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Meine Stadt E-Bikes mit der Portion Extra-Power aus Hannover
Hannover Meine Stadt E-Bikes mit der Portion Extra-Power aus Hannover
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00:19 30.08.2018
RAUS AUSM KELLER: Power-Bikes-Gründer Uwe Hoppe (links) mit Partner Hendrik Luczak und einem ihrer Modelle. Quelle: Nancy Heusel
HANNOVER

 „Ich hatte nicht mal einen Schraubenschlüssel, wusste nicht mal, wie man eine Schraube festzieht“, sagt Uwe Hoppe (29). Also quasi „beste Voraussetzungen“, um schicke Fahrräder mit Elektroantrieb zu konstruieren und selber zusammenzubauen. Tatsächlich hat er, der Sozialpädagogik studieren wollte, keinen Platz erhielt und bei Elektrotechnik in der Antriebstechnik landete, was ihm zuletzt zu theoretisch war, das getan. Er hat sich alles irgendwie beigebracht abgeguckt, etwa mit Hilfe von „Wie geht das-Clips“ auf der Videoplattform Youtube. Und jetzt sitzt er mit seiner Firma „Power-Bikes“ mittlerweile in einem Untergeschoss in der List und schraubt augenfällige Fahrräder zusammen – sie sehen eigentlich eher aus wie Motorräder der Art Chopper, also Richtung Harley-Davidson und Verwandten – nur eben ohne Tank und Benzinmotor. Stattdessen sitzt im Hinterrad ein Elektromotor, der seine Energie aus einem in den Gepäcktaschen untergebrachten Akku saugt.

SCHRAUBER: Uwe Hoppe, Gründer von P Quelle: Nancy Heusel

Sein erstes Power-Bike (so lautet auch der Markenname) fertigte Hoppe in seiner Wohnung, in einem höchstens zwölf Quadratmeter großen Raum. Freunde waren begeistert, sagten: Stell das doch mal bei Ebay rein! Drei Tage später war der erste Elektro-City-Drahtesel-Chopper Made in Hannover verkauft.

Komponenten aus Asien

„Da ich nicht schweißen konnte, habe ich den Rahmen ganz simpel konstruiert – an dem Rad ist fast alles geschraubt, nur Steuerkopf, Sattelauflage und Tretlager sind geschweißt“, erzählt Hoppe. Seit 2014 macht er das nun, seit eineinhalb Jahren in einem Keller in der List: spärlich ausgestattet, ein Gemisch von Lager und Werkstatt, mit sattem Gummigeruch in der Luft und den dazu gehörenden Reifen, dutzendweise gestapelt; dazu gesellen sich paarweise chrom-golden-silbern glänzende Felgen an den Seiten, schon eingespeicht oder noch speichenlos. Die Nachfrage steigt, bislang, schätzt er, hat er so um die 100 seiner Chopper-E-Bikes ausgeliefert, je nach Modell und Ausstattung arbeitet er einen bis vier Tage an einem Fahrzeug.

„Da ich nicht schweißen konnte, habe ich den Rahmen ganz simpel konstruiert – an dem Rad ist fast alles geschraubt, nur Steuerkopf, Sattelauflage und Tretlager sind geschweißt“, erzählt Hoppe. Seit 2014 macht er das nun, seit eineinhalb Jahren in einem Keller in der List, spärlich ausgestattet, ein Gemisch von Lager und Werkstatt, mit sattem Gummigeruch in der Luft und den dazu gehörenden Reifen, dutzendweise gestapelt, und paarweise chrom-golden-silbern glänzenden Felgen, eingespeicht und nicht, an den Seiten.

Die Nachfrage steigt, bislang, schätzt er, hat er so um die 100 seiner Chopper-E-Bikes ausgeliefert, je nach Modell und Ausstattung arbeitet er einen bis vier Tage an einem Fahrzeug. Inzwischen hat er vier

Power-Bikes; E-Bikes-Design & Hersteller in Hannover Quelle: Nancy Heusel

Rahmenmodelle zur Auswahl, er lässt sie in Bayern fertigen, die Felgen und Reifen werden ihn China hergestellt, ein Typ davon mit einem selbst entwickelten Profil. Die Taschen werden in Pakistan gefertigt – aus Kunstleder: Die wenigsten Kunden waren bereit, die ursprünglich auch angebotene Ledervariante zu bezahlen. Die Motoren tragen ebenfalls den Markennamen und werden – na klar – eigens für Power-Bikes in Fernost gefertigt.

