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Behutsame Modernisierung

Schützenfest: Neun Punkte 
für den Erfolg

Das 487. Schützenfest sei toll gewesen, sagen Stadt, Schausteller und Schützen. Aber 
Zufriedenheit ist bekanntlich die Feindin des Erfolgs.

Hannover. Damit es wirklich klappt mit der Anerkennung als Weltkulturerbe, steht eine behutsame 
Modernisierung an. NP-Redakteurin Vera König listet die neun wichtigsten Punkte auf.

Das ist schon gut

Ausmarsch
Mit den Worten „Im Doubliertritt marsch!“ beginnt das Ereignis, das unbestritten einen Weltrekord der Stadt darstellt. Der weltgrößte Schützenumzug setzt sich dann in Bewegung. In alten Zeiten geschah das am ersten Montag im Juli, und wenn es da keine Ferien gab, machten viele einfach frei oder hofften auf verständnisvolle Arbeitgeber. Aus dieser Montag-Tradition rührt noch heute die ungewöhnliche Datumswahl: Der Ausmarsch fällt auf den Sonntag vor dem ersten Montag im Juli. Kann also auch im Juni sein. In den bunten Zug reihen sich mehr als 4000 Schützen und ebenso viele Musiker, Folklore- und Karnevalsgruppen oder Firmen und Institutionen teils zu Fuß, teils mit Festwagen ein. Vom Rathaus bis zum Schützenplatz ist es quer durch die Stadt zwar nur eine Strecke von etwa vier Kilometern – aber von den ersten Bläsern bis zum letzten Grünrock ist der Zug selbst zehn Kilometer lang. Wären die Schützenvereine nicht bei der Auswahl von Gästen beschränkt, gäbe es kaum ein Ende. Spricht dafür, dass diese Tradition auch heute noch begeistert – selbst bei einem kurzfristigen Regenschauer.

Infinity
In dieses Fahrgeschäft haben sich viele nicht gewagt. Diejenigen, die sich getraut haben, schwärmen vom Erlebnis. „Infinity“, das höchste mobile Loopingkarussell der Welt, schleudert seine Fahrgäste bei einer Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern bis zu 65 Meter hoch in die Luft. Das Überkopfkarussell des niederländischen Schaustellerunternehmens Hoefnagels & Söhne ist eine absolute Weltneuheit. Genau das macht die richtige Mischung auf dem Platz aus – hoch, schnell, nostalgisch. Der alte Auto-Scooter und die Raupe ebenso wie „Infinty“ oder der „Big Spin“, in dem man sich rasant um die eigene Achse dreht.

Gaypeople-Zelt
Im Gaypeople-Zelt geht jeden Abend die Post ab. In den Anfangsjahren fanden Besucher die Mischung aus Travestie-Shows, Konzerten oder Men-Strips eher als Hinterlieger-Angebot, doch inzwischen ist Deutschlands einziges Gaypeople-Zelt auf einem Volksfest unübersehbar untergebracht. Da feiern nicht nur Schwule und Lesben, sondern ebenso viele Heterosexuelle. Das Konzept ist gut und macht richtig Laune. Wünschenswert wäre, nein, keine Kopie. Aber mehr Rock oder Schlager mit Live-Bands in einem dafür bestimmten anderen Zelt. Könnte beim Auftritt von Stars ruhig ein bisschen Eintritt kosten.

Feuerwerk
Einer der spektakulärsten Events an jedem Schützenfest-Freitag ist das Feuerwerk. Natürlich nicht zu vergleichen mit den Lichteffekten, die beim Festival im Großen Garten in Herrenhausen gezeigt werden – aber dafür kostenlos und jede Menge „Ahs“ wert. Ein Blickfang war das Feuerwerk zum 775. Geburtstag der Stadt. Eine große Leistung der Pyrotechniker, die die Zahlen in den Himmel malten. Einen Super-Blick auf das Leuchtspektakel haben Besucher vom Turm auf dem Rundteil. Der hilft auch sonst, mehr Orientierung über die Anlage des Festplatzes zu gewinnen und sich dabei Wind um die Nase wehen zu lassen.

