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Meine Stadt Porschefahrer wirft Tetrapaks
Hannover Meine Stadt Porschefahrer wirft Tetrapaks
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22:12 16.08.2017
Gähnte oft: Juan N. verfolgte den Prozess mit gelangweilter Miene.   Quelle: Foto: Wallmüller
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Hannover

 Mit den vorgeschriebenen 70 Stundenkilometern war die Versicherungskauffrau im Mai 2016 im zweispurigen Baustellenbereich auf der A2 bei Hannover in Richtung Dortmund unterwegs. Mitten in einem Überholmanöver tauchte der schwarze Porsche Panamera S hinter ihr auf drängelte, blinkte sie an. „Ich sah im Rückspiegel, dass jemand im Auto wild gestikulierte“, schildert die 30-jährige aus Garbsen mit Aufregung in der Stimme, während Juan N. mit gelangweilter Miene zuhört, hin und wieder gähnt.

Auf das Drängeln des Porschefahrers hin, habe sie versucht den Überholvorgang abzuschließen. Als sie jedoch auf den rechten Streifen wechseln wollte, hatte der Panamera bereits hinter ihr nach rechts ausgeschert und die rechte Spur vereinnahmt. Nun überholte er sie rechts und ordnete sich vor ihr ein. Die Aktion war damit aber noch nicht beendet. „Der Porsche fing nun an, vor mir hin und her zu schlingern, damit ich nicht vorbeikomme“, schildert die Garbsenerin. Zudem bremste der Fahrer den Mazda aus, bis beide Fahrzeuge komplett zum Stillstand kamen, die linke Spur blockieren, während der Verkehr auf der rechten Spur weiterlief. „Wir standen bestimmt eine Minute“, schildert die 30-Jährige die Stresssituation. Als der Porsche schließlich wieder losfährt, ist die verängstigte Garbsenerin erleichtert. „Ich dachte, jetzt ist es beendet.“ Doch der Porschefahrer hat noch nicht genug, wechselt auf die rechte Spur neben sie, hängt sich aus dem Fenster und wirft schließlich mit Mineralwasser-Tetrapaks nach dem Mazda.

Von dem Porschefahrer bekommt die auf den Verkehr konzentrierte Frau selbst nicht viel mit, außer ein „fettes Grinsen“. Ihr Freund und Beifahrer kann ihn und das Nummernschild aber genau erkennen und später identifizieren. Der 23-jährige Juan N. ist der Berliner Polizei einschlägig bekannt, wegen zahlreicher Verkehrs- aber auch strafrechtlicher Delikte. Das Auto gehört zwar nicht ihm, jedoch seiner Mitbewohnerin und offensichtlichen Freundin. Den Hinweis seines Anwalts, N. habe Brüder die ihm sehr ähnlich sehen und theoretisch auch als Fahrer in Frage kommen, lässt das Gericht nicht gelten. „Ich bin zutiefst überzeugt, dass sie der Fahrer waren“, so die Richterin zu Juan N., dessen gelangweilte Miene sich beim Urteilsspruch allerdings kaum ändert.

Von Simon Polreich

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