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Stammgast in Hannovers Gerichten: Kais B. hat seine Kinder gegen den Willen der Mutter nach Tunesien gebracht. Jetzt wurde wieder gegen ihn verhandelt.

Prozess

Rache an der Ex-Frau

Kais B. wurde erneut verurteilt: Er hat seine Kinder nach Tunesien verschleppt. Er wäre sofort frei, wenn seine Töchter (acht und zehn Jahre alt) frei kämen. Auch tunesische Gerichte geben der Mutter Recht. Aber der nordafrikanische Staat ist zu schwach, das Recht durchzusetzen.

hannover. Das Schicksal von Maryam (10) und Hanna (8) beschäftigt sogar Staatschefs. Beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Tunesien waren die verschleppten Kinder ein Thema. Am Donnerstag musste sich Amtsrichterin Monika Pinski zum zweiten Mal mit der Sache beschäftigen. Ein denkwürdiger Prozess.

Der Vater der beiden Mädchen, Kais B. (40), wurde erneut wegen Kindesentzuges zu neun Monaten Haft verurteilt. Kürzlich hatte er im Landgericht wegen desselben Delikts zwei Jahre Gefängnis erhalten. Richterin Pinski machte deutlich: „Wenn die Kinder nicht nach Deutschland kommen, wird es ein Verfahren nach dem anderen geben.“

Seit August 2015 leben die Mädchen in Tunesien. „Sie sollten ein halbes Jahr dort bleiben“, sagt die Mutter (37). Sie lebt getrennt vom Angeklagten. Und das ist der Auslöser der ganzen Tragödie. „Sie benutzen die Kinder als Pfand, um sich an der Mutter zu rächen“, so Staatsanwalt Ralf Bettermann. Die Mutter hatte sich von dem gewalttätigen Angeklagten getrennt. Das hat den Mann tief in seiner „Ehre“ verletzt.

Noch vor dem Urteil bot der Staatsanwalt dem Angeklagten an, das Verfahren einzustellen. Voraussetzung: Die Kinder kommen nach Deutschland. Doch Kais B. bot im Gericht lieber eine unerträgliche Vorstellung. „Die Kinder leben gern in Tunesien“, sagte er. Dann hieß es, dass die Mutter (eine Ärztin) aggressiv zu ihren Töchtern sei. Schließlich bot der Häftling an, die Kinder selbst zu holen. Am Ende sagt er, dass er befürchte, in Deutschland seine Kinder nicht mehr sehen zu dürfen. Alles Lüge.

Noch im Juni 2016 sagte er der Mutter im Gefängnis: „Ich habe dafür gesorgt, dass Du die Kinder nie wieder sehen wirst.“ Dabei wäre alles so einfach. Er bräuchte gegenüber der tunesischen Regierung nur erklären, dass seine Familie die Kinder herausgeben soll. Das würde die Familie akzeptieren. „Als Erstgeborener ist sein Wort Gesetz“, sagt die Mutter. Sie hat vor deutschen und tunesischen Gerichten das alleinige Sorgerecht erhalten. Doch das nutzt ihr nichts. Die Herausgabe der Kinder scheiterte bereits einmal, weil die Familie den Aufstand probte. Der Opa schrie: „Ich verbrenne mich hier.“ Das tunesische Justizministerium habe die Zustände in Kasserine als „Anarchie“ beschrieben. Zur Verhandlung waren auch zwei Mitarbeiter der tunesischen Botschaft im Gericht. Doch sie wollten nicht vor Gericht aussagen und auch keine Erklärungen des Angeklagten entgegen nehmen. Abrupt verließen sie die Verhandlung.

Die Mädchen können nicht einfach Tunesien verlassen. Sie leben abwechselnd bei Onkel und Tante oder den Großeltern. „Sie werden gut versorgt, aber sie verstehen die Situation nicht und sind verzweifelt“, sagt die Mutter.

Richterin Pinski bezeichnete das Verhalten von B. als „bösartig“. Dieser Fall kenne nur Verlierer. Und zwei Vollwaisen mit lebenden Eltern.

Von thomas nagel


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