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Meine Stadt Putzfrau im Heim nimmt 
dementen Senior aus
Hannover Meine Stadt Putzfrau im Heim nimmt 
dementen Senior aus
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00:16 31.10.2016
Hannover

„Wegen des Missbrauchs des Vertrauensverhältnisses kam eine Geldstrafe nicht mehr in Frage“, sagte Richter Burkhard Littger. Zusätzlich muss die Angeklagte 1500 Euro an das Opfer zahlen. Da sie nicht vorbestraft ist, konnte die Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden.

Gestern waren Richter, Staatsanwalt und Anwalt zum Ortstermin im Pflegeheim. Da der 92-Jährige nicht mehr mobil ist, hörten sich die Juristen die Aussage vor Ort an. „Am wenigsten habe ich mich auf die Aussage des dementen Zeugen verlassen“, stellte der Richter anschließend klar.

Anfangs begleitete der 92-Jährige im Rollstuhl die Putzkraft zur Bank und hob Geld ab. Anschließend habe er der Angeklagten die EC-Karte mit Pin überlassen. Der Staatsanwalt sprach von etwa 10 000 Euro, die die 52-Jährige zwischen Januar und August 2015 abgehoben habe. „Ich habe keinen Zweifel, dass Sie sich den größten Teil des Geldes einverleibt haben“, erklärte der Richter. Etwas Geld habe sie aber auch dem Senior überlassen. Wie viel das gewesen sei, ließe sich nicht mehr sagen.

Der Anwalt hatte Freispruch für seine Mandantin gefordert. „Die Aussage des Zeugen muss man stark mit Vorsicht genießen“, spielte er auf die fortschreitende Demenz des Opfers an. Die Angeklagte hatte behauptet, dass ihr Schützling das Geld an andere Mitarbeiter verschenkt habe. Doch das reichte dem Richter nicht.

Die Heimleitung sei auf die dubiosen Geldgeschäfte aufmerksam geworden, als dem vermögenden Senior das Geld ausging. „Er war nicht als generös bekannt“, meinte Richter Littger.

Vor Gericht hatte die Angeklagte zugegeben, Geld für den 92-Jährigen abgehoben zu haben. Aber es gab keinerlei Quittungen über die finanziellen Transaktionen der Putzkraft. Und: „Das widerspricht jeder arbeitsrechtlichen Vereinbarung“, meinte der Richter. Außerdem sei die Erinnerungskraft des Opfers im vergangenen Jahr noch besser gewesen. Damals habe sie dem Senior gesagt, dass sich das Geld in einem Spind im Keller befinde.

Der Verteidiger kündigte eine Berufung an. Seine Mandantin arbeitet mittlerweile in einem anderen Pflegeheim – wieder als Putzkraft.

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