Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Kampagne gegen Sexismus in Werbung gestartet
Hannover Meine Stadt Kampagne gegen Sexismus in Werbung gestartet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:10 30.10.2018
LÖSTE ÄRGER AUS: Im August erregte dieses Werbeplakat der Gerüstbaufirma Samiez in Wunstorf bei Hannover die Gemüter. Quelle: Foto: Rita Nandy
Hannover

Kampf gegen „Brüste oder Bizeps als plumper Augenfang und nacktes Beiwerk“: Das Klima, wie über Frauen gesprochen wird, wie sie dargestellt werden, das habe sich in den jüngsten Jahrzehnten gewandelt, sagt Petra Mundt. Doch das sei „in der Werbung noch nicht angekommen!“ Und daher hat die Gleichstellungsbeauftragte der Region Hannover mit anderen Mitstreiterinnen die Kampagne „Uns reicht’s! Hannover gegen Sexismus in der Werbung“ gestartet.

Auf einer eigens eingerichteten Internetseite informiert die Kampagne über sich und ihre Ziele und hofft auf Unterstützer: Erstes Ziel sind tausend „Unterschriften“, die die Aktion beflügeln sollen. Zu den ersten Befürwortern zählen auch Prominente Köpfe. Etwa Ministerpräsident Stephan Weil und Sozialministerin Carola Reimann – die seien besonders wichtig, weil dadurch mehr Aufmerksamkeit erzielt würde, erklären die Macherinnen.

In Hannover gab es immer wieder Diskussionen um Werbung, die viele als sexistisch empfanden: Die sogenannte Busenschnecke der hannoverschen Wohnungsbaugenossenschaft Gartenheim etwa, die immerhin einige Jahre auch die Üstra-Busse als Werbefläche nutzen durfte oder die teils provozierenden Plakate des Gerüstbauers Samiez aus Empelde bei Ronnenberg, der gerne Bauarbeiterklischees nutzt, um Aufmerksamkeit zu erregen. Dafür wurde er auch schon mal vom Deutschen Werberat gerügt. Inhaber Frank Samiez ficht das nicht an, er nannte seine Plakate „Geschmackssache“ und was man darin sehe, hänge vom Betrachter ab und was in dessen Kopf vorgehe.

BIS 2018: Vier Jahre lang zierte die „Busenschnecke“ das Heck von 15 Üstra-Bussen. Quelle: Foto: X-City Marketing

Der Gerüstbauer habe auch sein Betriebsgelände „mit wirklich schrecklichen sexistischen Werbemotiven plakatiert – und wir können nichts dagegen tun“, bedauert Petra Mundt. Das habe die Region geprüft, es ist eben Privatgelände. Umso wichtiger sei es, dass die Gesellschaft sensibilisiert und dadurch sozialer Druck erzeugt werde. „Wir erleben, dass das nötig ist, dass es immer wieder Ausreißer gibt, die sich so verhalten, wie vor zehn, zwanzig Jahren – auf Altherrenart eben“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte. „Daher wollen wir das Thema ins Bewusstsein bringen, auf die Tagesordnung setzen.“

Zu den Aktivistinnen der Kampagne gehört auch Ninia Binia, Autorin, Poetry-Slammerin und Moderatorin. Sie hat auf die Frage, wann etwas sexistisch sei oder nicht, eine einfache Antwort: „Hat das gezeigte Produkt irgendetwas mit der Frau zu tun?“ Bei Dessous etwa sei es klar – also nicht sexistisch. Anders dann, wenn es etwa um eine Weißwurst gehe. Oder was habe etwa „ein Gerüstbauer mit Frauen im Bikini zu tun“?

Positiv wird anerkannt, dass das Thema „längst kein reines Frauenthema mehr ist“, wie Mundt erklärt. „Das Thema bewegt“, sagt sie und weiß, „dass sich auch zunehmend Männer engagieren.“

Sexismus habe dabei nicht nur mit Sexualität zu tun, sagt Petra Klecina, Geschäftsführerin vom Frauennotruf Hannover, die ebenfalls an Bord ist: „Da geht es um Herabstufung, Erniedrigung, Bewertung“, das wiederum seien Aspekte „von Dominanz und Macht – und dadurch wieder der Hintergrund für sexuelle Gewalt“.

Derzeit befassen sich auch verschiedene Ausschüsse der Regionsversammlung mit dem Thema auf Grund eines Antrags der Gruppe „Region“, die fordert, in den zur Region gehörenden Unternehmen und Beteiligungen Regeln zu etablieren, wonach diese verpflichtet werden, auf „sexistische, rassistische oder sonst wie diskriminierende Werbung zu verzichten“.

Von Ralph Hübner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Welche Geschichte verbirgt sich hinter dem Menschenfressergrab auf dem Gartenfriedhof? Warum soll in Neustadt einst ein Kind eingemauert worden sein? Und wo zerstückelte Fritz Haarmann seine Opfer? Zu Halloween zeigen wir Ihnen die gruseligsten Orte der Region Hannover – und erzählen ihre Geschichten.

31.10.2018

Der Qualm seiner E-Zigarette löste einen Feuerwehreinsatz aus. Und weil das Rauchen in dem Pausenraum verboten war, muss der Mitarbeiter einer Pflegeeinrichtung nun 450 Euro für den Fehlalarm zahlen.

30.10.2018

Niedersächsische Beamte erhalten seit vielen Jahren zu wenig Geld für ihre Arbeit. Das zumindest findet das Bundesverwaltungsgericht. Es hält die Besoldung der Staatsdiener für verfassungswidrig. Nun ist das Bundesverfassungsgericht am Zug.

30.10.2018