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Ohne Öffentlichkeit:

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Justiz

Prozess gegen Safias Bruder: Kein Terror-Hintergrund

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Seit Montag muss sich Saleh S. (18) wegen versuchten Mordes verantworten. Er soll am 5. Februar 2016 zwei Molotow-Cocktails vor die Ernst-August-Galerie geschleudert haben. Für das Gericht stellt sich die Frage: War der Jugendliche schuldfähig?

hannover.  Um 11.20 Uhr verlässt die Frau im Hidschab das Landgericht. Auf dem Gang in die Stadt legt sich ein hellgraues großes Tuch über die Schultern. So als wolle sie sich vor all dem Elend schützen. Seit gestern steht ihr Sohn, Saleh S. (18), wegen versuchten Mordes vor Gericht. Die Mutter war überraschend im Gericht erschienen. Sie sollte eigentlich erst am 16. Mai aussagen.

Am 5. Februar 2016 soll ihr Sohn zwei Molotow-Cocktails in den Eingang der Ernst-August-Galerie geschleudert haben. „Der Staatsanwalt geht von den Mordmerkmalen Heimtücke und niederen Beweggründen aus“, sagt Gerichtssprecher Hans-Christian Rümke. Saleh S. soll aus „religiöser Motivation“ gehandelt haben. Dennoch sieht der Ankläger keinen terroristischen Hintergrund. „Die Ermittlungen erhaben keinen Kontakt zum Islamistischen Staat“, so Rümke. Da der Angeklagte zur Tatzeit noch Jugendlicher war, findet der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Anders als in vielen Mordprozessen sagte Saleh S. aus. Um 14.30 wurde der Prozess für zwei Stunden unterbrochen. Der psychiatrische Sachverständiger untersuchte den Angeklagten. All das lässt die Vermutung zu, dass Anwalt Mattias Fiedler die Schuldfähigkeit seines Mandanten in Zweifel zieht. Sein Mandant saß in der Psychiatrie, hatte dort auch Menschen angegriffen.

Derzeit sitzt er in Vechta in Untersuchungshaft. „Im Moment liegen keine Anhaltspunkte für eine fortdauernde Erkrankung vor“, erklärt der Gerichtssprecher. Das könnte zu einem kuriosen Urteil führen: War Saleh S. zum Tatzeitpunkt schuldunfähig, könnte er den Gerichtssaal im Landgericht als freier Mann verlassen. Schließlich gilt er jetzt als gesund. Der Jugendliche war Anfang 2016 in der Türkei inhaftiert, wahrscheinlich wollte er nach Syrien, um sich dem IS anzuschließen.

Montag hörte die Erste Große Jugendkammer Tatzeugen. Tatort-Rekonstruktionen ergaben, dass die Molotow-Cocktails sehr gefährlich hätten sein können. Doch der Täter hatte sie mit Diesel gefüllt. Dieser Kraftstoff ist zu schwer entflammbar. Deshalb dachten Zeugen auch erst, dass sich Teile der Fassade gelöst hatten. Eine Zeugin ist Muslimin.

Von thomas nagel


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