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© Bernd Schoelzchen

Landwirtschaft

Niedersachsen: Das Leiden der Landwirte

Der Milchpreis ist katastrophal, für Schweinefleisch bekommen Landwirte derzeit extrem wenig, selbst Getreide bringt nicht mehr das, was es noch vor gar nicht langer Zeit einbrachte. Die Konkurrenz ist groß, die Bauern leiden unter dem Export-Embargo gegen Russland. Bio ist eine Alternative, längst aber nicht für alle - und in ohnehin schwierigen Zeiten kostenaufwendig. Bei vielen Bauern sorgt das alles auch für psychische Probleme.

Hannover. So richtig entspannt kann er seiner Arbeit derzeit nicht nachgehen. Sven Klingemann ist Landwirt, er hat mehr als 300 Kühe im Stall in Schneeren bei Neustadt. „Lange geht das nicht mehr gut“, sagt er - und meint damit: die Landwirtschaft. 15 Cent weniger als vor eineinhalb Jahren bekommt Klingemann pro Liter Milch - „damals waren es 40 Cent“. Es geht um fünfstellige Beträge jeden Monat, die wegen des „Preisverfalls ohne Ende“ weniger reinkommen. Sein Betrieb sei breit aufgestellt, das federe etwas ab: „Aber es geht an die Substanz.“

Es ist das Drama einer Branche, die mit sinkenden Preisen für ihre Produkte kämpft, sich aber immer wieder mit neuen Anforderungen konfrontiert sieht. Jörg Johann Dwehus, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes in Hannover, spricht von einer „Krise“. Ein Viertel bis ein Drittel aller Betriebe „stecken in sehr großen Schwierigkeiten“.

Das betrifft nicht nur jene, die mit Milch ihr Geld verdienen. Auch der Preis für Schweinefleisch entwickelt sich seit Jahren bedenklich, klagen Landwirte. Gerade für Niedersachsen problematisch - in keinem Bundesland gibt es mehr Schweine, 8,8 Millionen sind es. Heute kommt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschland (ISN) zur jährlichen Versammlung zusammen. Die Mitglieder sind gespannt auf die Rede des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD): Es geht um Schweine.

„Die Struktur des Marktes ist das Problem“, sagt Holger Hennies. Er ist Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbands Hannover. Sein Hof ist in Schwüblingsen (Uetze), er züchtet Ferkel, macht aber auch mit Ackerbau Geschäfte: „Der Lebensmittelhandel kann die Preise diktieren - was die Landwirte bekommen, ist schon lange nicht mehr kostendeckend.“ Dazu fehle aufgrund des Embargos der Export nach Russland - große Teile des hier unbeliebten Fleisches, etwa Schweinebäuche, seien dort verkauft worden.

Besonders hart treffe die Entwicklung der vergangenen Jahre die Sauenhalter, also jene, die den Nachwuchs produzieren: „40 Prozent haben aufgegeben.“ Der Preisdruck werde an sie weitergegeben - vom Schlachthof über den Mäster zu den Sauenhaltern, die dann natürlich auch nicht genug Geld erhielten: „Es bekommen alle Teile der Kette nicht genug Geld.“

Dass sich die Preise immer mal wieder verbessern und verschlechtern, sei natürlich nichts Neues, weiß auch Hennies: „Allerdings werden die schlechten Perioden immer länger, zumal die Kosten wegen der steigenden Umwelt- und Tierhaltungsanforderungen zunehmen.“ Der Schlachtpreis für konventionell gehaltene Schweine lag 2015 bei 1,38 Euro pro Kilo Schlachtgewicht - bei Bio-Schweinen bei 3,60 Euro. Allerdings stehen den höheren Erlösen auch rund doppelt so teure Produktionskosten gegenüber.

Hendrik Stolze aus Schwüblingsen in Uetze hat bereits vor 26 Jahren auf Bio umgestellt, zu einer Zeit, als viele noch gar nicht wussten, was das heißt. Die frühe - und damals mutige - Entscheidung rechnet sich nun für ihn: „Wenn man liest, dass sich der Getreidepreis in freiem Fall befindet, es bei Schweinefleisch und Milch keine Entspannung gibt, dann war das richtig.“ Auf Bio umzustellen sei für ihn eine logische Konsequenz gewesen - die ihm auch mehr Übersicht und Einfluss bietet: „Weil ich selbst verkaufe. Ich bekomme für meine Produkte keine Abrechnung vom Handel, sondern schreibe selbst Rechnungen.“

Das Problem: Eine Umstellung ist kostenintensiv - derzeit wollen viele Bauern erst einmal ihr Überleben sichern.


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