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In diesem Wohnhaus in Vahrenwald wurde der Koffer entdeckt.© dpa

Hannover

Polizei findet lebendes Baby und Skelettteile im Koffer

Ein grausiger Fund in Hannover: In einem Koffer werden am Donnerstag zwei Säuglinge gefunden. Von dem einen gibt es nur noch das Skelett, der andere lebt. Ermittler versuchen, die Hintergründe zu klären. Am Wochenende wird es laut Staatsanwaltschaft allerdings keine Neuigkeiten geben.

Hannover. Es ist ein gepflegtes Wohnviertel unweit des Zentrums von Hannover, in das die Polizei zu einem erschütternden Fund gerufen wird. In dem Mehrfamilienhaus mit der weißen Fassade wohnen Studenten, Rentner und Familien.

Ein junges Pärchen mit Hund ist vor zwei, drei Monaten erst in den vierten Stock eingezogen. In deren Wohnung rücken am Donnerstag Polizei und Rettungsdienst an - in einem Koffer liegt ein neugeborenes Baby. Es lebt und kommt in eine Klinik. Dann der Schock, als die Beamten den Koffer näher untersuchen: Sie finden Skeletteile - vermutlich von einem weiteren Baby.

"Als ich vor dem Haus Polizei gesehen habe, habe ich zuerst an einen Einbruch gedacht", sagt Rainer Deike. Der 69 Jahre alte Nachbar beschreibt das junge Paar als nett und unauffällig. "Man kennt sich hier, es herrscht ein gutes Verhältnis im Haus".

Gegenüber von ihm ist eine WG, eine junge Frau macht gerade ihren Umzug. Wie es dazu kommen konnte, dass die mutmaßliche Mutter, die 22 Jahre alte neue Nachbarin, ihr lebendes Baby in einen Koffer steckte, das können sich die übrigen Hausbewohner nicht erklären. Ihr 19 Jahre alter Freund, mit dem sie zusammen wohnt, ist es, der am Donnerstagmittag die Polizei verständigt. Gerade hat er das Neugeborene in dem Koffer entdeckt, so zumindest seine Schilderungen gegenüber den Beamten.

Eine junge Frau kommt mit ihrem Kind auf dem Arm und einem kleinen Hund an der Leine die Treppe hoch. Sie kann gar nicht fassen, was ihr die Polizei über das Pärchen erzählt. "Sie haben ja auch einen Hund und wir sind auch einmal zusammen Gassi gegangen", berichtet die Nachbarin.

Die 22-Jährige habe gerade erst eine Ausbildung angefangen. "Das waren ganz normale Leute", erzählt die Frau. "Ich war auch einmal in der Wohnung, da sah alles ganz normal aus." Das neue Pärchen habe auch Besuch gehabt und einmal eine Party gefeiert.

Von der Schwangerschaft habe sie nichts bemerkt, sagt die Nachbarin. Auch bei einem Gespräch habe die Frau nichts davon erwähnt. "So etwas sieht man sonst nur im Fernsehen."

Der Psychiater Michael Soyka, der sich auch als Gutachter mit Fällen von Kindstötung beschäftigt und das Buch "Wenn Frauen töten" (2005) schrieb, vermutet, dass die junge Frau zu ihrer Schwangerschaft und dem Kind keinen Zugang gefunden hat. "Man gewinnt den Eindruck, dass die Frau das Kind wie ein Ding abgelegt hat in einem Koffer." Er vermutet eine starke Entfremdung der jungen Frau von dem Kind.

Kurz nach dem grausamen Fund nehmen Polizisten die 22-Jährige an ihrem Arbeitsplatz fest. Am Freitag ordnet ein Haftrichter wegen des Verdachts des Totschlags Untersuchungshaft an. Gegenüber den Beamten machte die junge Frau bis zum Freitagnachmittag keine Angaben. Der 19-Jährige ist weiter auf freiem Fuß. Die gefundenen Knochenteile werden in der Rechtsmedizin untersucht. Eine gute Nachricht kommt aus der Kinderklinik. Der Zustand des geretteten Säuglings - es ist ein kleines Mädchen - ist stabil. Unterdessen meint Nachbar Deike: "Man hätte den Menschen vorher helfen sollen." dpa


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Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
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