einem Jahr Haft verurteilt wurde. Von September bis Dezember 2017 war der wohnungslose Mann 40 (!) Mal wegen Schwarzfahrens erwischt worden. Daraufhin stellte die Amtsrichterin in Hannover das Verfahren gegen Günter Bachmann ein. Auf gut deutsch: Die Strafe des Amtsgerichts Tiergarten erschien ihr hart genug.

Nun hofft der Angeklagte, dass er an seinem neuen Wohnsitz in Sachsen-Anhalt wenigstens in den offenen Vollzug kommt. „Ich habe mittlerweile eine Wohnung und einen Arbeitsplatz zur Probe“, erzählt er. Im Gefängnis hat er eine Ausbildung zum Maler und Lackierer bestanden. Wer weiß, ob er das ohne das Schwarzfahren geschafft hätte.

Von Thomas Nagel

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