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HANNOVER

Regiobus in Turbulenzen

Was ist los bei der Regiobus GmbH? Verantwortliche Mitarbeiter müssen Kündigungen über sich ergehen lassen. Gleichzeitig sinkt der Kostendeckungsgrad des öffentlichen Unternehmens. Regiobus-Chef Martensen lässt sich Nebentätigkeiten genehmigen.

hannover.  Die Zahl der Abmahnungen dürfte rekordverdächtig sein: Seit November 2016 hat Lars Schmidt (38, Name geändert), Werkstattleiter bei der Regiobus, 17 Abmahnungen erhalten. Seit 3. Februar 2017 ist er (wieder mal) von der Arbeit freigestellt. Seit Januar gab es drei Kündigungen. Arbeitsrichter Finn Altmüller entschied: „Die Kündigungen sind unwirksam. Der Kläger muss weiter beschäftigt werden.“ Die Kündigungsgründe seien nicht ausreichend vom Arbeitgeber dargestellt. Die Firma hatte ihm schon einmal gekündigt. Auch diese Kündigung wurde 2015 vom Arbeitsgericht kassiert.

Der Arbeitsrichter eröffnete dem Kläger: „Sie wissen, dass es immer so weitergehen wird.“ Er legte Lars Schmidt nahe, mit einer Abfindung aus dem Unternehmen auszuscheiden. Die Rede war von etwa 100 000 Euro. Diese Summe war schon im Prozess 2015 im Gespräch. Der Arbeitgeber-Anwalt schien einer Abfindung nicht abgeneigt zu sein. Zu ihm meinte der Richter mahnend: „Sie haben schon viel Geld ausgegeben, ohne eine Lösung zu haben.“

Der Werkstattleiter wollte aber von einer Abfindung nichts wissen: „Ich bin auf meinen Arbeitsplatz angewiesen.“ Er habe sich nicht vorstellen können, dass er nach seiner ersten Kündigung nicht wieder auf seinen Arbeitsplatz zurückkehre. „Die Regiobus hat das Arbeitsgerichtsurteil ignoriert“, sagte er. Außerdem bekomme er bei anderen Firmen keine Anstellung mehr. Anwältin Christina Waldraff erklärt: „Es gab eine nicht gerade wertfreie Kommunikation des Arbeitgebers nach draußen.“

Lars Schmidt hat 1995 bei der Regiobus Kfz-Mechaniker gelernt. Er machte seinen Meister, wurde Werkstattleiter. Fast 20 Jahre habe er zur Zufriedenheit seiner Chefs gearbeitet, sagte er im Prozess.

Nun heißt es, er arbeite „katastrophal“. Nähere Ausführungen macht der Regiobus-Anwalt nicht. Bei den Abmahnungen ging es um nicht rechtzeitig abgenommene Fahrzeuge, Konzeptvorschläge, die nicht pünktlich vorlagen oder eine Azubi-Befragung hinter verschlossenen Türen. Seitens des Arbeitgebers wurde auch vorgebracht, dass Mitarbeiter um Versetzungen gebeten hätten, weil sie nicht mehr mit dem Kläger zusammenarbeiten wollten. Die Stimmung auf dem Betriebshof sei miserabel.

Der Kläger erklärt: „Das Beobachten meiner Person wird von den Chefs geschürt.“ Er habe viele Freunde bei der Arbeit, die zu ihm hielten. Andere würden sich aber auch distanzieren wegen seiner Querelen mit der Geschäftsführung. Seine Anwältin Christina Waldraff: „Die Kündigungen beruhen auf Mobbing.“

Der Konflikt geht weiter. Über die 17 Abmahnungen werde zu einem anderen Zeitpunkt entschieden, teilte Arbeitsgerichtsdirektor Kilian Wucherpfennig der NP mit.

Von Thomas nagel


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