Stadtgeburtstag
Muss denn so ein Stadtgeburtstag ausgerechnet auf dem Schützenplatz gefeiert werden, haben sich ein paar prominente Gäste gefragt. Vielleicht hätten sie den Kuppelsaal als Rahmen angemessener gefunden. Doch die Entscheidung der Stadt war mutig – und richtig. Mit der richtigen Dekoration macht jedes Festzelt viel her, mit dem richtigen Catering finden auch Menschen mit verwöhntem Gaumen nichts zu mäkeln. Das Fest am Freitagabend war leider eine Veranstaltung mit nur 775 geladenen Gästen. Aber es könnte mehr Firmen Mut machen, auf dem Platz zu feiern, und mehr Spitzengastronomen überzeugen.

Das muss besser werden

Preise
Mittwochs ist Familientag, dann gelten reduzierte Preise. Wer aber den Besuch mit seiner Familie nicht mit diesem Terminangebot vereinbaren
kann, stößt beim Schützenplatz-Besuch allzu schnell an seine finanziellen Grenzen. Und mehr als einmal können sich viele Familien – wenn überhaupt – den Spaß mit Karussells oder rasanten Fahrgeschäften nicht leisten. Vielleicht wäre es eine gute Idee, die Preise ein bisschen an die Uhrzeit anzupassen, also in besucherarmen Zeiten viel Vergnügen für weniger Geld zu bieten. Hannover hat damit seit dem 18-Uhr-Ticket auf der Weltausstellung Erfahrung.

Touristen
 International könnte das Schützenfest mit seiner großartigen Tradition weitaus besser vermarktet werden. Aber damit Amerikaner, Australier oder Chinesen sich wirklich wohlfühlen, brauchen sie geführte Schnupperkurse. Altgediente ehemalige Bruchmeister könnten ihnen beibringen, wie man Lüttje Lagen trinkt, ohne zu kleckern, Schützen demonstrieren, wie mit Kimme und Korn ein Treffer gelingt. Auch die Auszeichnung der Besten, die von Montag bis Mittwoch im Hauptfestzelt läuft, fände mehr Beachtung. Geführte Touren könnten der erste Schritt zu einem neuen Exportschlager sein.

Konzerte
Starker Auftritt von Lena Meyer-Landrut zur Stadtfeier 775 Jahre Hannover. Leider waren es nur drei Songs (darunter natürlich „Satellite“) – aber alles andere hätte ja auch den Zeitrahmen gesprengt. Warum bitte schön gibt es davon nicht mehr? Als „Unesco City of Music“ dürfte Hannover keine Schwierigkeiten haben, Talente in der eigenen Stadt zu finden. Oder aber Stars aus anderen Städten dafür zu begeistern, beim weltgrößten Schützenfest ein für sie vielleicht neues Publikum zu begeistern. Als Erste könnten vielleicht die Scorpions ein Heimspiel geben, wenigstens ein kurzes. Oder Fury In The Slaughterhouse mit einem Reunion-Auftritt zum 30-jährigen Bandbestehen im kommenden Jahr.

Öffnungszeiten
Alter Tradition getreu geht es jeden Tag um 14 Uhr auf dem Schützenplatz los. Zum Ausmarsch, also am ersten Sonntag, wird das Fest um zehn Uhr und am zweiten Sonntag um elf Uhr geöffnet. Aber was Besucher dann sehen, ist meistens gähnende Leere. Die Budenbesitzer zeigen gelangweilte Gesichter. In den Festzelten hockt kaum jemand. Auch für Familien mit kleinen Kindern wären spätere Öffnungszeiten durchaus möglich. Echte Partygänger machen sich ohnehin erst gegen 22 Uhr auf die Piste. Vorschlag deshalb: Öffnungszeiten vorn kappen. Nach hinten sind (gut so!) schon keine Grenzen gesetzt.


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Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok