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DREI JUNGS, FÜNF MÄDCHEN: Die Eltern Aycan (35) und Ahmet (34) mit ihren acht Kindern auf dem Familiensofa. Einer ist immer zu Hause, aber selten alle gleichzeitig.

DREI JUNGS, FÜNF MÄDCHEN: Die Eltern Aycan (35) und Ahmet (34) mit ihren acht Kindern auf dem Familiensofa. Einer ist immer zu Hause, aber selten alle gleichzeitig.© Dröse

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Nie allein: Ein Leben mit acht Kindern

Acht Kinder - das bedeutet für Familie Yildiz aus Hannover viel Glück, aber auch viel Arbeit. Gleichzeitig werden sie im Alltag oft angefeindet.

Hannover. Allein sein - das kennt Familie Yildiz (Name geändert) nicht. In ihrer Fünfzimmerwohnung ist man nie allein. Aycan (35) und Ahmet (34) haben acht Kinder. Das Ehepaar möchte aus Angst vor bösartigen Reaktionen seinen richtigen Namen nicht öffentlich machen.

Immer mehr Paare entscheiden sich ganz gegen Nachwuchs. Denn Nachwuchs ist längst kein selbstverständlicher Teil der Lebensplanung mehr, sagt auch Politik-Professor Tilman Mayer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Demografie. Die Yildiz’ aber sind Großfamilie aus Überzeugung.

Schon immer wollten sie mehr als ein Kind. Sie mehr als er: Aycan kommt aus einer Großfamilie. „Ich habe elf Geschwister. Da war es für mich gar keine Frage, nur ein oder zwei Kinder zu bekommen“, erzählt sie. Mit fünf Kindern habe sie gerechnet, ihr Mann mit drei. „Aber dann kam es anders“, sagen beide.

Der älteste Sohn ist elf. Er besucht die sechste Klasse des Gymnasiums. Ein ruhiger Junge, zuvorkommend, gut in der Schule. Und ein talentierter Schachspieler. Vor 16 Monaten kamen die Zwillinge auf die Welt - und machten die Familie, die am Stadtrand lebt, komplett.

Drei Jungen, fünf Mädchen. Elf, neun, sieben, fünf, vier, drei und eins - das ist kein Countdown, sondern das Alter der Kinder. „Wir sind sehr reich beschenkt“, sagen die Yildiz’: „Und zufrieden.“ Auch wenn sie wegen ihres Kinderreichtums oft angefeindet werden: „Die Leute, vor allem ältere, beschimpfen uns als asozial. Das trifft uns sehr. Auch die Kinder. Dabei sind wir alles andere als asozial. Unsere Kinder sind bestens erzogen, das sagt jeder, der sie kennt.“

Der Yildiz-Nachwuchs ist auf drei Zimmer verteilt, die Zwillinge schlafen noch im Schlafzimmer der Eltern. Rückzug oder totale Privatsphäre - das hat keines der Kinder hier. Einer ist immer da. Die Großen passen auf die Kleinen auf und lesen ihnen vor. „Aber das muss ja nichts Negatives bedeuten. Wir haben ein starkes Wir-Gefühl und gehen sehr respektvoll miteinander um“, betont die Achtfachmutter.

Wer beim Gedanken an Großfamilie automatisch an Chaos und hohen Lärmpegel denkt, wird enttäuscht. „Acht Kinder bedeuten nicht automatisch achtmal mehr Chaos oder Lärm“, so die Mutter, „aber dafür achtmal mehr Sachen.“ Zahnbürsten, Schuhe, Jacken, Rucksäcke, Betten. Eine echte Logistikaufgabe ist der Wocheneinkauf. „Obwohl bei uns ein Großeinkauf pro Woche gar nicht genügt. Wir machen mindestens zwei“, sagt Ahmet Yildiz. Das ist seine Aufgabe: 300 bis 350 Euro geben die Yildiz’ pro Großeinkauf aus. 100 Joghurts, 36 Liter Milch, fünf bis acht Nudelpakete, ein halbes Dutzend Käsesorten, 20 bis 30 Äpfel, Bananen und anderes Obst landen im Wagen. Ahmet Yildiz: „Das reicht dann für zwei, drei Tage. Aber auch nicht viel länger.“ Auch an anderen Tagen fährt er für Kleinigkeiten in den Supermarkt. Windeln, Milch, Brot - „irgendwas fehlt uns immer“. Brauchen die Kinder neue Kleidung oder Schuhe, teilt sich die Familie auf: „Anders hält man das nicht aus“, so der Vater. Mehrere hundert Euro sind dann auf einen Schlag weg.

Kinder sind teuer, acht Kinder besonders. Mit Bafög, Kindergeld und Hartz IV hat die Großfamilie monatlich knapp 3000 Euro zur Verfügung, die Miete schon abgezogen. Ist das genug zum Leben? „Wir kommen damit aus. Ansprüche darf man aber nicht haben“, gesteht der Familienvater. Der 34-Jährige macht im April sein Medizin-Examen. „Gelernt wird nachts, wenn alle schlafen“, erzählt der Student.

Um 5.40 Uhr klingelt der erste Wecker. Aycan steht auf, schmiert 30 Minuten im Akkord Brote, wäscht Obst und Gemüse. Um 6.30 Uhr kommt Ahmet in die Küche. Die großen Kinder ziehen sich allein an, den kleinen hilft Aycan: „Das ist alles durchgetaktet.“ Doch auch Trödeln und Meckern gibt es in der Großfamilie. „Da sind wir nicht anders als kleinere Familien“, lacht die 35-Jährige. Um kurz nach sieben sitzen die Kinder dann am Tisch, essen Cornflakes, trinken Kakao. 7.30 Uhr: rein in die Jacken, Schuhe an und los.

Und wie sehen die Nachmittage aus? „Mit viel Fahrerei in unserem Kleinbus“, lacht der Achtfachvater: „Unsere Kinder haben viele Hobbys.“ Klavier, Flöte, Handball, Fußball, Schach - die Yildiz’ haben zwei Prioritäten: „Zum einen sollen unsere Kinder gut in der Schule sein. Zum anderen wollen wir sie alle gleich fördern. Und dazu gehören nun mal Hobbys.“ Dass dafür auf andere Dinge verzichtet werden muss, stört keinen: „Urlaub gibt es für uns nicht. Wir besuchen höchstens mal die Schwiegereltern“, erklärt der 34-Jährige. Doch auch wenn das Geld mal knapp, man nie allein ist und immer Rücksicht nehmen muss: „Es gibt nichts Schöneres als Kinder. Sie bedeuten ganz viel Liebe“, sagt Aycan Yildiz. Und eine Großfamilie mache jedes Mitglied noch stärker und größer, so Vater Ahmet: „Wir sind ein großes Wir. Unsere Kinder sind unser Glück und kein Hindernis im Alltag.“


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