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Meine Stadt Region Hannover: Bewerbermangel im Jugendamt
Hannover Meine Stadt Region Hannover: Bewerbermangel im Jugendamt
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17:43 30.11.2018
NACHWUCHSPROBLEME: Jugendamtsleiter Roland Levin befürchtet, Stellen nicht mehr rechtzeitig mit qualifizierten Mitarbeitern besetzen zu können. Quelle: Behrens
Hannover

Der Fachkräftemangel macht vor den sozialen Diensten nicht halt. „Wir haben ein Problem", sagt Roland Levin, Jugendamtsleiter der Region Hannover. Das Problem heißt Bewerbermangel und betrifft alle Jugendämter bundesweit. „Es wird eine Herausforderung bleiben, ausreichend Personal zu finden", so Levin.

Gründe dafür gibt es viele. Da ist zum einen der demografische Wandel. Jedes Jahr gehen beim Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD), dem laut Levin „Herzstück des Jugendamtes“ im Schnitt fünf Mitarbeiter in den Ruhestand. Und das noch wenigstens die nächsten zehn Jahre lang, so Frauke Schwarz, für den Fachbereich zuständige Personalreferentin.

Aufgaben haben zugenommen

Gleichzeitig aber nimmt die Zahl der Bewerber drastisch ab. „Hatten wir vor zehn Jahren noch 40 Bewerber auf eine offene Stelle, sind es jetzt manchmal nur noch zehn“, berichtet Levin. Obwohl das Studienangebot erheblich ausgeweitet wurde, das Studium der Sozialen Arbeit so beliebt ist, dass es sogar mit einem Numerus Clausus belegt ist, ist die Anzahl der Stellen noch stärker gewachsen. Bundesweit expandiert die Jugendhilfe, nicht zuletzt wegen der geänderten Gesetzeslage. Das neue Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) hat die Aufgaben stark erweitert.

Bewerbermangel schmälert die Auswahl. Schon jetzt sei es manchmal schwer, geeignete Kandidaten zu finden. „Wir hatten schon Stellen, die wir nicht so zeitnah besetzen konnten, wie es nötig gewesen wäre.“ Denn der Job fordert. Levin: „Der ASD ist die Königsdisziplin im Beratungsbereich.“ Neben dem notwendigen Fachwissen brauche es vor allem Flexibilität und Vielseitigkeit. „Die Arbeit dort umfasst vielfältige Konfliktfelder", ergänzt Schwarz. „Das ist ein breites Spektrum, eine große Herausforderung.“

Die Aufgaben des ASD

In 16 der 21 Städte und Gemeinden erfüllt die Region die Aufgaben des Jugendamts. Ansprechpartner für Kinder, Jugendliche, Eltern, Alleinerziehende, Lehrer und Erzieher ist der Allgemeine Soziale Dienst, kurz: ASD. Er ist sozusagen das Herzstück des Jugendamtes.

Rund 70 Sozialarbeiter helfen bei Problemen und Konflikten. Die Aufgaben des ASD umfassen den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Kindeswohlgefährdungen, Unterstützung und Beratung bei Erziehungsproblemen sowie die Hilfe bei familiären Konflikten und Krisen. Bei Trennungen, Scheidungen und Fragen des Umgangsrechts etwa ist der ASD der erste Ansprechpartner.

Dazu hat die Region sechs Jugendhilfestationen eingerichtet, in denen jeweils ein ASD- Team tätig ist. Die Mitarbeiter müssen Hinweisen und Meldungen nachgehen, die auf eine Kindeswohlgefährdung hindeuten. Dabei müssen sie auch intervenieren, sollte eine Gefährdung bestehen.

Die ASD-Mitarbeiter nehmen auch die Aufgabe der Jugendgerichtshilfe wahr und begleiten beispielsweise minderjährige Straftäter in Gerichtsverfahren. Sie beraten außerdem vertraulich bei Familien- und Erziehungsproblemen und bieten gegebenenfalls weiterführende Hilfe an.

Hinzu komme, dass die heutige Generation von Fachhochschul-Absolventen eine etwas andere Lebensphilosophie habe. Die Work-Life-Balance habe an Bedeutung gewonnen, was sich in vermehrten Teilzeitverträgen bemerkbar mache. „Die jungen Leute sind selbstbewusster und fordernder, wollen schneller Karriere machen“, sagt Levin. „Das stellt unser Instrumentarium vor Herausforderungen.“ Die Fluktuation habe zugenommen, was die Personalplanung erschwere. Andererseits spiele bei dieser Generation der Sicherheitsaspekt offenbar ein wichtige Rolle, betont Schwarz: „Mit diesem Pfund können wir als öffentlicher Dienst wuchern.“

Quereinstieg nur im Einzelfall

Dabei sind die Möglichkeiten einer öffentlichen Verwaltung beschränkt. Es gibt ein Korsett aus strukturellen Rahmenbedingungen, Vorschriften und Tarifbindungen. Doch während früher als Sozialarbeiter nur eingestellt werden konnte, wer auch das entsprechende Studium absolviert hatte, gibt es heute auch Quereinsteiger. Ein Versuch der Öffnung, der nur Einzelfälle betrifft. Denn auch höher Qualifizierte sind für die Praxis der Jugendhilfe nicht immer geeignet.

Um junge Absolventen anzuwerben, arbeitet die Region eng mit den Fachhochschulen zusammen. So gibt es etwa zweimal im Jahr Info-Veranstaltungen für Berufspraktikanten. Regionsmitarbeiter geben berufspraktisch orientierte Seminare im Rahmen von Lehraufträgen. Und Sozialverwaltungsmodule etwa an der Hochschule in Hildesheim vermitteln entsprechende Kompetenzen gleich im Studium.

Viele Praktikanten werden übernommen

Nachwuchsförderung für den ASD wird bei der Region also groß geschrieben. Die Anzahl der Stellen für ein Berufspraktikum wurden ausgeweitet. Jährlich würden sechs bis zehn der Praktikanten beim ASD mit Zweijahresverträgen übernommen. „Wenn die Leistung stimmt, gibt es immer eine Anschlussperspektive“, betont Levin.

Bei rund 70 Mitarbeitern im ASD sähe es für die Jugendhilfe in der Region eigentlich gar nicht so schlecht aus, wäre nicht das Qualitätsproblem. Die anspruchsvolle Tätigkeit im ASD sei für Berufseinsteiger nicht unbedingt geeignet, räumt Levin ein. Weshalb die Region zur Qualitätssicherung unter anderem ein umfangreiches Fortbildungsprogramm anbietet.

Nur am betrieblichen Wohlfühlklima ließe sich noch etwas verbessern. Je größer eine Verwaltung, umso weniger heimelig ist sie. „Unsere Kultur, der Umgang miteinander, auch das bleibt eine Herausforderung“, sagt Levin. „Da sind wir auch dran.“

Von Andreas Krasselt

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