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Zeigte reue: Antonia G. hatte Freier bestohlen, will ihr früheres Leben jetzt aber hinter sich lassen.

Zeigte reue: Antonia G. hatte Freier bestohlen, will ihr früheres Leben jetzt aber hinter sich lassen.
 © Foto: Heusel

Justiz

Prostituierte ließ sich EC-Karte von Freiern in Hannover aushändigen

Wegen „Beischlafdiebstahls“ musste sich die ehemalige Prostituierte Antonia G. am Dienstag vor dem Amtsgericht Hannover verantworten. Sie hatte sich Zwecks Bezahlung von gut Freiern EC-Karten und Pin-Nummern geben lassen und hohe Beträge abgehoben.

Hannover. Erst machte sie ihre Freier glücklich, dann nahm sie sie aus: Wegen „Beischlafdiebstahls“ musste sich gestern die ehemalige Prostituierte Antonia G. vor dem Amtsgericht verantworten. Sie soll drei Kunden im Frühjahr 2016 um rund 2000 Euro erleichtert haben.

Die Freier waren dabei letztendlich nicht ganz unschuldig an ihrem finanziellen Schaden. Die Masche der schwarzhaarigen Prostituierten: Die gebürtige Hamburgerin machte die Freier, meist Herren mittleren Alters, glauben, dass sie ihre EC-Karte und die Pin bräuchte, um ihre Dienste abzurechnen. Diese wiederum seien dieser Aufforderung ohne Misstrauen sofort nachgekommen, beteuerte die 23-Jährige am Dienstag. Mit Karte und Pin verließ sie das Eros-Center an der Scholvinstraße und hob von einem nahen Geldautomaten jeweils Beträge zwischen 280 und 960 Euro ab – Summen deutlich über dem vorher vereinbarten Preis. Übrigens: Einen weiteren Fall (1000 Euro) konnte das Gericht nicht mehr strafrechtlich verfolgen, weil sich der zum Tatzeitpunkt stark alkoholisierte Freier an nichts mehr erinnern konnte.

Vor Gericht zeigte sich die Angeklagte (rosa-weiß gestreifte Bluse, blaue Jeans, Hand-Tattoo) reuig. Sie selbst habe sich an dem Betrug kaum bereichert, sondern nur 50 oder 100 Euro von dem Geld eingestrichen. Den größten Teil habe sie einem „falschen Freund“ abliefern müssen – dieser offenbar aus dem Milieu stammende Mann habe sie zu den Taten überredet. Sie selbst habe in einer „Notsituation“ gesteckt und sich deshalb zu dem Betrug bereit erklärt. Besagter „Freund“ habe sie 2014 auch zur Prostitution gebracht, aus der sie sich inzwischen wieder gelöst habe. Mittlerweile sei sie wieder zurück in Hamburg und mache dort ein Praktikum bei einem Neu- und Gebrauchtwagenhändler. Sie lebe mit finanzieller Unterstützung ihrer Mutter ein bürgerliches Le­ben.

Den betrogenen Freiern ersparte Antonia G. durch ihr umfassendes Geständnis zudem eine unangenehme Befragung im Gerichtssaal. Zudem entschuldigte sie sich vor den angetretenen Zeugen. All das erkannte Richter Olaf Wöltje als mildernd an, wollte aber angesichts von G.s krimineller Vorgeschichte (B­etrug in mehreren Fällen, Jugendarrest) nicht von einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und einer Geldstrafe von 1000 Euro absehen. Zudem muss sie für den Schaden von rund 2000 Euro aufkommen – das Geld wird den Geschädigten zurückgezahlt.

Von Simon Polreich


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