Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt DGB: Es sind viel mehr ohne Ausbildungsplatz
Hannover Meine Stadt DGB: Es sind viel mehr ohne Ausbildungsplatz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 03.11.2018
GESUCHT: Dieser Backbetrieb hat einen Lehrling – doch im Lebensmittelhandel blieben 40 Prozent der Ausbildungsplätze unbesetzt. Quelle: doro/dewezet
Hannover

Die Bundesagentur für Arbeit in Niedersachsen und Bremen berichtet, dass in diesem Jahr die Zahl der Bewerber „spürbar gesunken“ sei. „Aufgrund rückläufiger Schülerjahrgänge und der hohen Studierneigung“ hätten sich nur noch 58200 Ausbildungsbewerber gemeldet, 2800 weniger als vor einem Jahr. Erfreulich sei, dass sich immer mehr junge Ge-flüchtete um eine Ausbildung bemühten. Ohne diese 4500 Bewerber wäre der Rückgang erheblich größer. In Hannover seien 8260 Bewerber registriert worden – 157 weniger als im Vorjahr. Das sei mit ein Erfolg der (hier im März 2017 eingerichteten) Jugendberufsagenturen. In der Berufsberatung sei es so gelungen, „mehr Jugendliche zu erreichen, die für sich noch keine Lösung gefunden hatten“. Unversorgt hingegen seien im Land 9980 junge Menschen (wovon 7245 jetzt einen anderen Weg eingeschlagen hätten und 2635 noch als Bewerber geführt werden). In Hannover gab es demnach 992 unversorgte Bewerber – 303 mehr als im Vorjahr. Für sie arbeite man noch daran, ihnen eine Ausbildung, Förderung oder andere Alternative zu vermitteln. 7314 Berufsausbildungsstellen seien gemeldet worden – das waren fast so viele wie im Vorjahr. 216 dieser Stellen blieben unbesetzt – ebenso annähernd auf Vorjahresniveau.

Während es für Berufe wie Kfz-Mechatroniker oder Kauffrau Büromanagement deutlich mehr Bewerber als Stellen gegeben habe, sei etwa im Lebensmittelhandel eine von fünf Stellen nicht besetzt worden (20 Prozent), in Gastronomie und Körperpflege 14 Prozent, erklärte der DGB am Dienstag in Hannover.

„Hauptschüler, Menschen mit Migrationshintergrund und Jugendliche, die die Schule abgebrochen haben, haben es in Niedersachsen sehr schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden“, lautet die Erkenntnis des DGB. Für Niedersachsen verweist der Gewerkschaftsbund angesichts der Zahlen darauf, dass die Arbeitsagentur jene Menschen nicht benennt, die „nach Beginn des Ausbildungsjahres aufgegeben haben und sich nicht mehr bei der Arbeitsagentur melden“ – daher sei die Zahl „junger Menschen ohne Ausbildungsplatz deutlich höher“ als die genannten 9980. Der DGB beziffert diese „gemäß der offiziellen Definition des Bundesinstituts für Berufsbildung“ auf landesweit 22546.

Eine Analyse der IHK-Lehrstellenbörse habe gezeigt, dass zwei Drittel der Stellen mindestens ein mittlerer Schulabschluss verlangt wird. DGB-Arbeitsmarktexperte Lars Niggemeyer: „Schulabgänger mit Hauptschulabschluss sind oft nicht erwünscht. Und Arbeitgeber sind oft nicht bereit, schwächeren Bewerbern eine Chance zu geben – sie haben sich an die Bestenauslese gewöhnt!“ Der DGB fordert, das die Bundesagentur wieder mehr außerbetriebliche Ausbildungsplätze bereitstellt – deren Zahl sein in Niedersachsen massiv abgebaut worden: von 4215 im Jahr 2014 auf 2722 in diesem Jahr. Außerdem soll die Landesregierung das Modellprojekt für Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag wie im Koalitionsvertrag vereinbart starten – das sollte eigentlich schon in diesem Jahr geschehen. Und wie seit mehr als 30 Jahren in der Bauwirtschaft und jetzt im Pflegebereich soll es eine Ausbildungsplatzumlage geben, mit der ausbildende Betriebe unterstützt werden, dazu eine öffentliche Ausbildungsgarantie, so dass jeder, der selbst keine Lehrstelle findet, als letzten Ausweg eine vom Staat bezahlte angeboten bekommt.

Von Ralph Hübner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Dieser freie Tag ist neu in Niedersachsen: Die Landespolitiker haben in diesem Jahr beschlossen, dass der Reformationstag am 31. Oktober von nun an als Feiertag gilt. Trotzdem ist eine Menge los in und um Hannover. Hier ist eine Übersicht.

31.10.2018

So wird’s gemacht: Zwei Studentinnen der Hochschule Hannover bringen ihr Projekt „Entdeckerbox“ in den Handel und tun auch noch Gutes dabei.

31.10.2018

Zum sechsten Mal in Folge vermelden Statistiker einen Rekordwert in der Bevölkerungszahl.

31.10.2018