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Ein Blick in den Hinterhof.© Behrens

Immobilien

Problemhaus an der Celler Straße wird geräumt

Wer durch dieses Haus an der Celler Straße geht, sollte nicht empfindlich sein. Die Mieter haben die Wohnungen in ein Schlachtfeld verwandelt – jetzt greift der Eigentümer durch.

Hannover. Tief Luft holen, Atem anhalten – anders kann man sich dem Haus Celler Straße 8 eigentlich nicht nähern. In dem Pissoir an der Ecke sind die Urinale abmontiert oder zu Bruch gegangen. Hindert jedoch niemanden, auf Müll und herum liegende Matratzen zu schiffen. Die Haustür ist nicht verschlossen. Auf sechs Stockwerken im Hauptgebäude und zweien in einem Nebentrakt wohnen Menschen, die kaum einer gern als Nachbarn hätte.
 

Die ausgetretenen Stufen überspannt alter Teppich. Eine ausgeweidete Waschmaschine liegt in einer Ecke, davor steht ein wahrscheinlich teures BMX-Rad, sorgfältig gesichert. Teilweise ragen Kabel aus der Wand; die meisten Türklingeln fehlen. Der Hinterhof ist ein Paradies für Ratten und Mäuse. Abfall, Ausrangiertes und Essensreste sind hier gelandet.

Jetzt reicht es den Eigentümern. Zwei Großfamilien haben am Mittwoch das Haus verlassen müssen. Vier weitere Räumungsklagen stünden an, sagt Anwalt Wolfgang Senholdt.

Teilweise kampieren ganze Sippen in einem Raum, viele davon aus Rumänien. Angeblich zahlen etliche keine Miete und bedrohen Handwerker. Die Mitarbeiter des Kommunalen Sozialdienstes, die den Familien Hilfe anbieten und ihnen klar zu machen versuchen, dass die Kinder zur Schule gehen müssen, kommen allerdings ohne Probleme rein.

Ein etwa elfjähriger Junge schließt sein Rad vor dem Haus ab. Auf die Frage „Musst Du nicht in der Schule sein?“, antwortet er: „Bin schon gekommt.“ Gegen weiteres Nachbohren hat er nichts. Ja, früher hätte er in dem Haus gewohnt, jetzt in einer Containeranlage. „Nix gut“, sagt er noch.

„Will umziehen. Morgen Termin“, meldet eine junge Frau auf der Treppe. „Muss zu Amt“, ruft sie noch und hastet dann die Stufen runter.

Eine Tür steht einen Spalt offen. Vor einem zerwühlten Bett steht auf dem Boden eine große Wasser-oder-sonstwas-Lache.

In einer Etage hängt ein Schild vor einer soliden Tür: „Hier wohnt Familie xx“. Aufs Klopfen öffnet ein junger Mann. Kleidungsstücke, Plastikbeutel und Spielzeug bedecken den Boden. Schränke fehlen. Im Bad stehen Pfützen aus dem Boden, rund um die Dusche breitet sich Schimmel aus.  Vor dem Haus sind inzwischen zwei jüngere Frauen in Begleitung eines Polizeibeamten angekommen. Sie gehen rein, kommen aber nach wenigen Minuten zurück.

Die zwangsgeräumten Mieter sind jetzt Unterkunftsfälle für die Stadt. Eine Familie hat über den Kommunalen Sozialdienst in der Unterkunft Alte Peiner Heerstraße ein neues Zuhause gefunden. Eine Mutter mit Kind ist vorerst in einer Obdachlosen-Unterkunft gelandet.

Von Vera König


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