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© Nancy Heusel

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Open-Air-Oper

Schöner kann man eine "Traviata" kaum bekommen

Es war eine unvergessliche Opernnacht, diese „Traviata“ im Maschpark. Mit beeindruckenden Zahlen: 37 000 Belcanto-Fans hatte Hannovers Opern-Open-Air gezogen. Zur eigentlichen Aufführung waren dann noch einmal mehr gekommen als zur Generalprobe.

Hannover. 20 000 Zuhörer waren am Samstag im Maschpark, 13 000 bei der Generalprobe am Donnerstag – und an jedem Abend dazu noch einmal 2000 vor der Bühne am Maschteich.

Zahlen, die bestätigen, dass hier alles aufgegangen ist, tolle Sänger, eine der schönsten Opern der Musikgeschichte, eine NDR Radiophilharmonie in Bestform. Und sogar das Wetter spielte auf den Punkt mit, exakt zu Traviatas Tod und nur hier vergoss der Himmel ein paar regenfeuchte Tränen.

Musikalisch stand alles zum Besten, schöner kann man eine „Traviata“ auch in den großen Opernhäusern der Welt kaum bekommen. Das bestätigte auch Peter Gelb zu später Stunde, immerhin Generalmanager der berühmten Metropolitan Opera in New York – der diese Nacht in Hannover „marvellous“ (fabelhaft) nannte. Und schon bei der Generalprobe dabei war, auch weil seine Lebensgefährtin die Dirigentin Keri-Lynn Wilson ist.

Die aber auch jedes Lob verdient: ein kräftiger Schuss „Italianità“, straffe Tempi und Intensität, die der Oper den nötigen Drive und die Dramatik gaben und die die Sänger ordentlich forderten.

Was aber dann kaum Problem darstellt, wenn man Weltklasse liefert. Und das galt vor allem für die Sängerin der Traviata, Marina Rebeka – mit sanften Piano-Spitzentönen, techniksicheren Koloraturen und einem hinreißenden „Addio“ am Schluss. Ihr „È strano“ im ersten Akt war einfach nur wow! Hier ist eine Sängerin, die eher zu den „schönen“ Traviata-Stimmen gehört, aber trotzdem über genügend dramatische Gestaltungskraft verfügt.

Mit Tenor Francesco Demuro hatte Marina Rebeka schon in der „Traviata“ in New York auf der Bühne gestanden, im Zusammenspiel klappte alles. Stimmlich bemerkenswert waren seine Temperamentsausbrüche im zweiten Akt, als Alfredo Violetta des Geld für die Füße wirft. Thomas Hampson als Germont setzte stilsicher seine jahrzehntelange Bühnenerfahrung ein.

Es war stimmiger und auch klanglich noch besser als die „Bohème“ im vergangen Jahr. Vor der Bühne war der Sound ausgezeichnet, die Mischung aus Direktschall und Verstärkung stimmte, war schon nah dran an einem echten Opernhaus. Und zumindest besser, als was andere Opern-Open-Airs (Bregenzer Festspiele) bieten. Das Orchester blieb über den gesamten Frequenzbereich durchsichtig.

Und es ist schon erstaunlich, wie man mit so wenigen Requisiten eine solche Stimmung auf der Bühne schaffen kann. Eine Chaiselounge und fertig ist der Salon, ein paar Sektflaschen auf den Tischen, ein paar ausgelassene Sänger und schon hat das berühmte „Trinklied“ einen passenden Rahmen. Alles festlich illuminiert von zwei beeindruckenden Kronleuchtern und sogar einem Mini-Feuerwerk.

Gegen Mitternacht satte Begeisterung im Park und vor der Bühne, Standing Ovations für das Orchester, für Hannovers versammelte Chöre (von Gudrun Schröfel einstudiert) und für eine in jeder Hinsicht bemerkenswerte Aufführung. Die im kommenden Jahr ihre Fortsetzung findet. Fünf von fünf Sternen.

- NDR Kultur hat die Aufzeichnung dieser „Traviata“ ab heute für ein Jahr in ihrer Mediathek stehen.


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