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Baugewerbe

Plakat in Hannover provoziert Passanten

Drei Bauarbeiter
schauen gierig auf die Blondine 
im knappen Rock. Dann der Schock – die Frau ist vermeintlich hässlich. Einer der Arbeiter erbricht sich vor Schreck in die Hand.

Hannover. Mit dieser Bilderreihe wirbt die Gerüstbaufirma Samiez derzeit am Gehaplatz (Groß-Buchholz). Ein Leser beschwerte sich bei der NP, und inzwischen haben sich auch mehrere Personen bei der Stadt über die von ihnen als geschmacklos empfundene Reklame beschwert – „sowohl Mitarbeiter als auch Bürger haben sich deshalb gemeldet“, so Behördensprecherin Ulrike Serbent. Friederike Kämpfe, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt: „Die Werbung geht gar nicht und gehört absolut nicht ins Straßenbild – und auch sonst nirgendwohin.“

Frank Samiez, Geschäftsführer der werbenden Firma, sieht keine Probleme: „Geschmackssache.“ Gezeigt würde „das wahre Leben. So sind die Jungs auf der Baustelle.“ Das sieht Matthias Wächter, Hauptgeschäftsführer
des Baugewerbe-Verbands Niedersachsen, ganz anders – er befürchtet gar Image-Schäden.
„Derartige Werbung schadet dem Baugewerbe ohne Wenn und Aber!“ Bei der Industrie- und Handelskammer äußert man sich grundsätzlich nicht zu den Vorgehensweisen einzelner Mitglieder in Bereichen wie Werbung. Ganz kommentarlos bleibt die Anfrage der NP aber nicht: „Bei der Rekrutierung von Fachkräften, insbesondere weiblichen, ist das nicht unbedingt hilfreich für ein Unternehmen“, so Sprecher Stefan Noort.

Sabine Nolte-Vogt, gleichstellungspolitische Sprecherin der Ratsfraktion der Grünen in Hannover, ärgert sich über die Werbung: „Ich halte diese Werbung für eindeutig sexistisch, weil sie Frauen allein auf ihr Aussehen reduziert. Die dargestellte Frau erscheint als Sexualobjekt, ihre sexuelle Verfügbarkeit wird nahegelegt.“ Die dargestellten Männer wirkten rein triebgesteuert, was auch sexistisch sei. CDU-Chef Dirk Toepffer erinnert sich an ein ähnliches Motiv in Hemmingen an einer Brücke – eine Baustelle des Landes Niedersachsens: „Ich würde der Firma raten, das schnell abzunehmen – es ist schon heftig.“ Sylvie Müller, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, sieht „immerhin beide Seiten schlecht dargestellt. Aber die Firma geht zu weit – es ist traurig, dass keiner mehr nachdenkt.“

Vor einigen Jahren hatte es einen ähnlichen Fall in Ronnenberg gegeben. Nach Beschwerden wurde das Plakat abgenommen.

HINTERGRUND

Bürger können sich bei der 
Stadt beschweren, wenn ihnen Werbung sexistisch oder diskriminierend erscheint. In diesem Jahr gab es bereits vier Werbekampagnen, die der Behörde angezeigt worden sind – unter anderem die Reklame eines Imbisses in Hainholz (siehe Bild).

Besteht dafür eine Grundlage, wendet sich die Stadt an den Verantwortlichen – auch die Firma Samiez ist gestern nach der NP-Anfrage angeschrieben worden. Da Samiez nicht zum ersten Mal aufgefallen ist, gab es zudem eine Beschwerde beim Werberat. Sprecherin Anne Grote: „Wir prüfen das, hören die kritisierte Seite an, das Gremium entscheidet, inwieweit eine Werbung herabwürdigend ist.“ Zu dem aktuellen Fall könne sie dementsprechend nicht viel sagen, außer „dass beide Geschlechter herabgewürdigt werden, aber auch stark überzeichnet präsentiert werden“.


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Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok