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Terrorismus

Reise in den Dschihad gestoppt

Der Stuhl am Tisch der Klägerin blieb leer. Nur G. ist auf Tauchstation. Die 23-jährige Hannoveranerin mit türkischen Wurzeln war gestern nicht dabei, als im Verwaltungsgericht darüber entschieden wurde, ob sie ihren Reisepass und ihren Personalausweis zurückbekommt. Die Landeshauptstadt hatte der jungen Frau die Dokumente entzogen, weil der Verdacht besteht, dass sie in den Heiligen Krieg ziehen will (NP berichtete).

Nicht allein, sondern zusammen mit einem bekannten Salafisten aus der hannoverschen Szene: Ahmed A. (24). G. behauptet jedoch das Gegenteil. Hochzeitspläne mit dem Afghanen will sie angeblich aufgegeben und sich von ihm getrennt haben. Offenbar eine Lüge: Das Paar hat längst geheiratet – nach islamischem Ritus (Bericht unten). Ihre Papiere bekommt die 23-Jährige nicht zurück, gegen sie gilt ein Ausreiseverbot. Das Gericht hat die Klage der 23-Jährigen gegen die Stadt Hannover abgewiesen.

G. und ihr Bräutigam wollten
nach deutschem Recht heiraten,
waren deshalb im November 2015 im hannoverschen Standesamt erschienen und legten einen Monat später auch nötige Urkunden aus Afghanistan vor. Als im Januar 2016 die Polizeidirektion Hannover bei der Landeshauptstadt den Passentzug anregte, begann die 23-Jährige ein Verwirrspiel um die Beziehung zu A. Telefonisch teilte die Frau der Behörde mit, dass sie sich von ihm getrennt habe. Die Stadt erhielt allerdings auch Informationen von Nachbarn, wonach sie A. regelmäßig in seiner Wohnung besucht. Im April nahm die Ordnungsbehörde G. schließlich ihre Papiere ab – und stützt sich dabei auf ein Behördenzeugnis des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV).

Demnach plane A. auch weiterhin, in seine Heimat zurückzukehren. Dort wolle er Anschläge auf die afghanische Armee sowie auf Truppen und Einrichtungen der Nato verüben. „Er wünscht sich, als Märtyrer zu sterben“, so gestern der Vertreter des BfV. Die 23-Jährige wolle ihn bei seiner Mission unterstützten. Wenn er ausreist, wolle sie mitgehen. Und sie möchte sich nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes auch von ihm in der Handhabung von Waffen schulen lassen.

Das Bundesamt verfügt zudem über neue Erkenntnisse hinsichtlich der Hochzeit des Paares: „Die Feier hat am 22. Mai stattgefunden“, so der Beamte. Dieser Tag sei der Geburtstag der 23-Jährigen. Etwa 120 Gäste hätten an der Feier im Dunya-Event-Center (Linden) teilgenommen. Wann die Eheschließung nach islamischem Recht war, sei aber nicht bekannt. Der Bräutigam, dem vor einem Jahr sein Ausweis entzogen worden war, ist ein Verfechter der Scharia (islamisches Recht). Ein weiterer Hinweis, dass G. sich nicht von dem 24-Jährigen getrennt hat: Die beiden und drei andere bekannte Salafisten sind am 5. Juni auf der A 2 bei Essen in eine Polizeikontrolle geraten. A. hat dabei das Auto des Vaters der Braut gefahren.

Das Verwirrspiel um ihre Beziehung zu dem Afghanen hat der Kammer nicht gefallen, machte der Vorsitzende Andreas Kleine-Tebbe deutlich: „Das Gericht fühlt sich für dumm verkauft.“ Die abwesende G. ließ sich im Prozess von Anwalt Nicolai Zipfel vertreten. Besuche in der Wohnung des 24-Jährigen, die Hochzeitsfeier in Linden, die gemeinsame Autofahrt auf der A 2: „Es sind neue Beweismittel aufgetaucht“, so der Jurist: „Meine Mandantin muss gucken, wie sie damit umgeht.“

Hochzeit nach islamischem Ritus: Afghane taucht
in Landestracht am Koranstand in der City auf

Ahmed A. (24) hat geheiratet. Bei den hannoverschen Salafisten ist das seit Monaten bekannt. Auch, dass die Trauung des Afghanen und seiner Frau nach islamischem Ritus stattgefunden hat, wussten viele Brüder in der Szene. Umso unverständlicher ist das Verwirrspiel, das Nur G. (23) um die Beziehung zu dem 24-Jährigen betrieb, als ihr der Entzug des Reisepasses drohte (Bericht oben).

A. ist sogar Anfang des Jahres in der Innenstadt gesehen worden, als er in afghanischer Tracht am Koranstand von „Siegel der Propheten“ auftauchte. Er soll von seiner Heirat berichtet und andere Salafisten zu der Feier eingeladen haben.

Der Afghane gilt als radikal und gehört zu den Freunden von Saleh S. (17), dem Bruder der mutmaßlichen IS-Attentäterin Safia S. (15). A. besuchte wie der 17-Jährige und der Misburger Mohamad Hassan K. (19), der einen Anschlag auf ein Länderspiel in Hannover geplant haben soll, die Moschee des Deutschsprachigen Islamkreises an der Kornstraße.

Dem 24-Jährigen hatte die Stadt Hannover zur Verhinderung einer Rückkehr in seine Heimat am 14. Juli 2015 den Ausweis entzogen und ein Ausreiseverbot verhängt. Die Anordnung gilt für ein Jahr. Über eine Verlängerung sollte nach dem gestrigen Prozess gegen Nur G. entschieden werden, erklärte Martin Jäger von der Stadt.

von Britta Mahrholz


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