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Meine Stadt Paracelsus-Klinik entbindet Hebammen
Hannover Meine Stadt Paracelsus-Klinik entbindet Hebammen
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00:15 03.01.2013
TRAURIGE NACHRICHTEN: Kurz vor Weihnachten bekamen zwölf Hebammen der Paracelsus-Klinik ihre Kündigung. Quelle: Tobias Kleinschmidt
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Langenhagen

Ende November war die Schließung der Geburtshilfe-Abteilung bekannt geworden, die als einzige in der Region nach dem Belegarzt-System arbeitet.

Die Hebammen seien zum Teil 25 Jahre und länger in der Klinik beschäftigt, sagt Anwalt Achim Thannheiser. Er vertritt acht der Frauen, die vor dem Arbeitsgericht gegen ihre Kündigung klagen wollen. Sie seien enttäuscht, wie mit ihnen umgegangen werde. Mit der Mitarbeitervertretung seien keine Alternativen zur Schließung besprochen worden. Auch gebe es bisher keine Hilfestellung bei der Suche nach anderen Jobs oder ein Abfindungsangebot.

Erst Ende November hatte die Paracelsus-Klinik verkündet, dass sich wegen der drastisch gestiegenen Haftpflichtversicherungsbeiträge für Hebammen der Betrieb der Belegarzt-Abteilung nicht mehr rechne. Tatsächlich wurde die Haftpflicht für eine Geburtshelferin seit 2009 von 2370 Euro auf jetzt 4242 Euro im Jahr angehoben. Eine Sprecherin des Paracelsus-Konzerns, zu dem 16 Akutkrankenhäuser und elf Reha-Kliniken gehören, erklärte der NP, die Belegärzte könnten die Prämienzahlungen nicht mehr leisten. Die Klinik, die nach eigenen Angaben für eine Geburt 236 Euro bekommt, will die Prämien offenbar auch nicht zahlen.

Neben der Bekanntgabe der Geburtshilfe-Schließung wurde den gut 200 Krankenhaus-Mitarbeitern vor Weihnachten auch mitgeteilt, dass sie kein Weihnachtsgeld bekämen. Der Konzern habe beschlossen, Arbeitsplätze in einer defizitären Klinik in Schleswig Holstein zu retten. Nach Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi soll das Weihnachtsgeld nun Ende Mai mit Zinsen ausgezahlt werden.

In einer kurzen Stellungnahme des Unternehmens heißt es, die Umwandlung der Belegarzt-Abteilung in eine Klinik-Hauptabteilung mit eigenen Ärzten sei „finanziell nicht zu machen“. Eine reine Geburtshilfe sei aber nicht wirtschaftlich. Die geburtshilfliche Versorgung - in der Klinik kamen jährlich 800 Babys zur Welt - sei aber durch andere Krankenhäuser in der Region gesichert. Man bedaure, die Hebammen nicht mehr beschäftigen zu können.

Brigitte Horn von Verdi: „Die machen kurzen Prozess.“ Die Schließung der zweitgrößten Abteilung der Klinik sei eine Betriebsänderung, aber der Arbeitgeber habe darüber nicht mit der Mitarbeitervertretung gesprochen. Hebammen-Anwalt Achim Thannheiser nennt das Vorgehen der Geschäftsleitung „kalt.“ Das Unternehmen wolle auch nicht über einen Sozialplan zum Ausgleich wirtschaftlicher Nachteile für die Hebammen verhandeln. Und was mit 20 Kinderkrankenschwestern passiere, die „nach Möglichkeit“ weiterbeschäftigt werden sollen, aber künftig weniger zu tun hätten, sei bisher auch noch ungeklärt.

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