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Prozess

Randale am Afd-Stand

Politischer Schlagabtausch wörtlich genommen: Bei einer Auseinandersetzung um das richtige Weltbild gerieten ein Afd-Ratsherr aus Hannover und ein Punk in die Haare. Verlierer nach Punkten war der Punker (24). Er landete auf der Anklagebank im Amtsgericht.

Hannover. Solche Szenen kennt man zum Beispiel aus dem ukrainischen Parlament: Politiker tauschen ihre Argumente mit den Fäusten aus. Ob nun Hendrik F. (24), von Beruf Punker, oder AfD-Ratsherr Robert Herrmann (39) zuerst zugeschlagen hatte, darauf kam es am Ende des Prozesses nicht mehr an. Ein Polizist (44), der zufällig in der Osterstraße vorbeikam und die Prügelei schlichtete: „Beide waren griffig.“ Amtsrichterin Monika Pinski wollte den angeklagten Punk aber nicht komplett ungeschoren davonkommen lassen. Sie stellte das Verfahren gegen Zahlung von 150 Euro Geldbuße gegen Hendrik F. ein.

Am 12. Dezember 2015 hatte die AfD einen Info-Stand in der City gehabt. Der Angeklagte hielt ein Schild hoch: „AfD gleich Nazi-Partei“. Zwei Frauen rissen AfD-Flyer vom Stand. Es kam zur Rangelei. „Zwei große Kerle sind auf die beiden Tussen los, soll ich mich da raushalten“, erklärte der Mann mit den großen Nasenpiercings. „Dann kommen Sie und wollen die Welt retten?“, fragte die Richterin. Die lakonische Antwort: „Zum Beispiel.“

Doch der eigentliche Star der Verhandlung war AfD-Ratsherr Robert Herrmann. In seiner Aussage erklärte er mehrfach, wie er im Dezember verschiedene Störer für „vorläufig festgenommen“ erklärt hatte. Dabei warf er auch einen Punk zu Boden. Richterin Pinski erwiderte: „Ich habe fast den Eindruck, als würde die Polizei vor mir sitzen.“ Sie erklärte dem Zeugen, dass er sich eventuell der unerlaubten Selbsthilfe schuldig gemacht haben könnte.

Doch der Ratsherr wies das voller Entrüstung zurück. Er habe „Verbrechen“ vereiteln wollen und sprach von „räuberischem Diebstahl“. Der Staatsanwalt nannte den Zeugen „skurril“. Doch die Vorstellung des selbsternannten Ordnungshüters ging weiter. Anwalt Christian Neumann fragte den Kommunalpolitiker, ob es ein Attest für seine Verletzungen gebe. Die Antwort: „Um Krankenkassenbeiträge zu sparen, gehe ich seit Jahren nicht mehr zum Arzt.“ Sein Vater sei aber Jurist und Rechtsmediziner, der habe ihn versorgt und könne als Zeuge aussagen. In Wahrheit hatte der Politiker eine Verletzung an der Hand gehabt - seine Rechte hatte den Angeklagten getroffen. Der Punk gestand freimütig: „Ich habe meine Bierflasche fallen gelassen, damit ich zurückschlagen kann.“


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