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Meine Stadt Schock sitzt nach Leinehertz-Aus tief: „Hannover braucht ein Bürgerradio“
Hannover Meine Stadt Schock sitzt nach Leinehertz-Aus tief: „Hannover braucht ein Bürgerradio“
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10:40 25.03.2019
Radio Leinehertz: Das plötzliche Aus des Senders ist für viele ein Schock. Quelle: Archiv
Hannover

Der Schock sitzt tief. Einen Tag nach dem verkündeten Aus von Leinehertz herrschte am Freitag bei Angestellten und ehrenamtlich Engagierten des Bürgerradios Fassungslosigkeit. Fest steht, dass die verantwortliche Gesellschaft 106.5 Insolvenz anmelden muss und der Sendebetrieb am Wochenende eingestellt wird. Was dann passiert ist noch völlig offen. Doch in einem Punkt sind sich Mitarbeiter, aber auch Gesellschafter einig: Das einzige Bürgerradio in Hannover darf nicht sterben.

Stimme von Leinehertz fehlt in Hannover

Die Region ist ein Gesellschafter der für den Sender verantwortlichen 106.5 Rundfunkgesellschaft GmbH. Man bedauere die Entscheidung der Landesmedienanstalt (NLM), dass dem Sender die Lizenz entzogen wird. „Radio Leinehertz wird von vielen Aktiven getragen, die mit Herzblut dabei sind. Der Sender hat zehn Jahre lang für regionale Akzente in der Radiolandschaft gesorgt, die jenseits des Mainstream liegen“, so eine Sprecherin der Region in einer ersten Stellungnahme am Freitag. Als weiterer Gesellschafter, aber auch als Bürgersender, bedauert auch das Bürgerfernsehen h1 das Aus von Leinhertz. „Es gab diverse Rettungsversuche, h1 hat Radio Leinehertz stets unterstützt und die Hoffnung nie aufgegeben“, sagt Geschäftsführer Peter Maurer-Ebeling. Die Stimme von Radio Leinehertz fehle nun in Hannover, was auch ein schwerer Schlag für die Bürgermedien in Niedersachsen sei. „Es ist besonders tragisch, dass nach Radio Flora nun schon der zweite Sender in Hannover aufgeben muss. Die Zukunft des Bürgerradios in Hannover ist nun leider völlig offen. h1 beobachtet das Verfahren der möglichen Ausschreibung einer neuen Lizenz mit großem Interesse.“, so Maurer-Ebeling weiter.

Insolvenz kann eine Chance sein“

Gleich doppelt betroffen ist das Freiwilligen-Zentrum, das als weiterer Gesellschafter der gGmbH fungiert, aber obendrein auch eine eigene Sendung bei Leinehertz hatte. Unter dem Titel „Hannover braucht Dich“ konnten jeden Montag von 19 bis 20 Uhr Ehrenamtliche für Vereine und Institutionen gesucht und vermittelt werden. Damit ist nun erstmal Schluss „Wir können am Montag schon nicht mehr auf Sendung gehen. Das ganze Team ist geschockt und sehr traurig“, so Ilona Mast-Langerwisch, Projektleiterin der Sendung. Als Gesellschafter müsse man aber positiv nach vorn schauen. „Die Insolvenz kann die Chance sein, für die Entwicklung eines neuen Bürgerradios – vielleicht unter anderem Namen und mit anderen Personen im Management“, sagt Almut Maldfeld, Geschäftsführerin des Freiwilligen-Zentrums. Gemessen am Engagement und der Professionalität, mit der die Leinhertz-Mitarbeiter Radio gemacht haben, wäre es aus ihrer Sicht „verheerend, wenn dieses Pfund einfach so verspielt werden würde.“ Ihre Hoffnung ruht nun zunächst auf dem Insolvenzverwalter, der vom Amtsgericht eingesetzt wird: „Wir wünschen uns, dass hier nicht nur abgewickelt wird, sondern dass es die Chance auf einen bereinigten Neuanfang für ein Bürgerradio in Hannover gibt.“

„Beschäftigte werden bestraft“

Auch der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Michael Höntsch war bei Radio Leinehertz auf einem der freien Sendeplätze mit der Sendung „Shalom“ zu hören. Aus seiner Sicht ist die Entscheidung des NLM zwar nachvollziehbar. Dennoch sollte ein Fortbestand des Senders unter neuer Leitung versucht werden. „Hannover braucht ein Bürgerradio und die jetzige Entscheidung trifft die Beschäftigten, die einen Guten Job gemacht haben. Sie werden bestraft, während die, die es verbockt haben, aus der Sache rauskommen“, so Höntsch deutlich. Dabei hätten doch schon die Spatzen von den Dächern gepfiffen, dass das NLM ein scharfes Auge auf Leinehertz geworfen hatte. „Trotzdem hat man es nicht geschafft, die Auflagen zu erfüllen. Da fehlte es schon sehr stark an der nötigen Sorgfaltspflicht“, ist Höntsch überzeugt.

Leinehertz selbst will erst am Montag wieder mit eine Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gehen. Auch das NLM gab sich am Freitag auf NP-Nachfrage noch zugeknöpft. Ob, wann und wie die Lizenz wieder vergeben wird. Ob Leinehertz aus der Insolvenz heraus eine Chance hat, wieder eine Lizenz zu erlangen. Diese Fragen sind derzeit noch völlig offen. Man werde sich „zu gegebener Zeit“ wieder äußern, hieß es seitens des NLM.

Von André Pichiri

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