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Frauke Heiligenstadt.

Frauke Heiligenstadt.
© dpa

Flüchtlingskinder

Neues Verfahren testet die individuellen Kompetenzen

Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt hat am Gymnasium Lehrte ein computergestütztes Verfahren vorgestellt, mit dem die Kompetenzen zugewanderter Jugendlicher individuell erfasst werden können. Das ist Voraussetzung für eine entsprechende Förderung.

Hannover/Lehrte. Als die Flüchtlingskrise vor zwei Jahren ihren Höhepunkt erreichte, kamen innerhalb eines guten Jahres rund 36 000 Migrantenkinder zusätzlich in die niedersächsischen Schulen – mehr als ein halber Einschulungsjahrgang, wenn auch verteilt auf alle Jahrgänge. Eine extreme Belastung für das Schulsystem. „Da war parallel eine systematische Integration gar nicht möglich“, so Kultusministerin Frauke Heiligenstadt.

Das soll jetzt anders werden. Entwickelt wurde das neue Verfahren von dem Forschungsunternehmen MTO Psychologische Forschung und Beratung GmbH im Auftrag des Kultusministeriums Baden-Württembergs. Dort ist das System „2P – Potenzial und Perspektive“ seit Oktober vergangenen Jahres an allen weiterführenden Schulen im Einsatz. Nach und nach ziehen andere Bundesländer nach. In Niedersachsen läuft bis zum Herbst eine Pilotphase an vier Schulen unterschiedlichen Typs, neben Lehrte auch an der IGS Mühlenberg in Hannover und der Oberschule Gehrden.

„Wir hatten den Auftrag, ein möglichst effektives, sprachreduziertes System zu entwickeln“, so MOT-Bereichsleiter Karsten Hammer. Wo es möglich ist, werden die Testaufgaben durch Bilder und Grafiken erläutert. An Beispielen wird den Jugendlichen gezeigt, worum es in der jeweiligen Aufgabe geht. In einer Übungsphase können sie sich ausprobieren und erfahren, ob sie mit ihrer Antwort richtig oder falsch lagen, was im eigentlichen Test nicht mehr der Fall ist.

Das Verfahren besteht aus sieben Bausteinen, etwa Mathematik oder Deutsch, die wiederum in mehrere Niveaustufen unterteilt sind. Auf dem Bildschirm etwa erscheinen verschiedene Sechsecke, alle geteilt von einer blauen Linie. Der Schüler soll nun entscheiden, welche Form durch die Linie symmetrisch unterteilt wird. In einer anderen Aufgabe soll er Punkte in einem Koordinatensystem zu den Koordinaten in Bezug setzen. In einem Deutschtest geht es um die Zuordnung der richtigen Antonyme, also Wörter mit gegensätzlicher Bedeutung: zu „krank“ gehört „gesund“, zu „groß“ gehört „klein“. Für Jugendliche mit noch geringen Deutschkenntnissen keine leichte Aufgabe.

Im Satzzusammenhang wird dies noch schwieriger. Ein Mädchen müht sich damit, eine vorgegebene Unterhaltung zu gestalten. Sie muss die richtige Antwort auf die Frage „Kommst Du heute mit ins Kino?“ finden. Sie zögert. Dann zieht sie eine der Möglichkeiten mit der Maus in das dafür vorgesehen Feld: „Ich mag die Musik sehr.“ Das war falsch. Ein Zeichen, dass sie den Sinn der Sätze noch nicht ganz verstanden hat.

Es geht bei dem Verfahren aber nicht um Selektion sondern um gezielte Förderung. Durch die computergestützte Auswertung der Ergebnisse in individuellen Kompetenzprofilen können die Lehrer sehr genau feststellen, wo es bei dem Einzelnen hakt – und entsprechend eingreifen. „Es geht darum, möglichst individuelle Lernangebote für diese sehr heterogene Gruppe zu entwickeln“, erklärt Hammer. „Da die Tests wiederholt werden können, lassen sich so auch Lernfortschritte sichtbar machen.“

Für die Lehrkräfte bedeutet dies vor allem Entlastung. Verfahren zur Kompetenzfeststellung gibt es zwar bereits, die Erhebung im Ankreuzverfahren und die Auswertung per Hand sind jedoch sehr aufwendig. „Das 2P-Verfahren liefert konkrete Ergebnisse und unterstützt uns bei der Erfassung mit verlässlichen Daten“, so Silke Brandes, Leiterin des Lehrter Gymnasiums. „Das nimmt einem wirklich Arbeit ab.“

Weswegen es Ministerin Heiligenstadt auch, sollte es sich in der Pilotphase bewähren, möglichst schnell auf ganz Niedersachsen ausweiten möchte – auf freiwilliger Basis, wie sie betont. Die entsprechende Anpassung des Programms und die Schulung der Lehrkräfte werde einen sechsstelligen Betrag erfordern, weshalb sie auch auf Fördermittel des Bundes hofft.

„Das Verfahren nimmt den Lehrkräften nicht die Expertise“, betont Hammer, „es ist ein Instrument zur Unterstützung, nicht mehr.“ Für die Schüler kommt dabei ein weiterer nicht ganz unbedeutender Faktor hinzu: Es macht einfach Spaß.

Von Andreas Krasselt


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