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Meine Stadt Opfer: „Ich hatte Todesangst“
Hannover Meine Stadt Opfer: „Ich hatte Todesangst“
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00:17 11.12.2015
WAS FÜR EIN MENSCH IST ER? Kevin K. mit seinem Rechtsanwalt Matthias Fiedler im Saal 3112 des Amtsgerichts. Quelle: Kutter
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Hannover

„Dieser Mann ist eine tickende Zeitbombe, so einer darf nicht frei rumlaufen, das kann man in einem Rechtsstaat wie unserem nicht hinnehmen“ - das war gestern der Appell der Mutter (51) von Lina G. (20) an das Schöffengericht am Amtsgericht Hannover gegen Ende ihrer Zeugenaussage. Verhandelt wurde der Fall von Kevin K. (24), der das Mädchen gut zehn Monate lang körperlich misshandelt und psychisch heftig unter Druck gesetzt haben soll.

Nicht nur Vater (50) und Mutter fürchteten um das Leben ihres Kindes, Lina selbst berichtete im Gerichtssaal mehrfach von Todesangst, die sie empfunden habe. Zu ihrem Horrortrip in den Jahren 2012 und 2013 gehörte neben regelmäßigen Schlägen mit dem Stiel einer Suppenkelle aus Metall, dem Malträtieren der Hände mit einem Schlüssel und dem Ausdrücken einer Zigarette auf einer Hand auch etwas, was vom Richter als „Waterboarding“ bezeichnet worden ist (eine im Zusammenhang mit Folterungen von Guantánamo-Häftlingen der USA bekannt gewordene Methode, Ertrinkensangst auszulösen). Dazu kommen weitere Tätlichkeiten, ständige Beleidigungen und Demütigungen wie erst kaltes Abduschen in Kleidung, dann Mit-Milch-Überschütten und häufig stundenlanges „Strafestehen“ an der Wand. Einmal habe Kevin Lina mit einer Tischplatte fast das Schienbein gebrochen.

Laut Anklage muss sich Kevin K. in diesem Fall wegen 17 Straftaten verantworten. Sein Verteidiger - gleichzeitig sein staatlich verordneter Betreuer - schlug daher vor, das Verfahren abzukürzen, indem sein Mandant einen Teil der Vorwürfe „weitestgehend“ zugibt. Richter Koray Freudenberg lehnte das gestern ab, weil sich der Angeklagte nicht wirklich zu den schweren Vorwürfen äußern will, das Gericht aber schon „die Glaubwürdigkeit des Geständnisses beurteilen“ müsse, wie der Richter später erklärte. Also wird verhandelt, ausführlich und tiefgehend, mit Zeugen und Opferaussagen. Der Verteidiger sagte zu Beginn, sein Mandant erinnere sich an viele Sachen überhaupt nicht, damals hätten „Drogen eine erhebliche Rolle gespielt“. Lina G. und Kevin K. waren mehrfach liiert, bis die junge Frau Ende August nach einem Fausthieb aufs Auge mit Hilfe der Eltern endlich zur Polizei ging.

Den Vorwurf, seine damalige Freundin eines Abends im Maschpark hinterm Rathaus mehrfach mit dem Kopf lange in den Maschteich gedrückt und Ertrinkensangst ausgelöst zu haben (der Richter nannte es Waterboarding), wies Kevin zurück, auch das mit der Milch sei unwahr.

Kevin ist auf Bewährung unterwegs, er wurde in einem Jugendstrafverfahren wegen Drogendelikten verurteilt und muss einmal im Monat eine Urinanalyse vorlegen, um zu sehen, ob er Drogen nimmt (dafür muss er selbst je 20 Euro zahlen, er lebt derzeit von Arbeitslosengeld II). Dem Gericht wurde eine aktuelle Auswertung vorgelegt, wonach keine Drogenspuren gefunden wurden - laut Bewährungshelferin ist das in all den Monaten die erste saubere Probe, die er abgeliefert hat.

„Ich war eingeschüchtert, wurde terrorisiert, bedroht, auch meine Eltern. Er hat mir aufgelauert, ich hatte Todesangst“ - darum kam Lina nicht aus der Beziehung raus.

Im Gerichtssaal saß gestern ein recht ruhiger junger Angeklagter - ein anderer Kevin K. als der von den Zeugen beschriebene aggressive, reizbare Drogen-Händler und -Konsument, der sofort zornig wurde und losschlug, wenn ihm nicht passte, was Lina G. tat oder sagte. Er gab an, neuerdings wieder Medikamente wegen ADHS („Zappelphilipp-Syndrom“) zu nehmen, um ruhiger, weniger hibbelig und konzentrierter zu sein.

Wie das Wesen des Angeklagten zu beurteilen ist, soll ein Gutachter darlegen - am 16. Dezember wird das Verfahren fortgesetzt.

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