Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Filmklappe: Das sind Hannovers Filmemacher der Zukunft
Hannover Meine Stadt Filmklappe: Das sind Hannovers Filmemacher der Zukunft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:48 21.10.2018
Kinder und Jugendliche präsentieren auf der „Hannover Filmklappe 2018“ ihre Kurzfilme. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Es herrscht gespannte Stille, minutenlang. Ungewöhnlich in einem Kinosaal mit rund 200 Kindern und Jugendlichen. Dann öffnen sich die Vorhänge, mit einem Teaser beginnt am Sonnabend die Preisverleihung der 12. Hannover Filmklappe. Jeder der Teilnehmer kann dabei einen kurzen Moment seines Werks über die große Leinwand im Graffiti, einem der Raschplatzkinos, flimmern sehen.

Noch weiß niemand, wer gewonnen hat. Was die Spannung erklärt. Aber dieser kurze Moment der Würdigung ist viel Wert. Wenn man merkt, dass die eigene Arbeit wertgeschätzt wird, wie die stellvertretende Regionspräsidentin Michaela Michalowitz in ihrem Grußwort sagt.

Die Hannover Filmklappe ist einer der beliebtesten Kurzfilmwettbewerbe für Amateure in Niedersachsen. Rund 170 Kinder und Jugendliche aus der Region Hannover sowie den Landkreisen Celle und Hildesheim haben sich beteiligt. „Medienkompetenz ist mehr als die Nutzung sozialer Medien“, beschreibt Michalowitz den pädagogischen Aspekt hinter dem Wettbewerb. Wer selbst einen Film drehe, erfahre, „was Bilder tatsächlich mit uns machen, welche versteckten Botschaften darin stecken.“ Aber es geht natürlich auch um die Förderung von Kreativität. Und davon ist bei den Kindern und Jugendlichen jede Menge vorhanden, wie die Beiträge verraten.

Ein bisschen Horror mit Überraschung

Es herrscht eine unheimliche Atmosphäre in dem Streifen „Hinein und nie zurück“ von Nico Baars und Paul Jostock. Dabei geht es eigentlich nur um einen Hund, der weggelaufen ist. Doch auf der Suche gerät der Protagonist in ein verlassenes Haus, in dem offensichtlich eine Spukgestalt ihr Unwesen treibt. Wer in der Schlussszene auf dem Friedhof beigesetzt wird, verrät der Kurzfilm eben erst zum Schluss – ein Twist, den die Jury auch als gelungenen Spannungsaufbau wertete. Die Burgdorfer erzielten den 1. Preis in der Kategorie Sekundarbereich Klassen 8 –10. „Die beiden wissen, wie man den Zuschauer erschreckt und auf eine falsche Fährte führt“, heißt es in der Begründung. Kein Wunder, denn sie sind nach eigenem Bekunden seit Jahren begeisterte Hobbyfilmer und schon mehrmals bei der Filmklappe dabei gewesen.

Poesie und Spezialeffekte

Weniger erschreckend aber nicht weniger kreativ der Preisträger in der Kategorie Klassen 11 –13. Der Film „Nufaya und das Schattenfeuer“ von Yasmin Becker erzählt von einer frustrierten Bibliothekspraktikantin, die im Keller einer aus einem Buch gefallenen Fee begegnet. Die 18-jährige Filmemacherin aus Celle arbeitet dabei gekonnt mit Spezialeffekten, einem sogenannten Green Screen, um die winzige Fee und das große Mädchen zusammen ins Bild zu setzen. Die Jury würdigte aber vor allem die Poesie des kleinen Films, der sich mit dem Wert von Büchern auseinandersetzt, und „Lust macht auf weitere Filme von Yasmin Becker“, wie Filmklappen-Organisator Uwe Plasger vom Medienzentrum der Region Hannover lobte.

60 Sekunden können reichen

Die Gelegenheit dazu bietet sogar derselbe Wettbewerb. Denn die 18-Jährige konnte mit einem zweiten Beitrag noch einen weiteren Preis einstreichen. Sie erhielt für „Verschwunden“ einen der beiden Sonderpreis der Kategorie „60-Seconds-Clips“. Darin erzählt sie erneut gekonnt in nur 60 Sekunden eine kleine Geschichte von einem Mädchen, das in einer Kiste auf dem Dachboden ein besonderes Handy findet. Alles, was sie damit fotografiert, verschwindet. Dummerweise macht sie auch ein Selfie. Schluss.

