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Meine Stadt Panzermuseum: Der Mythos Tiger unter Beschuss
Hannover Meine Stadt Panzermuseum: Der Mythos Tiger unter Beschuss
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15:29 25.09.2015
DARUM GING ES: Museumschef Ralf Raths (links) und der Grüne Martin Nebendahl vor dem Tiger-Panzer. Quelle: Dröse
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Hannover

Auch in Hannover hat dieser im Sommer zu hitzigen Diskussionen geführt. Das Panzermuseum in Munster hatte in der Stadt eine große Plakatkampagne geschaltet, um in den Ferien Besucher anzulocken. Zum Ärger von Martin Nebendahl, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bezirksrat Mitte. Ein deutscher Wehrmachtspanzer, groß plakatiert, ohne weitere Erklärungen dazu? „Das geht gar nicht“, fand er.

Die linke Zeitung „Neues Deutschland“ griff die NP-Berichterstattung auf, ebenso die rechte „Junge Freiheit“. Die Meinungen der NP-Leser auf Facebook gingen weit auseinander. Der Tiger polarisiert. „Wir haben mit Kritik gerechnet“, sagt Ralf Raths, der das Panzermuseum in Munster leitet. In dieser Woche hat er den Grünen Nebendahl in sein Haus eingeladen, um ihm zu erklären, warum er sich trotzdem für dieses Motiv entschieden hat.

Eines ist Nebendahl wichtig. „Natürlich darf ein Panzermuseum mit einem Panzer werben“, sagt er, „aber einen Nazipanzer ohne erklärenden Kontext zu zeigen - damit tue ich mich schwer.“ Alternativen hätte es gegeben. 138 Großexponate stellt das Museum aus, darunter auch ein deutscher Panzer aus dem Ersten Weltkrieg und viele aus der Zeit des Kalten Krieges.

„Der Tiger ist das beste Werbemittel, das man sich vorstellen kann“, sagt Raths. Den entsprechenden Kontext könne man auf einem Plakat jedoch nicht vermitteln. Das will er im Museum nachholen. Die Leute anlocken „und dann mit der Realität konfrontieren“, so das Konzept des Museumsleiters. „Natürlich war der Tiger eine Waffe im Vernichtungskrieg“, sagt Raths. In diesem Punkt sieht er auch er bei vielen Besuchern Aufklärungsbedarf. Zwar seien die meisten „einfach nur technikbegeistert“, viele allerdings - obwohl sie gar nicht rechts seien - „finden die Wehrmacht unreflektiert geil und glauben, dass das die beste Armee der Welt war“.

Ahnungslosigkeit, der der Museumsleiter mit Fakten begegnen will. Auch und gerade über den Tiger. Ein gewaltiger Panzer, mit enormer Feuerkraft. Aber auch langsam, unbeweglich, kompliziert zu bauen und oft kaputt. „Vieles ist Legende. Der Tiger war gar nicht so toll“, sagt Raths. In den Führungen ist das ein Thema, und auch im Audio-Guide, den man sich ausleihen kann. Das Problem: Diese Möglichkeiten nehmen nur zehn Prozent der Besucher in Anspruch. Raths’ Ziel, ihnen „keinen Ausweg zu lassen und sie dazu zu bringen, sich mit allen Facetten der Panzergeschichte zu befassen, also auch und gerade mit den Themen Vernichtungskrieg und Zwangsarbeit“ - das ist zu einem guten Stück noch Zukunftsmusik.

Obwohl schon viel passiert ist. Noch vor einigen Jahren glich das Museum eher einem Autohaus. Panzer an Panzer. Kaum Informationen, außer ein paar technischen Daten. Mittlerweile gibt es viele Schautafeln und auch Multimediastationen. Aber Raths, der in Hannover Politik und Geschichte studiert hat, will viel mehr. In größeren Vertiefungsbereichen möchte er noch viel mehr Hintergrund liefern, noch viel mehr einordnen, zu Diskussionen anregen.

Das Konzept steht. Was fehlt, ist das Geld. Rund 4,5 Millionen Euro braucht das Museum für den Bau einer neuen Halle und die Umgestaltung der Ausstellung. Ohne Fördermittel wird das nicht gehen. „Ich finde das Konzept überzeugend“, sagt der Grüne Nebendahl. Nur der Tiger auf dem Plakat - „der hätte trotzdem nicht sein müssen“.

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