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Meine Stadt Ricoh: Ende der Krise in Sicht?
Hannover Meine Stadt Ricoh: Ende der Krise in Sicht?
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09:54 01.03.2018
RICOH IN HANNOVER: In Deutschland wieder auf dem Weg nach oben, heißt es aus der Zentrale in der Vahrenwalder Straße.   Quelle: Foto: Dröse
Hannover

 Der japanische Konzern Ricoh hatte sich Ende 2016 angesichts einer Krise mit Gewinneinbruch von 70 Prozent eine Restrukturierung auferlegt – das traf auch sein Deutschlandgeschäft, das von Hannover aus gesteuert wird. Starten sollte der Umbau des Drucker- und Multifunktionsgeräte-Giganten im April, binnen eines Jahres sollte entsprechend einer Strategieänderung umorganisiert und zurück in die Erfolgsspur gefunden werden – dabei standen hierzulande auch rund 484 Vollzeitstellen auf dem Spiel. Jetzt ist der Ziel-Zeitpunkt fast erreicht – und es sei nicht so schlimm geworden, wie von vielen befürchtet, erklärt Mario Di Santolo, Ricoh-Deutschland-Sprecher, im Gespräch mit der NP.

„Wir liegen im Plan, die Restrukturierung ist im Großen und Ganzen abgeschlossen. Unserer Ergebnisse verbessern sich Schritt für Schritt. Und wir haben weniger Arbeitsplätze abgebaut als ursprünglich geplant!“ Die Belegschaft hatte zuvor auf Weihnachtsgeld und Lohnzuwachs verzichtet – das sparte dem Unternehmen rund sieben Millionen Euro und sollte rund 100 Jobs vor dem Aus sichern. Von den deutschlandweit 3000 Jobs (1100 in Hannover) seien zwar 500 abgebaut worden, 250 davon hier in der Zentrale in der Vahrenwalder Straße – doch man habe nicht allen kündigen müssen, ein Großteil sei „durch Nichtwiederbesetzung und natürliche Fluktuation“ abgebaut worden. Man habe die meisten Jobs in der Verwaltung abgebaut, um „da die Effizienz zu steigern“; parallel sei der Vertrieb gestärkt worden – 100 neue Stellen - und man habe den Fokus neu gesetzt: „Wir orientieren uns jetzt viel stärker am deutschen Mittelstand als an Großkunden wie früher“, erklärt Di Santolo. Und für 2017 habe es wieder Weihnachtsgeld gegeben. Insgesamt müsse man mal die Entwicklung sehen, seit Ricoh die ehemalige Tochter NRG (Nashuatec, Rex-Rotary, Gestetner) in Hannover zur Deutschlandzentrale gemacht hat: 2007 hatte das Unternehmen deutschlandweit nur 1112 Mitarbeiter, davon 450 hier, es machte 283 Millionen Euro Umsatz – zuletzt standen hier rund 570 Millionen Euro in der Bilanz.

Umbau und neue Geschäfte

Da es in Deutschland gut vorangegangen sei, sei vor kurzem auch der Ricoh-Europa-Chef David Mills in Hannover und den anderen deutschen Hauptstandorten Düsseldorf und Esslingen gewesen „um zu sagen, wo wir stehen und um sich zu bedanken.“ Allerdings rechnet man in Japan noch mit einem weiteren deutlichen Gewinnrückgang für den Gesamtkonzern (um mehr als 40 Prozent) für das im März endende Geschäftsjahr – doch habe man die Lage durch den vom (damals) neuen Oberchef Yoshinori Yamashita gestarteten Umbau „stabilisiert“. Die „neuen Geschäftsfelder“ entwickeln sich laut dem Sprecher sehr positiv. Neben dem bisherigen Kerngeschäft „Office Printing“ (also Drucker und Kopierer für die Bürowelt) baue man die „Office Services“ aus (alles, was Dienstleistungen am Arbeitspatz rund um IT, Software und Prozesslösungen betrifft) und – „für die Zukunft ganz entscheidend“ – widmet sich dem kommerziellen und industriellen Druck. Da wolle Ricoh „die Technik“ verkaufen: nicht Mengen an Geräten, sondern etwa eine Druckstraße für Laminathersteller aufbauen, auch 3D-Druck sei Thema. Da habe man im vergangenen Jahr ja etwa BASF, Daimler und VW als Kunden gewonnen.

Branche unter Druck

Das geschieht alles unter Druck, denn „immer weniger Player streiten sich um einen nicht größer werdenden Kuchen“, sagt Di Santolo. So ist etwa der Branchen-Pionier Xerox ganz von Fuji übernommen worden, und Samsung hat seine Profi-Multifunktions-Gerätesparte an HP verkauft. Es herrsche Verdrängungswettbewerb pur. Dahabe man in Deutschland erfreut zur Kenntnis genommen, „dass man sich von einigen Paradigmen des japanischen Konzerns verabschiedet hat“, etwa: Geräte verkaufen, verkaufen, verkaufen - Hauptsache die Zahl stimmt - egal, was dabei unterm Strich übrig bleibt.

Weltkonzern

Ricoh ist ein japanischer Konzern mit Sitz in Tokio und weltweit etwa 110 000 Beschäftigten, der vorwiegend Drucker und Multifunktionsgeräte für die moderne Bürokommunikation herstellt.

Gegründet wurde Ricoh 1936 – damals produzierte das Unternehmen lichtempfindliches Papier, ab 1937 Kameras – die gehören immer noch zur Produktpalette – und begann nach eigenen Angaben 1950 als Erster mit deren Massenherstellung, so dass sich dank sinkender Preise immer mehr Konsumenten eine Kamera leisten konnten.

Büromaschinen wurden demnach erst 1955 ins Programm aufgenommen. Im Jahr 1974 schaffte es ein Fax-Gerät des Herstellers, eine Nachricht binnen einer Minute zwischen New York und Tokio zu übertragen – andere brauchten dafür drei bis sechs Minuten.

Der Konzern erwartet aktuell umgerechnet etwa 15,5 Milliarden Euro Jahresumsatz. Hauptstandorte in Deutschland: Hannover, Düsseldorf, Esslingen am Neckar.

Von Ralph Hübner

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