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BEIM FREITAGSGEBET: OB Stefan Schostok (von links), Davut Toklu und Bekir Altas.

BEIM FREITAGSGEBET: OB Stefan Schostok (von links), Davut Toklu und Bekir Altas.
© Foto: Heusel

Woche gegen Rassismus

OB Schostok spricht in Ayasofya-Moschee

Zwischen Nazivorwürfen und Religionskrieg: Türken in Deutschland beobachten derzeit, wie ihr Präsident viele Brücken einreißt. Wie sie damit umgehen, was die große und oft kritisch beäugte Bewegung Millî Görüş dazu sagt – eins der Themen bei der zentralen Veranstaltung der Internationalen Woche gegen Rassismus in Hannover.

Hannover. Weltweit laufen die Internationalen Wochen gegen Rassismus – die deutsche Zentralveranstaltung fand Freitag in der Ayasofya-Moschee am Weidendamm (Nordstadt) statt. Großes Thema: Wie die derzeitigen Aussagen von Recep Tayyip Erdoğan Vorurteile schüre. Der Deutschlandchef der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs hat wenig Verständnis für die Aussagen des türkischen Präsidenten. Angesichts von Nazivergleichen und Themen wie Religionskriegen fühle sich Bekir Altas „im falschen Film“. Er „distanziert sich deutlich von solchen Aussagen“.

Dringlich sei, in den Moscheen zu vermitteln, dass Dialog mehr bringe als Konfrontation. Die Gemeinschaft steht Erdoğans AKP nah, ist in 410 Moscheen in Deutschland organisiert. Der Verfassungsschutz interessiert sich immer für sie – „ein Politikwissenschaftler hat mal gesagt: der Verfassungsschutz ist immer zehn Jahre hinterher“, sagt Atlas. Heute würde die Gemeinschaft anders bewertet als in den 80ern. „Wir sind als Minderheitengesellschaft nicht vor Rassismus gefeit und müssen uns damit beschäftigen.“ Diese geschehe intensiv. „Wir bringen das in den Gemeinden zur Sprache.“

OB Stefan Schostok, der dem Freitagsgebet beiwohnte, betonte, dass er sehr hoffe, dass bald Ruhe einkehre in den Konflikt mit der Türkei. „Ich will wieder die Chance haben, Städtepartnerschaften anzugehen.“ Derzeit gebe es nicht mal Ansprechpartner in türkischen Stadtverwaltungen.

In den Gebeten – auf Deutsch und Türkisch gehalten – hieß es unter anderem: „Wir fordern alle Gläubigen dazu auf, sich intensiv an den Aktivitäten gegen Hass und Rassismus zu beteiligen und Liebe und Frieden in der Gesellschaft und zwischen den Menschen zu stiften, denn dies ist die Kernbotschaft unseres Glaubens.“ Vorurteile und Rassismus entstünden immer dort, wo sich Menschen abgrenzten, sagte Altas. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Begegnung zu Freundschaft führt.“ An diese Erfahrung müssten die Menschen anknüpfen - auf lokaler Ebene und länderübergreifend.

Schostok bezeichnet Moschee-Besuche als „inzwischen alltäglich“ – ein Zeichen, dass in Hannover Grenzen bereits eingerissen werden. Cornelie Sonntag-Wolgast, ehemalige Staatssekretärin, findet, dass der Kampf gegen Rassismus in Zeiten wie diesen – auch abseits der Türkei – enorm wichtig sei.

Die diesjährigen „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ laufen vom 13. bis 26. März und stehen unter dem Motto „100 % Menschenwürde - Zusammen gegen Rassismus“. Daran beteiligt sind bundesweit mehr als 70 Organisationen und Einrichtungen.

Von Sebastian Scherer

weidendamm 9, hannover

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