Power-Bikes; E-Bikes-Design & Hersteller in Hannover Quelle: Nancy Heusel

Kein Alltagsgerät

Die Elektro-Räder sind um 2,30 Meter lang und unheimlich tief liegend – eine normale Bordsteinkante mit Power-Bikes zu nehmen, ist keine gute Idee, dafür reichen die etwa acht Zentimeter Bodenfreiheit im Zweifel nicht. „Es gibt Leute, die sagen: umso tiefer, desto cooler – und dann bau ich das denen so“. Auch der Wendekreis ist deutlich größer als der normaler Fahrräder und Pedelecs oder E-Bikes. „Das ist kein Alltagsgerät, eher was für ‚Heute ist schönes Wetter, komm wir fahren zur Eisdiele, drehen eine Runde, dann wieder nach Hause‘“, charakterisiert der junge Unternehmer das Motiv und die Kunden-Attitude. Gefertigt wird auf Bestellung und so, wie es der Kunde wünscht – Motorleistung, Akkukapazität, Felgen mit Speichen in Schneeflockenform, goldfarbene Schrauben, Sonderlackierung, Lenkerform, Gabelhöhe – und auch möglichst angepasst an Körpergröße und Gewicht.

CHOPPER-GEFÜHL: Hendrik Luczak mit einem Power-Bike-Modell am Mittellandkanal in Hannover. Quelle: Nancy Heusel

Auf nach Australien

Ums Kaufmännische kümmert sich inzwischen Hendrik Luczak (30), der im Hauptjob noch für Energieversorger Avacon tätig ist, aber auch Inhaber der Firma und die Sache am Leben halten soll – denn Hoppe will aufhören: „ich will raus, spätestens nächstes Jahr, was anderes machen. Ich kann Routine nicht ab!“ Er will aber einen Anteil an der Firma übernehmen, und sein Vater und ein befreundeter Zweiradmechaniker, beide jetzt schon nötige und oft helfende Hände, sollen das Handwerkliche übernehmen.

Mit dabei ist auch Stefan Gritzka (35), ein alter Freund von Luczak - er machte gerade in der TV-Kuppelshow "Die Bachelorette" von sich reden. In seinem Vorstell-Clip tauchten daher auch Hoppe, Lucak und die Power-Bikes auf. Gritzka ist hauptberuflich in einer Steuerberatungskanzlei tätig - und kümmert sich von daher um die Finanzen bei Power-Bikes.

Die Zukunftschancen sieht Hoppe positiv: „Ich denke, dass wir bald mal noch eine Halle mieten müssen“, sagt er. Und jetzt gingen zwei Power-Bikes nach Australien, dort will sie ein Händler in Melbourne testweise anbieten und bei Erfolg auf Dauer. Und das alles, obwohl Hoppe E-Fahrräder alles andere als gefielen. Doch als er mal auf dem seines Vaters saß, fand er es ganz cool – bis auf das Aussehen. Und dachte sich: Das kann ich besser!

Daten & Fakten

Die Power-Bikes gibt es ab etwa 3500 Euro (kleinster Motor mit 250 Watt), als Bausatz kostet es 2600 Euro. Im Schnitt geben die Kunden etwa 4300 Euro für ihren Chopper aus Hannover aus. Mit dem kleinsten Motor kann man bis 25 Kilometer je Stunden erreichen, dann gilt es als Fahrrad. Der größte Motor bietet 3000 Watt Leistung, treibt das Gefährt auf Tempo 70 bis 80 km/h - wer damit legal auf der Straße unterwegs sein will, muss beim Tüv oder einer anderen Prüforganisation eine Zulassung beantragen und, sofern erteilt, dann eine Fahrzeugversicherung abschließen (Mofa-Kennzeichen). „Gas“ gegeben wird ähnlich wie bei Motorrädern per Hand am Drehgriff oder per Daumengas – auf öffentlichen Straßen nicht erlaubt, dafür müsste ein PAS (Sensor, der am Tretlager die Umdrehungen misst und dann den Motor steuert) eingebaut werden, was nur wenige Minuten dauert. Reichweite je nach Motor, Gewicht und Gelände: 20 bis 30 Kilometer. Die Bikes wiegen zwischen 28 und 45 Kilogramm. Aktuell entwickelt Uwe Hoppe auch ein Modell mit Mittelmotor (könnte von Bosch geliefert werden) und ein Trike (Dreirad mit Laderaum am Heck und zwei Motoren).

AM LAGER: Uwe Hoppe greift sich eine eingespeichte Felge. Quelle: Nancy Heusel

Von Ralph Hübner

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