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Unterkunft für Flüchtlinge an der Wülferoder Straße in Bemerode

Unterkunft für Flüchtlinge an der Wülferoder Straße in Bemerode© Heidrich

Hannover

Politik will keine Massenunterkünfte für Flüchtlinge

Die künftige Große Koalition im Bund will große Aufnahmezentren für Flüchtlinge. Die Politik lehnt das für Hannover ab. Sie geht bereits länger ihren eigenen Weg und möchte auch daran festhalten.

Hannover. Flüchtlinge mit schlechten Bleibeperspektiven sollen verstärkt in Massenunterkünften untergebracht werden, sogenannten Aufnahmezentren. Darauf haben sich CDU, CSU und SPD in ihren Sondierungen auf dem Weg zur Großen Koalition im Bund geeinigt. Hannover hingegen geht schon seit längerem einen anderen Weg – und daran will die Politik auch festhalten. 

Je kleiner, desto besser

Möglichst in kleineren Heimen, wenn es geht, sogar in Wohnungen, werden Flüchtlinge in Hannover untergebracht. „Wir haben am allerbesten unter Beweis gestellt, wie gut man das managen und die Leute versorgen kann“, sagt Lars Kelich, baupolitischer Sprecher der SPD. Er will Flüchtlinge auch weiterhin „möglichst dezentral und nicht in größeren Gruppen unterbringen“. Die gefühlte Perspektivlosigkeit in großen Massenunterkünften hält er für ein Problem. Dass Hannover darauf verzichte, sei auch ein Grund dafür, dass es hier „keine brennenden Flüchtlingsheime gibt“. 

Elisabeth Clausen-Muradian, Bauexpertin der Grünen, findet, dass die Stadt „weiter für ihr Prinzip werben sollte“. Je kleiner die Flüchtlingsunterkünfte seien, „desto besser ist das“, sagt sie. Denn „je mehr Menschen auf einem Haufen sind, desto mehr Konfliktpotenzial gibt es auch“, erklärt die Grüne. 

Das sieht auch FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke so. „Unser System relativ kleiner Einheiten hat sich bewährt“, sagt er und verweist auch auf die Schwierigkeiten, die es zum Beispiel in und rund um die Notunterkunft Oststadtkrankenhaus gab. „In großen Unterkünften ist einfach mehr Theater. Das wäre aber auch nicht anders, wenn man 400 deutsche Familien auf so engem Raum unterbringt“, stellt Engelke klar. Allerdings ist der FDP-Mann auch froh, dass die Stadt Reserven für den Fall vorhält, dass die Plätze in kleineren Flüchtlingsheimen nicht reichen sollten. Angesichts wieder steigender Flüchtlingszahlen könnte es künftig dazu kommen, dass die Stadt bereits geschlossene Notunterkünfte wie den Deutschen Pavillon auf dem Expogelände wieder in Betrieb nehmen muss. „Im Notfall geht es nicht anders“, sagt Engelke. 

Raumnot bereits groß

CDU-Bauexperte Felix Blaschzyk begrüßt grundsätzlich, dass der Bund Flüchtlinge mit schlechten Bleibeperspektiven, zum Beispiel vom Balkan oder aus den Maghreb-Staaten, in Aufnahmezentren unterbringen und diese gar nicht erst auf die Kommunen verteilen will. Allerdings hofft er auch, dass eine solche Massenunterkunft nicht in der Landeshauptstadt eingerichtet wird. „Das hielte ich für falsch, weil hier die Raumnot ohnehin schon besonders groß ist“, sagt Blaschzyk. 

In Hannover sind derzeit gut 3800 Flüchtlinge untergebracht, davon rund 600 in Notunterkünften. Die größte, das frühere Maritim-Hotel am Friedrichswall mit mehr als 300 Plätzen, muss die Stadt im Sommer schließen. Sie hat vom Rat den Auftrag bekommen, 5000 Plätze in regulären Unterkünften zu schaffen.

Christian Bohnenkamp


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