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Meine Stadt Raserei vor der Grundschule vorm Landgericht Hannover
Hannover Meine Stadt Raserei vor der Grundschule vorm Landgericht Hannover
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00:20 10.03.2018
Prozessbeginn: Anwalt Vyacheslav Varavin spricht mit dem Angeklagten.   Quelle: Foto: Schaarschmidt
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Hannover

 Es war nicht sein Tag: Benjamin M. (22) gestand am Mittwoch vor der Schwurgerichtskammer am 13. September 2017 vollkommen ausgerastet zu sein. Er muss sich wegen versuchten Totschlags in zwei Fällen und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten. Gegen 13 Uhr fuhr er mit dem schwarzen VW-Amarok seines Vaters zur Grundschule an der Feldbuschwende (Kronsberg). Zeugen berichten, dass er mit 60 bis 70 Stundenkilometern unterwegs war. Der Angeklagte wollte seine kleine Schwester abholen.

Zuvor hatte Benjamin M. Stress mit seinen Eltern. Er war verspätet aus dem Urlaub zurückgekehrt und auch noch übermüdet. Gekränkte männliche Eitelkeit ließen den VW-Pickup zur Waffe werden. Ein Vater (45), der angesichts des Rasers um das Leben seiner Tochter fürchtete, wollte M. zur Rede stellen. Aus kurzer Entfernung fuhr der Angeklagte dann den Vater an. Der Amarok touchierte den Mann am linken Oberschenkel.

Das war der Beginn der Raserei. Anschließend lieferten sich die beiden Männer einen kurzen Schlagabtaussch. „Das war aber nur Schattenboxen“, so der Zeuge (45). Benjamin M. lief in die Schule und kehrte mit einer Müllzange zurück. Quasi im Vorbeilaufen versetzte er einer Mutter einen Schlag auf den Kopf. Dann setzte er sich wieder in sein Auto, raste mit etwa 30 Stundenkilometern über den Gehweg. Schulkinder und eine Frau mussten zur Seite springen. M. wendete sein Fahrzeug, stieg aus und verfolgte wieder sein erstes Opfer. Als der 45-Jährige auf dem Rasen ausrutschte, schlug der Angeklagte zwei, drei Mal in Richtung Kopf. Ohne größere Verletzungen überstand das Opfer die Attacke. „Es gab gar keinen Grund“, war der Vater (45) noch im Gerichtssaal ratlos über das irrationale Verhalten des Angeklagten.

„Er sieht ein, dass er sich völlig falsch verhalten hat und bereut das zutiefst“, sagte Anwalt Christoph Rautenstengel. Der Angeklagte gab dem Vater 1000 Euro und entschuldigte sich auch persönlich.

So unerklärlich das Verhalten von Benjamin M., so juristisch spannend ist der Fall. Die Staatsanwältin wertet das erste Anfahren als versuchten Totschlag. Das gilt auch für das Schlagen mit der Müllzange auf den Kopf des 45-Jährigen. Die Zange wiegt 260 Gramm. Kann man damit einen Menschen erschlagen? Auch der erste Totschlagsversuch steht auf wackligen Beinen. Denn nach der Attacke bremste Benjamin M. den Amarok ab. Seine Anwälte sagen, das war ein strafbefreiender Rücktritt vom versuchten Totschlag. „Unser Mandat hatte keine Tötungsabsicht“, so Rautenstengel. Was bleibt ist die gefährliche Körperverletzung und der gefährliche Eingriff in den Straßenverkehr. Auch das reicht für eine Haftstrafe.

Von Thomas Nagel

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