Der zweite ausgezeichnet 60-Sekünder ist ein Schulprojekt der Ricarda-Huch-Schule in Hannover. „Fußballfans“ will mit Vorurteilen aufräumen. Die Aussage: „Wir sind nicht die, für die ihr uns haltet“, wird eindringlich mit passenden Bildern belegt. Eine weiteren Sonderpreis gab es in der Kategorie „Dokumentarfilm“ für ein Schulprojekt des Gymnasiums Sarstedt. In der Projektwoche war ein sechsminütiger Imagefilm über die Schule entstanden, der, so die Jury, „informiert, neugierig macht sowie mit Witz und Ironie unterhält.“ Dafür gibt es bei der Vorführung nicht nur Applaus sonder auch viele Lacher.

Viele tolle Filme

Insgesamt waren 30 Filme im Wettbewerb eingereicht worden, die meisten (14) dem Genre Drama zugehörig. Aber auch Fantasy- beziehungsweise Horrorstreifen waren mit fünf Beiträgen beliebt, und dreimal setzten die jungen Filmemacher auf Komödien. 13 Kurzfilme entstanden aus privater Initiative, die übrigen im Rahmen von Schulprojekten.

Die Qualität der Beiträge überzeugte erneut. „Es waren wieder so viele tolle Filme unter den Einreichungen, dass die Jury gerne auch noch einige dritte Plätze vergeben hätte, doch das ist nach den für alle regionalen Filmklappen in Niedersachsen einheitlichen Statuten nicht möglich“, erläuterte Uwe Plasger.

Lobende Erwähnung

Als Alternative aber hat Hannover immerhin eine lobende Erwähnung zu vergeben, gekoppelt an begehrte Plätze für die nächste Ausgabe der jungen Filmschule "To the Movies" im kommenden Frühjahr für die Filmcrew. Darüber können sich Robin Tielker und Jonas Küster aus Burgdorf freuen, die in ihrem Zweiminüter "Wir müssen reden" den Handykonsum von Jugendlichen kritisch unter die Lupe nehmen.

Nur in der Kategorie Sekundarbereich Klassen 5 - 7 konnten die Beiträge die Jury nicht ganz überzeugen. Hier reichte es nicht zu einem ersten, sondern nur zu einem zweiten Platz. Der ging an die Klasse 7 F des Gymnasiums Langenhagen für den 9-minütigen Film „Die Macht der Gezeiten" . In dem Streifen geht es um eine Schule für zeitreisende Kinder. Und auch in der Kategorie Förderschulen konnte nur ein zweiter Platz vergeben werden, da es nur einen einzigen Bewerber gab. Dennoch konnten die Kinder einer 2. Klasse der Sprachheilschule Celle mit ihrem 5-minütigen Film "Der Zauberkreis" überzeugen. Aus Büchern herausgefallenen Märchenfiguren wird geholfen, wieder in ihre Bücherwelten zu gelangen.

Für die Sieger geht es weiter

Für die Erstplatzierten aller Kategorien gab es ein Preisgeld von jeweils 200 Euro, die Zweitplatzierten erhielten Kinogutscheine inklusive Freigetränke für die gesamte Crew. Die Sonderpreise wurden mit jeweils 100 Euro bedacht. Vielleicht noch wichtiger für die Erstplatzierten aber: Es geht weiter. Sie nehmen automatisch an der Niedersachsen Filmklappe teil – und wer weiß, vielleicht ein erster Schritt in Richtung Hollywood.

Weitere Preisträger: Luis Nickel und Jasper Winkler aus der Wedemark erhielten für „Brüder“ den 2. Platz in der Kategorie der Klassen 8 –10; Bela Kraus aus Hannover erhielt für „Blackout“ einen zweiten Platz in der Kategorie der Klassen 11 –13/BBS, ebenso Viktoria Sochor aus Hannover für den Film „Black Holes“, in dem sie sich mit dem Thema Alzheimer auseinandersetzt.

Alle Filme sind im Internet auf Youtube im Kanal der Hannover Filmklappe zu sehen.

Von Andreas Krasselt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Guido Maria Kretschmer ist mit seiner TV-Show „Shopping Queen“ gern in Hannover. Von Montag an sind fünf Kandidatinnen auf Vox zu sehen, die ein „Kleid für alle Fälle“ suchen mussten.

20.10.2018

Rittergut, Bier und Radrennen: Wülfel ist der südlichste Stadtteil von Hannover. Wir haben unser Foto-Archiv durchwühlt und nehmen Sie mit auf eine Zeitreise durch den Stadtteil.

20.10.2018

An vielen Kassen im Handel und an Tankstellen kann „per Karte“ bezahlt werden, ohne dass man sie in einen Schlitz stecken oder das Gerät überhaupt berühren muss. Jetzt wird in Hannover die „Kontaktlostechnik“ für Fahrscheinautomaten getestet.

23.10.2018