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Meine Stadt Polizei Hannover nimmt Steintor ins Visier
Hannover Meine Stadt Polizei Hannover nimmt Steintor ins Visier
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23:26 26.09.2010
Auch Autofahrer wurden von der Polizei am Steintor kontrolliert. Quelle: Elsner
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Hannover. Es ist weit nach Mitternacht, fast eins, als ein halbes Dutzend Polizisten in das Columbus geht, die Kneipe, die zuletzt zweifelhaften Ruhm erlangte. Holger B. hatte hier zwei Italiener nach einer Fußball-Diskussion erschossen, an einem Montagmorgen. In dieser Sonnabendnacht gibt es keinen konkreten Anlass für den Besuch, nur den, den es eigentlich immer gibt: Die Bar amSteintor ist polizeibekannt, hier treffen sich viele Harmlose, für die das Bier in der Hand der letzte Halt ist, aber eben auch die, die ihren Ärger über das Leben mit Alkohol befeuern. Die vielleicht am Ende der Nacht Nasen gebrochen haben oder Kokain durch ihre eigene ziehen. Die Polizisten sind eingekehrt, um – Behördendeutsch – Gefährdeansprachen zu halten. Heißt: Die, die vielleicht nochmal Ärger machen in dieser Nacht, schon mal vorsorglich zu verwarnen: „Benehmt euch, wir haben euch im Blick.“

26 dieser Gefährderansprachen gab es in der Nacht zu Sonntag am Steintor, die Polizeiinspektion Mitte geht in die Kontrolloffensive. Man habe keine Lust mehr darauf, dass sich die „Bodyguard Security“ der Hells Angels, die die Clubs bewacht, zur Steintor-Polizei aufschwingen will, heißt es, und werde jetzt an Wochenenden Dauerpräsenz zeigen. Das klingt nach Revier markieren, und so lässt es sich wohl auch verstehen. Und notwendig ist es allemal, die Zahl der Strafanzeigen verharrt seit Jahren bei rund 200 im Monat – nur in dem Rotlicht- und Partyviertel zwischen Steintorplatz und Leibnizufer, Goethestraße und Marstall.

Auch im Columbus treffen die Beamten vier Halbstarke, gerade volljährig, wegen Schlägereien und Saufereien polizeibekannt. Die nächste Gefährderansprache, das Quartett verlässt die Kneipe – um sich am Kiosk nebenan Bier zu kaufen und dieses demonstrativ neben den Beamten zu trinken. Eine Provokation. Vielleicht waren die vier vorher in einem der Bordelle, ihre Männlichkeit beweisen. Erstaunlich sowieso, wie viele Gruppen junger Männer in den Puff gehen in so einer Sonnabendnacht, ganz selbstverständlich, nicht wie die Klischee-Alten, die mit hochgeklapptem Kragen durch die Türen huschen. Und erstaunlich auch, wie betrunken eigentlich alle sind, in den Clubs, vor den Clubs, auf den Straßen. Manche zu sehr: Zwei Personen mussten bei der Großkontrolle in die Klinik gebracht werden, weil sie so berauscht waren. Einen 16-Jährigen mit 1,9 Promille und eine 16-Jährige mit 1,6 Promille brachten die Polizisten zur Wache an der Herschelstraße, wo die sicher stolzen Eltern sie einsammeln durften.

Aber die starke Präsenz der Polizei zeigt auch Wirkung: Nur vier Strafanzeigen werden in dieser Nacht ausgefüllt, deutlich weniger als sonst an einem normalenWochenende mit normaler Beamtendichte. Zwei Personen hatten gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen, zwei Männer, beide 48, hatten sich gegen zwei Uhr am Marstall eine Schlägerei geliefert. Die Beamten schrecken aber nicht nur ab, sondern auch auf: Ein Wachmann von „Bodyguard Security“, folgt den Beamten auf Schritt und Tritt und telefoniert – ja, wem eigentlich? – immer den genauen Standort der Einsatzkräfte durch. Wozu, verrät er nicht, aber scheinbar ist es nicht genehm, dass die Polizisten durch die Straßen der Engel laufen, zwischen Neon- und Rotlicht, zwischen Popmusik und Pornokino.

Die Nacht ist lang für die Polizisten, bis in den Morgen kontrollieren sie Spielhallen und Clubs, stoppen Autofahrer, die am Anfang der Scholvinstraße wild hupen und am Ende in ein Röhrchen pusten, ihr Auto stehen lassen und mitkommen müssen.

Nächstes Wochenende soll es so ähnlich weitergehen. Und dann wieder von vorn. Ganz ohne Straftaten, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Mitte, Olaf Gösmann, werde es hier nie gehen, nicht in diesem Umfeld. Aber: Es kann nur besser werden.

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