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Meine Stadt Salafisten zurück in Hannovers Innenstadt
Hannover Meine Stadt Salafisten zurück in Hannovers Innenstadt
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00:19 13.10.2018
Dubiose Aktion: Mit einem Kuchenstand sammelten Salafisten Spenden. Es ist schleierhaft, wohin das Geld fließt. Quelle: Foto: Mahrholz
Hannover

Die Salafisten melden sich zurück in Hannovers Fußgängerzone. Mit einem Kuchenstand haben sie jetzt am Schillerdenkmal Spenden gesammelt. Schleierhaft ist, für welche Zwecke. Nach NP-Informationen wurde der Verkaufspavillon von einer Privatperson angemeldet, die mit „Ansaar International“ in Verbindung stehen soll. Die Organisation wird vom Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen beobachtet und im Verfassungsschutzbericht 2017 der Be­hörde „als Organisation innerhalb der extremistisch-salafistischen Szene bewertet“. Die Aktion wurde auch von Salafistenprediger Marcel Krass beworben. Er hatte 2017 seinen Wohnsitz von NRW nach Hannover verlegt. Inzwischen hat er in der Landeshauptstadt eine neue Salafisten-Organisation gegründet, für die er scheinbar Geld braucht.

Die Flyer für den Kuchenstand, die Krass auf seiner Facebook-Seite postete, sind überschrieben mit „Food für Charity“ (Essen für einen guten Zweck). In einer ersten Ankündigung ist nebulös die Rede davon, dass der Erlös bestimmt sei „Für unser Krankenhaus Projekt in Syrien“. Beim zweiten Post ist kein „Verwendungszweck“ mehr genannt. Es heißt nur: „Unterstütze Menschen in Not.“

Schon 2016 hatte ein Kuchenstand für Wirbel gesorgt

Zunächst lud eine „Schwesterngruppe“ namens „Ansaarul Yateem Hannover“ zu der Spendenaktion ein. „Ansaarul Yateem Hannover“ ist Insidern unbekannt und taucht auch in einem weiteren Flyer nicht mehr auf. Wie die NP erfuhr, soll die Person, die den Verkauf bei der Stadt anmeldete, Verbindungen zu „Ansaar International“ haben. Bei Facebook veröffentlichte Krass, dass auch seine Frau an der Aktion am Schillerdenkmal beteiligt sei: „Heute ist Eva-Krass-Tiramisu-Torten-Day“. Zuletzt hatte im Dezember 2016 ein Kuchenstand der Salafisten an der Osterstraße für Wirbel ge­sorgt – auch damals war fraglich, ob der Erlös in die Kanäle von Extremisten fließt.

Für die aktuelle Aktion am Schillerdenkmal liegen laut Frank Rasche, Sprecher des Niedersächsischen Verfassungsschutzes, „Anhaltspunkte dafür vor, dass der Kuchenstand unter anderem von Personen des salafistischen Spektrums organisiert und betrieben“ wurde. Vorerst scheinen keine „Cakedays“ in Hannover mehr ge­plant zu sein: „Weitere Anmeldungen dieser Art liegen derzeit nicht vor“, so Stadtsprecher Dennis Dix.

Das postete Marcel Krass bei Facebook, kündigte den Kuchenverkauf an. Quelle: privat

Geld kann auch Prediger Krass gebrauchen: Mit Dennis Rathkamp vom Salafisten-Verein „Der Schlüssel zum Paradies“, der längst in der Versenkung verschwunden ist, hat er in Hannover eine neue Organisation gegründet – die Föderale Islamische Union. Man versteht sich als eine Art Dachverband, die die Rechte der Muslime vertritt – Rechte, die, wie Krass in Video-Botschaften behauptet, in Deutschland systematisch verletzt würden. Er wirbt um Spenden, um etwa Klagen gegen das Verbot der Vollverschleierung von Frauen am Steuer bezahlen zu können.

Von Britta Mahrholz

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