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Meine Stadt Rätselraten um O-Bike: Ist der Leihfahrrad-Anbieter pleite?
Hannover Meine Stadt Rätselraten um O-Bike: Ist der Leihfahrrad-Anbieter pleite?
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15:19 06.07.2018
BALD GESCHICHTE? Eine junge Frau fährt mit dem gelben Leihrad vor dem Rathaus in Hannover. Ist das Unternehmen O-Bike pleite? Quelle: dpa
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Hannover

Was ist los bei dem Leihfahrrad-Anbieter O-Bike? In seiner Heimatstadt Singapur ist das asiatische Mutterunternehmen offenbar pleite. Der Ableger in Deutschland ist offenbar weder telefonisch noch per E-mail erreichbar. „Auch wir haben seitens des Baudezernats vergeblich versucht, Kontakt aufzunehmen“, so Stadtsprecherin Michaela Steigerwald.

In Singapur hatte O-Bike laut Medienberichten überraschend den Betrieb eingestellt, nachdem die Stadt angekündigt hatte, künftig für jedes Leihrad eine Lizenzgebühr kassieren zu wollen. So sollte der unkontrollierbaren Fahrradflut in den Straßen Einhalt geboten werden.

Doch dann hatte das Unternehmen offenbar Probleme, ihren Kunden die hinterlegten Kautionen von umgerechnet 12 bis 30 Euro zurückzuzahlen. Laut Zeitungsberichten soll O-Bike seinen Kunden rund vier Millionen Euro schulden. Mittlerweile hat in Singapur ein vorläufiger Insolvenzverwalter die Geschäfte übernommen.

Große Ungewissheit bei der Stadt

In Deutschland hatten ursprünglich auch Kautionen verlangt werden sollen, noch immer ist auf der Internetseite von O-Bike die Begründung dafür zu lesen. Tatsächlich aber wurde schließlich nach einigen Wochen darauf verzichtet. Auch ist die Präsenz der gelben Leihräder hier nicht so ausgeprägt wie in Singapur, wo rund 14.000 O-Bikes auf der Straße unterwegs sein sollen. In Hannover war das Unternehmen Mitte November vergangenen Jahres mit 512 Rädern gestartet. Die Ausleihe funktioniert per Handy-App, die Gebühr beträgt zwei Euro pro Stunde. Nach Gebrauch können die Leihräder an beliebigen Stellplätzen wieder abgestellt werden – sofern ein paar Ordnungsprinzipien beherzigt werden.

Im Dezember hatte Baudezernent Uwe Bodemann noch den Eindruck artikuliert, dass das System gut angenommen werde. Insofern sah die Stadt noch keinen Zugzwang, allzu intensiv nach alternativen Anbietern zu suchen. Obwohl es Interessierte gab und gibt. Jetzt aber herrscht große Ungewissheit, wie es überhaupt weitergehen soll.

„Wir haben die Informationen auch nur aus den Medien“, so Stadtsprecherin Steigerwald. „Das war auch für uns überraschend.“ Es werde aber trotz gescheiterten Kommunikationsversuchen ein Klärungsprozess „aktiv betrieben“. Auch darüber, ob die Räder noch im Ausleihbetrieb sind, gebe es keine Informationen. Es fehle jedenfalls an einer Grundlage, sie gegebenenfalls aus dem Verkehr zu ziehen. „Dazu muss erst festgestellt werden, dass sie herrenlos sind. Aber bislang lief bei uns mit O-Bike eigentlich alles ganz reibungslos.“

Ärger in anderen Städten

Das war nicht überall so. In München gibt es wegen der Verwahrlosung der O-Bike-Flotte schon seit langem Ärger. Dort waren beschädigte Räder in Parks entsorgt und immer wieder Einfahrten verstellt worden. Das Unternehmen hatte angekündigt, den Großteil seiner Flotte abzuziehen. Passiert ist da noch nichts. Und auch die Fahrradverantwortlichen in München können O-Bike laut der Münchner tz nicht erreichen.

Mit dem Fahrkomfort waren auch viele O-Bike-Kunden nicht zufrieden. Das die Räder aus Vollgummi sind, damit sie keinen Platten bekommen können, sind die Fahrräder sehr schwer. In einem Test des c’t-Magazins schnitt der Anbieter sehr schlecht ab, auch wegen häufig schleifender Billig-Bremsen.

Zusätzlich war O-Bike schon kurz nach dem Start wegen eines Datenlecks ins Gerede gekommen. Informationen der Kunden wie Namen oder Handynummern und sogar Bewegungsdaten waren frei zugänglich im Internet zu sehen gewesen. Der Datenschützer des Landes vermutete daher damals, dass die Datensammlung auch der eigentliche Unternehmenszweck sei. O-Bike bestritt energisch jegliche Absichten, diese Daten verkaufen zu wollen.

Von Andreas Krasselt

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