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Die Polizei nimmt einen Speicheltest von Männern in Linden.© Schaarschmidt

Hannover-Linden

Polizei jagt Mörder mit Massen-Gentest

Mit einem Massen-Gentest suchen Fahnder seit Sonntag in Hannover nach dem Mörder einer Gelegenheitsprostituierten.

Von Christian Müller

Wie die Polizei mitteilte, wurden insgesamt 1105 Männer aus dem Stadtteil Linden zu einer Speichelprobe aufgerufen. Die Aufgeforderten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren können sich noch bis Dienstag freiwillig zu dem Speicheltest melden. Von dem Genmaterial erhoffen sich die Ermittler einen Hinweis auf den Mörder. Die Analyse kann zwei Wochen dauern.

Anfang Januar hatte die Polizei den zerstückelten Leichnam einer 24-jährigen Gelegenheitsprostituierten am Ufer der Ihme in Hannover gefunden. Da die bisherigen Ermittlungsversuche ins Leere liefen und keine konkreten Hinweise auf einen Täter lieferten, beantragte die Staatsanwaltschaft den Massen-Gentest. Es ist der erste in Hannover. Die zum Test gebetenen Männer wohnen alle im Umkreis des Fundorts.

„Man will ja schließlich helfen“, kommentiert ein junger Mann aus Hannover am Sonntag seine Teilnahme an dem Test. Nach einer kurze Unterweisung greift ein Beamter zu einem Wattestäbchen, um dem Mann den Mundraum auszustreichen. Nur wenige Sekunden später ist er mit dem Prozedere durch. „Kürzer als ein Gang zur Wahl“, sagt der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes Hannover, Thomas Rochell, über die Dauer der Entnahme einer DNA-Probe. Bis zum Abend nahmen 263 Männer an dem Massen-Gentest teil.

Rochell hofft, mit der Analyse des Genmaterials, bei der Aufklärung des Falls „ein gutes Stück weiterzukommen“ und zumindest viele Bewohner des Stadtteils als Tatverdächtige ausschließen zu können. Ähnliche Tests führten in der Vergangenheit in der Region Hannover bereits zu Fahndungserfolgen. So kam die Polizei 1996 in Wunstorf durch eine Speichelprobe einem Vergewaltiger auf die Spur.

Die Teilnahme an dem Test ist zwar freiwillig. Abwesende müssten sich aber darauf gefasst machen, vor der Polizei ihr Fernbleiben zu begründen. Entweder erhalten die Männer, die nicht teilgenommen haben, dann einen Brief oder Polizisten besuchen sie zu Hause. Letzteres war für viele der Hauptgrund überhaupt eine Speichelprobe abzugeben. „Sonst steht ja morgen die Polizei vor meiner Tür“, sagt ein Mann mit grimmiger Miene.

Andere fürchten sich vor einem Datenmissbrauch. Zwar muss das Untersuchungsmaterial nach der DNA-Analyse im Landeskriminalamt Niedersachsen unverzüglich vernichtet werden, falls keine Übereinstimmung mit den genetischen Spuren an der Leiche auftritt. Dennoch beschlich einen Mann „ein mulmiges Gefühl wegen der Datensicherheit“. Doch auch bei ihm überwog schließlich der Wille der Polizei zu helfen. „Schließlich könnte der Mörder auch aus meiner Nachbarschaft kommen“, sagte er.


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