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Meine Stadt Ohnmacht bei Mammografie in der MHH - Schädelbruch
Hannover Meine Stadt Ohnmacht bei Mammografie in der MHH - Schädelbruch
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19:38 25.08.2010
Mammografie, hier ein Bild aus Münster, wird eingesetzt zur Brustkrebs-Vorsorge bei Frauen. Quelle: dpa
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Von Annette Rose

Hannover. Seit 29. Juni 2007 ist für Martina H. nichts mehr, wie es vorher war. Während einer Mammografie in der MHH war die damals 48-Jährige bewusstlos geworden und umgekippt. Sie erlitt einen Schädelbasisbruch und eine Halswirbelfraktur. Heute ist die ehemals durchtrainierte Läuferin zu 60 Prozent schwerbehindert. Sie hat irreparable Hörschäden, Kopfschmerzen und Probleme beim Gehen.
Wer schuld ist an dem Unfall, das soll jetzt das Landgericht klären. Die städtische Angestellte fordert 40 000 Euro Schmerzensgeld. Sie wirft einer Röntgenassistentin Fahrlässigkeit vor.

H. litt unter einer Entzündung in der rechten Brust, wollte eine Krebs-Früherkennung durchführen lassen. Dazu musste ihre Brust zwischen den Platten des Röntgengeräts zusammengepresst werden. Weil die Entzündung am oberen Brustansatz saß, habe die Assistentin versucht, die Stelle durch Schieben in den Aufnahmebereich zu bringen, was sehr schmerzhaft gewesen sei, sagt H. „Ich habe laut geschrien.“ Sie sei dann von der Assistentin aufgefordert worden, sich kurz hinzusetzen.

Beim zweiten Versuch habe sie die Zähne zusammengebissen. Sie könne sich nur noch erinnern, „wie ich in dem Gerät stand und mir die Beine wegsackten.“ Sie habe weder die Aufnahme mitbekommen noch den Sturz, nachdem der Röntgenapparat schließlich ihren Oberkörper freigab. Die MHH-Mitarbeiterin hatte offenbar nichts von H.s Ohnmacht gemerkt, da sie während des Röntgens in einem anderen Raum war und durch ein Fenster nur den Rücken der Patientin sehen konnte.

Nach den medizinischen Befunden sei Martina H. durch starken Schmerz kurzfristig bewusstlos geworden, sagt ihr Anwalt Albrecht Paul Wegener. Er kritisiert, dass die MHH-Mitarbeiterin die Schmerzempfindlichkeit der Frau trotz der Vorwarnung nicht richtig eingeschätzt und keine Hilfe dazugeholt habe. Zudem sei es ein Fehler, dass während des Röntgens kein Blickkontakt mit der Patientin möglich gewesen sei.

Wegener hat nicht nur Klage vor dem Landgericht eingereicht, sondern auch die Unfallversicherung der Klinik vor dem Sozialgericht verklagt. Diese Klage wurde bereits abgewiesen, weil es sich nicht um einen Unfall gehandelt habe. Es sei kein äußeres Ereignis gewesen, sondern ein Vorgang im Körper der Patientin – so das Gericht. Dieser Fall ist jetzt beim Landessozialgericht.

Über die Schmerzensgeldforderung verhandelt das Landgericht am 9. September. MHH-Sprecherin Simone Corpus sagte gestern, die Untersuchung sei ordnungsgemäß gelaufen, „das bestätigt auch ein Gutachten“.

Martina H. hofft jetzt auf die mündliche Verhandlung, in der sie die Situation vor ihrer Ohnmacht schildern will. „Ich achte heute bei einer Mammografie darauf, dass Blickkontakt zur Röntgenassistentin besteht.“ Krebs habe sie übrigens nicht.

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