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Meine Stadt Ralf L. missioniert gerne
Hannover Meine Stadt Ralf L. missioniert gerne
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00:24 19.05.2018
INTERESSIERT SICH FÜR GESCHICHTE: Religionspädagoge Ralf L. wurde wegen Volksverhetzung verurteilt. Quelle: Foto: Heidrich
hannover

Mit seinem Rauschebart sieht er aus wie ein strenggläubiger Muslim. In seinem dunklen Anzug mit dem goldenen Kreuz am linken Revers wirkt Ralf L. (48) eher wie ein amerikanischer Baptist auf Missionstour. Und der Angeklagte wollte auch den Amtsrichter missionieren, indem er ihm die ersten Artikel des Grundgesetzes vorlas. Das änderte nichts daran, dass L. wegen Volksverhetzung in drei Fällen zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde.

Der Prozess begann am Mittwoch schon kurios. Auf die Frage nach seiner Staatsangehörigkeit antwortete der Religionspädagoge: „Deutscher in Verdacht.“ Den Verdacht, dass L. den Holocaust leugnet oder zumindest verharmlost, hat sich auch bestätigt.

Daran ließ der Angeklagte keinen Zweifel. Auf seiner Facebook-Seite und auf der Facebook-Seite einer Zeitung legte er im August und Dezember 2017 Zeugnis über seine Geisteshaltung ab.

„Ich leugne den Völkermord nicht“, meinte hingegen der Angeklagte im Prozess. Doch die Zahl von „sechs Millionen ermordeten Juden ist längst widerlegt“. Seine Studien hätten ergeben, dass es sich nur um 180 000 ermordete Juden während des Zweiten Weltkrieges gehandelt habe. Eine Finte, denn der Angeklagte wollte über die Bagatellisierung des Holocausts zum Freispruch gelangen. Und dann schickte der Religionspädagoge hinterher: „Wahrheit ist für mich das oberste Prinzip.“

Zur Wahrheit gehört auch, dass Ralf L. elf Vorstrafen hat: Unter anderem wegen Einfuhr von Drogen, Hausfriedensbruch und Zeigen des Hitler-Grußes. Das mit dem „Gruß“ sei ein Justizirrtum, sagt der Angeklagte. Ralf L. zeigt dem Richter, wie er den Arm gehoben hat. Auch die Akte, die der Staatsschutz über ihn habe, sei völlig falsch. Darin wird er als „drogenabhängig“, „rechtsextremistisch“ und „psychisch-auffällig“ bezeichnet.

Doch der Richter ließ sich nicht übertölpern: „Sie sind geständig, aber in keiner Weise einsichtig.“ Gerichte hätten längst auch die Bagatelllisierung des Holocausts unter Strafe gestellt. Für sein fehlendes Unrechtsbewusstsein bekam der Angeklagte die Freiheitsstrafe auf Bewährung. Der Staatsanwalt hatte eine Geldstrafe beantragt.

Der „Deutsche in Verdacht“, der so auf das Grundgesetz schwört und keine Hemmungen hat vom deutschen Staat Hartz-IV zu beziehen, wird wohl Rechtsmittel einlegen.

Von thomas nagel

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