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Meine Stadt Nicht rentabel: „Zauberlehrling“ schließt
Hannover Meine Stadt Nicht rentabel: „Zauberlehrling“ schließt
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00:17 02.02.2018
SCHLIESST SCHWEREN HERZENS SEIN GESCHÄFT: Roderick von Berlepsch macht Ende Mai den „Zauberlehrling“ zu. Quelle: Fotos: Archiv
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 Schon seit einigen Monaten hatte er das drohende Aus vor Augen, „die finale Entscheidung habe ich Mitte Januar getroffen.“ Roderick von Berlepsch (41) schließt seinen geliebten „Zauberlehrling“ in der Südstadt, Ende Mai werden Gästen in dem Restaurant an der Geibelstraße zum letzten Mal feine Gerichte und noch feinere Weine aufgetischt. Bis dahin hat der Mann mit dem Lockenkopf noch Arbeitsverträge laufen, „außerdem sind noch einige Veranstaltung in meinem Geschäft gebucht, die möchte ich nicht absagen.“ Gestern hat der 41-Jährige seine Belegschaft informiert, zwölf Leute arbeiten für ihn, acht davon sind Köche.

„Wie es so oft ist im Leben: Man versucht und versucht, probiert alles, und dann geht es doch nicht“, sagte der Gastronom der NP. „Der Zenit ist jetzt aber erreicht.“ Schon beim Sichten des Jahresberichts 2017 hatte sein Restaurant schlechte Zahlen geschrieben, „das hat sich leider Gottes nicht signifikant verbessert.“ Jetzt also die Notbremse.

Hat von Berlepsch es denn nicht kommen sehen? „Als ich den Laden eröffnet habe, war der Ursprungsgedanke ein anderer“, erklärt er. „Ich wollte rustikales Essen auf gehobenem Niveau anbieten, so ein Zwischending aus Weinkeller und Kneipe machen.“ Die Preise für Leckereien wie Krustentier-Gazpacho (14,50 Euro), Wolfsbarsch aus Wildfang mit Melone, Chilikohl und Kalbsbäckchenpraline (35 Euro), Mecklenburger Wiesenlamm (29 Euro) und Salat mit Hummer, Algen, Austernpilzen, Äpfeln und Beeren (17,50 Euro) nennt von Berlepsch fair, irgendwann mit der Zeit seien die Speisen aber immer feiner und demnach auch teurer geworden. Auch hat er irgendwann Ambitionen entwickelt, einen Michelin-Stern – die höchste Auszeichnung in der Gastronomie – zu bekommen. Dazu gehört dann natürlich mehr, als es in einem Durchschnitts-Restaurant machbar ist.

Und auch die Weinkarte expandierte mit den Jahren ordentlich: 45 Seiten stark, darunter Weine, die locker bezahlbar waren – aber auch solche, für die der Durchschnittbürger sparen müsste. Die Rede ist von hohen dreistelligen Eurobeträgen ...

Was macht die Entscheidung jetzt mit ihm? „Sie schmerzt – und zwar extrem“, gesteht er. Womöglich aber weniger, als sie ihn hätte eines Tages schmerzen können: „So ein Nachtjob ist anstrengend. Gott sei dank geht es mir gesundheitlich gut, aber ausruhen werde ich mich ab Ende Mai trotzdem erst einmal.“

Kleiner Trost – sowohl für den Macher als auch seine Gäste: „Es ist kein absolutes Aus für den ,Zauberlehrling’. Es ist ein Dornröschenschlaf.“ Was aus dem Geschäft wird, weiß von Berlepsch noch nicht: „Vielleicht eine Wohnung. Vielleicht kommt ein Klamottenladen rein. Oder eine Event-Location.“ Das kann der Gastronom ja auch machen, wie er möchte – die Immobilie gehört ihm. Bis dahin wird von Berlepsch womöglich gut zu tun haben. Es wäre kein Wunder, wenn ihm seine Gäste bis Ende Mai die Bude einrennen.

Von Mirjana Cvjetkovic und Heike Schmidt

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