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Meine Stadt Säureattacke: Er wollte sie "hässlich" machen
Hannover Meine Stadt Säureattacke: Er wollte sie "hässlich" machen
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00:15 08.08.2016
IM SCHWURGERICHTSSAAL: Vanessa Münstermann (27) ist schwer entstellt, ihr Anwalt Matthias Waldraff legt schützend seinen Arm um sie. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Münstermanns Anwalt hält die ganze Zeit seinen linken Arm um seine Mandantin, schützend, fürsorglich. Sie wirkt sehr gefasst, ernst, konzentriert. Bereitwillig lässt sie sich filmen und fotografieren; sie will, dass die Menschen überall sehen können was ihr angetan wurde.

Der 32-Jährige ist ein gutes Stück größer als das Opfer, er ist sehr kräftig gebaut und attraktiv. "Er ist eigentlich ein ganz hübscher Bursche", sagt ein Prozessbeobachter. Im Gerichtsaal sieht man ihm an, dass er sich unwohl fühlt. Er versteckt sich hinter einem Aktenordner, schaut die meiste Zeit starr zu Boden. Dann gesteht er die Tat. Nach der Trennung habe er sich von seiner Ex-Freundin erniedrigt und wegen einer Strafanzeige von ihr bedroht gefühlt. Mit der Attacke habe er ihren schlechten Charakter auf ihr Äußeres übertragen wollen. "Ich dachte, ich muss sie irgendwie hässlich machen." Die Wirkung der Säure habe er allerdings unterschätzt.

Der Vater und die Mutter der 27-Jährigen sind auch im Gerichtssaal, sie wollen aber vorerst mit niemandem sprechen.

Weil er seine Ex-Freundin in Hannover mit einer Säure-Attacke dauerhaft entstellt haben soll, muss sich ein 32-Jähriger ab sofort an vor dem Landgericht verantworten. Die Anklage legt dem geständigen Mann versuchten Mord zur Last.

Die linke Gesichtshälfte von Vanessa ist entstellt. "Sie ist fürs ganze Leben gezeichnet", sagt eine Frau, die Münstermann von der Arbeit aus kennt und jetzt auf der Zuhhörerbank Platz genommen hat. Das Gewebe rund ums Auge ist stark vernarbt, das linke Ohr ist bei dem Angriff halbzerfetzt worden. Immerhin: Die schwarzen Haare auf ihrem Kopf wachsen langsam wieder.

Gleich zu Beginn des Prozesstages stellt Benjamin Schmidt, Verteidiger des Angeklagten, in dessen Namen zwei Anträge: Die Öffentlichkeit soll ausgeschlossen werden (wird sie zeitweise auch, als es um ärztliche Behandlungen des Angeklagten zu dessen Jugendzeiten geht) und die geänderte Besetzung des Gerichts passt ihm nicht (darüber wird am Montag entschieden).

Das Schwurgericht hat ganz schön was zu tun, stellt sich der Herausforderung aber gelassen ruhig. Das Programm für den ersten Tag ist schon recht voll; nach Verlesung der Anklage und der Aufnahme persönlicher Angaben zum Angeklagten sind auch noch erste Zeugen geladen.

Nach einer Zwangspause für die Öffentlichkeit (währrend der Aussage des Angeklagten zu Details über seine Kindheit) wird bekannt, Verteidiger Schmidt hat noch einen Antrag gestellt: Er will, dass das Verfahren eingestellt wird, sein Mandant sei schuldunfähig: "Er (gemeint ist der 32-jährige Angeklagte, die Red.) hat eine grausame Tat begangen", so Schmidt, aber "er gehört nicht in eine Justizvollzugsanstalt er muss therapiert werden."

Wie Matthias Waldraff bekannt gegeben hat, zahlte Daniel F. schon vor Prozessbeginn 50 000 Euro Schmerzensgeld an Vanessa Münstermnann. "Das ist in unseren Augen lediglich ein Vorschuss", sagt Waldraff.

Über Daniel F. sagt Waldraff: "Er hat in zentralen Punkten gelogen. Vanessa wird die Wahrheit erzählen."

Andreas Körlin und Tobias Welz

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