Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Scharf, schärfer, Scarfe - Provokantes im Busch-Museum
Hannover Meine Stadt Scharf, schärfer, Scarfe - Provokantes im Busch-Museum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:23 16.07.2010
Allzeit bereit: Die Karikatur von Gerald Scarfe zeigt Bill Clinton, der mit einer Sex-Affäre konfrontiert war.
Anzeige

Von Stefan Gohlisch

Hannover. Wer den Pink-Floyd-Film „The Wall“ gesehen hat, wird diese Szene nicht vergessen: die marschierenden Hämmer, angetrieben von einem monströsen Faschisten mit vaginalem Maul. Der britische Karikaturist Gerald Scarfe hat sie entworfen, wie auch alle Zeichentrick-Sequenzen aus dem Film, die Cover-Kunst des dazugehörigen Albums, die Show der Tour. Dafür vor allem kennt man ihn in Deutschland. Im Busch-Museum kann man auch die des bitterbösen politischen Karikaturisten Scarfe erleben, in der Schau „Heroes & Monsters“.

„Wir zeigen den ganzen Gerald Scarfe“, so Kuratorin Gisela Vetter-Liebenow. Die ausgestellten 150 Arbeiten reichen von frühen Reportage-Zeichnungen aus den 60er Jahren (auch hier Mauer-Bilder) über Promi-Porträts, „Wall“-Bilder und Charakter-Designs für den Disney-Film „Hercules“ bis in die Tagespolitik. Der 74-jährige Meister kommentiert sie seit 1967 für die „Sunday Times“.

Scharf, schärfer, Scarfe: Man sieht Bill Clinton als Pinoccio, dem eine gewaltige Lügennase direkt aus der Hose fährt. Die britischen Premierminister-Kandidaten Gordon Brown und David Cameron als ekle Haufen, dazwischen der Bürger – Sie haben die Wahl. Ihr Vorgänger Tony Blair als Pudel, dem englischen Gegenstück zum deutschen Pinscher. Aber auch Mick Jagger, ganz übergroßes Mundwerk. Dem Rolling Stone hats so gut gefallen, dass er sich das Motiv auf T-Shirts drucken ließ. Auch Film-Ausschnitte und skulpturale Arbeiten sind zu sehen, am faszierendsten jenes schwere Holzmonument, das Scarfes ohnehin reduzierte Nixon-Bilder auf spitze Nase und tropfenförmiges Kinn reduziert.

Das einzige Blatt, das Scarfe vor den Mund nimmt, ist aus Papier. Die Bilder sind von einer Drastik, die man in Deutschland nicht gewohnt ist, in Großbritannien aber von jeher gepflegt wird. Da sieht man dann schon mal einen (sehr affenähnlichen) George W. Bush mit Cape, der über zerstörte Erde fliegt. In Abwandlung des berühmten Superman-Zitats steht daneben: „Is it a Bird? Is it a Plane? No, it‘s a fucking Desaster.“ Es ist ein verficktes Desaster, meint Scarfe und schreibts auch hin.

Vetter-Liebenow sagt dazu: „Er hat die Gabe, unser alle Schreckensvisionen, unsere finsteren Gedanken zu Papier zu bringen – nur durch das Lachen kann man es aushalten.“ Andere Bilder tun seelisch weh, zum Beispiel jenes mit dem verhungernden Kind in der einen Ecke und einem Fressnapf in der anderen, und der Weg von A nach B ist gar zu weit …

Eine phänomenale Ausstellung, eine eindrucksvolle Demonstration der Macht des Bildes. In Zusammenspiel mit der Ronald-Searle-Schau im selben Haus kann man hier die Arbeit von zwei der bedeutendsten lebenden Karikaturisten kennenlernen. Es gibt keine Ausrede.

Bewertung: 5/5.

Bis 24. Oktober. Eröffnung ist am Sonntag um 11.30 Uhr. Gerald Scarfe wird auch da sein.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Ein aus der Sicherungsverwahrung entlassener Sexualstraftäter steht seit seiner Ankunft in Niedersachsen unter Polizeibeobachtung. Unklar ist, wie lange die Polizei auf ihn aufpassen wird.

16.07.2010

Voraussichtlich wird die Landeshauptstadt am Jahresende nicht so tief in den Miesen stecken wie befürchtet. In den ersten sechs Monaten des Jahres waren die Ausgaben geringer als geplant, die Steuereinnahmen dagegen höher.

15.07.2010

Vor allem die Kartoffelernte ist in diesem Jahr gefährdet. Landwirte in Niedersachsen klagen über die extreme Hitze.

15.07.2010

Ein aus der Sicherungsverwahrung entlassener Sexualstraftäter steht seit seiner Ankunft in Niedersachsen unter Polizeibeobachtung. Unklar ist, wie lange die Polizei auf ihn aufpassen wird.

16.07.2010

Nach einem Wetttauchen in einem Kanal in Seelze schwebt ein 19-Jähriger in Lebensgefahr.

16.07.2010

Voraussichtlich wird die Landeshauptstadt am Jahresende nicht so tief in den Miesen stecken wie befürchtet. In den ersten sechs Monaten des Jahres waren die Ausgaben geringer als geplant, die Steuereinnahmen dagegen höher.

15.07.2010
Anzeige