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ARBEITSLOSIGKEIT

Professor aus Hannover fordert Hartz-IV-Reform

Arbeitsmarktexperten fordern Reformen bei der Hartz-IV-Praxis von Sanktionen hin zu mehr Belohnung. "Hartz IV ist an Langzeitarbeitslosen gescheitert", sagte Professor Gerhard Wegner, Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), am Dienstagabend in Hannover. Jobcenter sollten sich nicht weiter auf Defizite und Strafen konzentrieren, sondern müssten sich positiv auf die Kompetenzen von Langzeitarbeitslosen ausrichten.

Hannover . Zudem müsse es deutlich mehr öffentliche Beschäftigung für die Betroffenen geben. Wegner diskutierte mit Fachleuten und Interessenvertretern über die neue EKD-Denkschrift "Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt". Das 144-seitige Papier, an dem eine EKD-Kammer vier Jahre lang gearbeitet hatte, würdige aus kirchlicher Sicht erstmals die Einführung des Mindestlohns, erläuterte Wegner.

Der niedersächsische Gewerkschafts-Chef Hartmut Tölle kritisierte, dass Menschen in fürsorgenden Berufen in Deutschland zu wenig Geld verdienten und nur wenig Ansehen hätten. "Altenpflegerinnen, Erzieherinnen und andere werden in unserer Gesellschaft schlecht bewertet und schlecht bezahlt", sagte der Bezirksvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt. Gerade die Dienste am Menschen stammten aus der christlichen Tradition. Diese Berufe müssten aus der Profitlogik marktwirtschaftlicher Konzerne herausgenommen werden, forderte Tölle: "Das sind ganz andere Kategorien."

Anders sieht es Unternehmervertreter Volker Müller. Er kritisierte, dass in der EKD-Denkschrift die Rahmenbedingungen für Arbeitgeber keine Rolle spielten. "Es wird nicht darüber gesprochen, wie wir in einer globalisierten Welt erfolgreich sein können." Erst wenn wirtschaftlicher Erfolg gesichert sei, könne über die Ausgestaltung von Arbeitsplätzen diskutiert werden, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen. Hartz IV habe vielen Menschen Arbeit im Niedriglohnsektor verschafft. Dies sei - seiner Meinung nach - besser, als langzeitarbeitslos zu sein.

Die EKD-Denkschrift wurde Ende April in Frankfurt am Main vorgestellt. Sie will die derzeitige Arbeitswelt aus christlicher Sicht kommentieren. Die Schrift erörtert etwa, welche Chancen und Risiken Digitalisierung, Globalisierung und Entgrenzung für die neue Arbeitswelt nach sich ziehen. Auch die wachsende soziale Ungleichheit, die Rolle der Gewerkschaften und Kriterien eines protestantischen Arbeitsethos gehören zu den Themen.


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