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Familie Akdeniz und Gäste beim Iftar, dem Fastenbrechen. Samet Er, Mahmut Altinzencir, Zafer Akdeniz, Kemal Akdeniz und Zehra Demirbuğa (von links) lassen es sich schmecken.

Familie Akdeniz und Gäste beim Iftar, dem Fastenbrechen. Samet Er, Mahmut Altinzencir, Zafer Akdeniz, Kemal Akdeniz und Zehra Demirbuğa (von links) lassen es sich schmecken.© Behrens

Tradition

Ramadan: Abends wird endlich aufgetischt

Immer wandert der Blick zur Armbanduhr. Man könnte denken, Zafer Akdeniz ist unhöflich. Doch die Zeit ist im Blick zu haben ist wichtig. Gleich beginnt das Fastenbrechen, der Iftar.

Hannover. Akdeniz (42) ist Moslem, er lebt mit seiner Frau Ayla (40) und zwei Söhnen (8, 18) an der Podbielskistraße (List). Die Familie fastet derzeit – seit dem 6. Juni ist Ramadan, gegessen wird in dieser Zeit erst nach Sonnenuntergang. In diesem Jahr und an diesem Abend also sehr spät. Um 21.50 Uhr ist der Zeitpunkt endlich erreicht, die Blicke auf die Uhr enden. Die Familie geht an den Tisch – gefüllte Weinblätter liegen bereit, kleine Teigtaschen, Salat.

Das Forum Dialog lädt bereits im zweiten Jahr Gäste zum Fastenbrechen bei Familien ein – „um den Dialog zu fördern. Es gibt so viele Vorurteile, so viele Menschen haben Fragen. Wir öffnen unsere Türen, um mehr Austausch zu ermöglichen“, sagt Samet Er, islamischer Theologe und Koordinator des Forums „Kultur und Religion“.

Dem Koran folgend beginnt das Fastenbrechen bei Familie Akdeniz mit einer Dattel. „Man startet entweder mit einer Olive oder einer Dattel“, sagt der Vater, genauso habe es der Prophet gemacht. Ein Muss sei das nicht, hier halte man sich aber daran. Danach kann man aber essen, was man will. Bei den Akdeniz’ gibt es zuerst eine Linsensuppe, dann köstlich zubereitete Bohnen, als Hauptgang Fleisch mit Gemüse und Reis. „Man muss aufpassen, dass man nicht gleich übertreibt – natürlich hat man Hunger, aber wenn man zu viel isst, ist das natürlich auch ungünstig“, sagt die Mutter.

Am Essen nehmen auch Zehra De-mirbuğa und Mahmut Altinzencir vom Forum teil. Altinzencir erklärt: „Gäste einladen ist wichtig, wir glauben, dass man dann mehr Gutes getan hat. Das ist wie Weihnachten bei den Christen, da hat man ja auch viele Menschen am Tisch. Das hat für uns einen Mehrwert.“

Aber wie einfach oder schwer ist es eigentlich, sich zurückzuhalten – nicht einmal trinken ist bis zum Fastenbrechen erlaubt. „Ich bin jemand, der sehr gern und viel isst. Aber dann lässt man es eben. Man wartet die ersten Tage ab, dann hat man sich schnell daran gewöhnt“, sagt Zafer Akdeniz. Zu viel darüber nachdenken sei ohnehin wenig hilfreich: „Sonst quält man sich nur.“ Der Verzicht helfe ihm, mehr zu schätzen, was er sonst hat. Der Verzicht löse Empathie mit jenen aus, die weniger haben, bestätigt Samuel Er.

Was allen auffällt, ist, dass sie während des Ramadans mehr Zeit haben – weil das Frühstück wegfällt, das Mittagessen.

Gegessen werden darf bis halb vier Uhr morgens – manche gehen nach dem Abendessen schlafen, Samet Er zum Beispiel bleibt aber wach und lernt. Zafer Akdeniz und seine Frau essen in den frühen Morgenstunden meist etwas Obst und trinken noch einmal viel. „Das reicht dann auch für den Tag“, sagt die Mutter. Fasten sollen eigentlich alle Moslems, es gibt aber Ausnahmen – für Kinder, Schwangere und Reisende zum Beispiel. „Dass Reisende ausgenommen sind, basiert auch darauf, dass es früher mit viel Strapazen verbunden war, von einer Stadt in die andere zu kommen“, sagt Er. Wenn er nach Berlin fahre, würde er sich nicht als Reisender definieren. Bei einem Flug in die USA zum Beispiel schon: „Das muss jeder selbst entscheiden.“

Der Ramadan ist eine Zeit, in der tagsüber zwar nicht gegessen wird, das Leben aber normal weitergehe. „Abends dann ist es sogar eine besonders lebendige Zeit, weil das Essen oft ein gesellschaftliches Ereignis ist“, sagt Mutter Ayla Akdeniz.

In zwei Wochen, am 5. Juli, beginnt das große Zuckerfest, drei Tage wird gefeiert, ein wenig sei das wie das Weihnachtsfest bei den Christen, sagt die 40-Jährige. „Die Jüngeren besuchen die Älteren, alle bringen Süßigkeiten mit“, erläutert sie. „Da steht man quasi drei Tage vorm Zuckerschock“, scherzt sie und lacht.

Inzwischen sind alle am Tisch satt, das Gespräch verlagert sich zur Sofaecke. Die Mutter hat Kuchen mit Kokos gemacht, dazu gibts Baklava, die kleinen Blätterteigtaschen mit Pistazienfüllung.

Sebastian Scherer


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