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 Im Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik wird gemeinsam die Übertragung der Vergabe des Nobelpreises für Physik geguckt.

 Im Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik wird gemeinsam die Übertragung der Vergabe des Nobelpreises für Physik geguckt.© Tim Schaarschmidt

Hannover

Nobelpreis soll Türen öffnen

Karsten Danzmann strahlt. Hatte er zuvor noch die Erwartungen tiefer geschraubt und den rund 150 Gästen, die sich im Albert-Einstein-Institut in der Callinstraße versammelt hatten, erklärt, dass es eigentlich unwahrscheinlich sei, dass der Nobelpreis für Physik für ein so aktuelles Ereignis wie dem Nachweis der Gravitationswellen verliehen würde.

Hannover. Schließlich ist es Tradition, mit der Auszeichnung Wissenschaftler zu ehren, deren grundlegenden Entdeckungen schon ein wenig Staub angesetzt ha­ben. Immerhin ist die Warteliste für die begehrte Auszeichnung lang – und niemand lebt ewig.

Doch die Entdeckung ist zu bahnbrechend, um ignoriert zu werden. Und dass der Preis an die drei US-Forscher Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne ging, die maßgeblich am Aufbau des Detektors Ligo in den USA beteiligt waren, muss vor allem symbolisch gewertet werden.

Wie schon der in Berlin geborene Weiss (85) betonte: „Ich betrachte das mehr als eine Sache, die die Arbeit von eintausend Menschen anerkennt.“ Es ist ein internationaler Forscherverbund in 20 Ländern, der sich seit Jahrzehnten um den Nachweis dieses von Albert Einstein vorausgesagten Naturphänomens bemüht. Und die Wissenschaftler in Hannover vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) und dem entsprechenden Institut der Leibniz-Universität sind da­ran maßgeblich beteiligt.

Ihr eigener Detektor GEO 600 in Ruthe bei Sarstedt ist zwar zu klein, um selbst Gravitationswellen nachzuweisen, doch aus der Not eine Tugend machend wurde hier die empfindliche Lasertechnologie entwickelt, mit der dieser Nachweis in den großen Anlagen in den USA ge­lingen konnte. Auch werden in Hannover die weltweit meisten Daten ausgewertet, so dass die erfolgreiche Messung vom 14. September 2015 auch hier von Professor Bruce Allen entdeckt wurde.

Institutsleiter Karsten Danzmann wurde selbst als Nobel-Kandidat gehandelt. Aber mehr als drei Preisträger kann es nicht geben. Freunde meinen, Danzmann habe vielleicht an vierter oder fünfter Stelle gestanden. Und an den Amerikanern habe das Preiskomitee nicht vorbeigehen können.

Auch Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic ist in der Callinstraße

Danzmann geht es um die Wirkung. „Der Nobelpreis ändert alles“, ist er sicher, „die Welt ist laut. Und um gehört zu werden, muss man lauter sein als die anderen.“ Der Nobelpreis als Lautsprecher, um der Gravitationswellenforschung Ge­hör zu verschaffen.

Die ersten Messungen, mittlerweile wurden drei Gravitationswellen nachgewiesen, seien erst ein Anfang, so Danzmann: „Jetzt geht’s erst richtig los.“ Die Instrumente würden immer sensibler und präziser: „Bald werden wir die Wellen nicht nur alle paar Monate, sondern jede Woche, jeden Tag und jede Stunde messen können.“ Die Gravitationswellenphysik öffne ein neues Fenster zum Universum, würdigte das Nobel-Komitee. Im anschließenden Telefoninterview sagte Rainer Weiss: „Sie ermöglicht einen tiefen Blick in das Universum und hilft, das Rätsel seiner Entstehung lösen zu können.“

Denn Gravitationswellen entstehen nicht nur bei der Kollision supermassiver Schwarzer Löcher, sondern eigentlich bei allen Ereignissen im Kosmos. Je empfindlicher die Messinstrumente, umso mehr davon kann man entdecken. Auch Ereignisse aus den frühesten Anfängen. „Ich werde noch den Urknall hören können“, ist Danzmann überzeugt.

Jetzt geht es den Forschern darum, die nächste Detektoren-Generation vorzubereiten, die Grenzen zu erweitern. „Das muss jetzt in Gang geschoben werden“, betont Danzmann, „das kostet Geld, und die Entscheidungen müssen jetzt getroffen werden.“ Er hoffe, dass die neue Bundesregierung so klug sei, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Immerhin setzte Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic allein durch ihre Anwesenheit bei der Jubelfeier in der Callinstraße ein Zeichen zumindest für die Landesebene. Im Laufe der Jahre habe das Land 32 Millionen Euro in das Projekt gesteckt, sagte sie: „Dies ist ein sensationeller Erfolg und zeigt einmal mehr, dass in Niedersachsen Forschung auf Spitzenniveau stattfindet.“

Von Andreas Krasselt


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