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Das Anzeiger-Hochhaus muss saniert werden - es ist eine riesige Aufgabe.

Das Anzeiger-Hochhaus muss saniert werden - es ist eine riesige Aufgabe.© Madsack Supplement GmbH

Anzeiger-Hochhaus

Neues Glück fürs alte Haus

Es ist Medienzentrum und Baudenkmal - das Anzeiger-Hochhaus muss saniert werden. Die Vorbereitungen haben begonnen.

Hannover. HANNOVER. Es ist eines der schönsten Denkmale Hannovers und längst auch ein Wahrzeichen der Stadt: Mit stiller Eleganz erhebt sich das Anzeiger-Hochhaus an der Goseriede, gekrönt von seiner nachts beleuchteten Kupferkuppel. Sie gilt in Fachkreisen als ein kleines Architekturwunder, weil die für Planetarien entwickelte Konstruktion besonders filigran ist. Jetzt aber, rund 88 Jahre nach Erbauung, muss sie restauriert werden. Die Madsack Mediengruppe hat sich entschieden, einen namhaften Betrag in die Sanierung zu stecken. Davon soll nicht nur das Stadtbild profitieren: Nach dem Umbau soll, möglichst schon ab Mitte 2018, ein neuer, moderner Raum unter der Kuppel entstehen. Auch Deutschlands höchstes Kino könnte dann wieder Vorführungen präsentieren. Während der Umbauzeit zieht es zunächst in die ebenfalls historische Schalterhalle im Erdgeschoss.

August Madsack war ein Pionier - als Verleger und Bauherr. Er wollte mit dem Hochhausbau weithin seinen Anspruch zeigen, die größte Zeitung in Hannover herauszugeben - aus seinem Hannoverschen Anzeiger wurde später die Hannoversche Allgemeine Zeitung. Kein Wunder, dass der visionäre Verleger auch keine Scheu hatte, innovative Architektur und neuartige Bautechniken anzuwenden.

Für den Bau des Verlagshauses hat Verlagsgründer Madsack den Architekten Johann Friedrich Höger (genannt: Fritz) engagiert, der in Hamburg bereits mit dem Chilehaus ein bedeutendes Werk des Backsteinexpressionismus geschaffen hatte. Bei dem hannoverschen Bau gelang Höger nicht nur ein weiteres Zeitzeugnis, er schuf zudem eines der ersten Hochhäuser im damaligen Deutschen Reich - das erste in Hannover war es ohnehin.

Allein die Bauweise war schon spektakulär: Zum Erstellen der Kuppel kam ein Drehgerüst zum Einsatz, mit dem Arbeiter sich je nach Einsatzort rund um das krönende Bauteil bewegen konnten. Für die tragende Betonschicht der Kuppel wurde ein feines Flechtwerk aus Stahl erstellt, das mit Torkret-Spritzbeton bedeckt wurde - diese Technik war überhaupt erst 1922 von deutschen Ingenieuren und Physikern entwickelt worden. Eine Kopie der Patentschrift für das sogenannte Zeiss-Dywidag-Dübelverfahren lagert in den Archiven der Madsack Mediengruppe. Und die Befestigung der Kupferplatten erfolgte schließlich mithilfe des ersten industriell gefertigten Dübels.

Die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs hat das Anzeiger-Hochhaus nahezu unbeschadet überstanden. Wer sich die vier Stadtmodelle in der Rathaushalle anschaut, sieht den markanten Bau zwischen all den Trümmerruinen stolz emporragen. Jetzt aber haben sich einige der Befestigungsdübel des Kupferdachs gelockert, auch das Innenleben der Kuppel ist in die Jahre gekommen. Deshalb wird nun investiert. Für die Madsack Mediengruppe sei es „eine Selbstverständlichkeit, dieses historische Bauwerk zu erhalten und zu einem neuen Treffpunkt für die Menschen der Stadt auszugestalten“, sagt Madsack-Chef Thomas Düffert.

Erste Voruntersuchungen für die Sanierung haben ergeben, dass der Beton, der die Kuppel trägt, auch nach 88 Jahren noch erstaunlich fest ist. An vier Stellen hat Madsack-Architekt Jörg Kairies Kernbohrungen entnehmen lassen. Der für das Metallgeflecht verwendete Flachstahl sei auch dort, wo er freiliegt, nur leicht an der Oberfläche angerostet. „Der Zustand ist nach bisheriger Einschätzung gut - aber die Sanierung ist dennoch nötig und wird nicht trivial“, sagt der Architekt - auch mit Blick auf die völlig veränderten Bauvorschriften heutzutage. Alle Schritte werden eng mit dem Denkmalschutz abgestimmt; erste Gespräche gab es bereits.

Unter anderem ist zu klären, ob für die neue Eindeckung vorpatiniertes - also grünes - Kupfer verwendet wird. Dafür hatte sich die Stadt zum Beispiel bei der Sanierung des Kuppelsaals im HCC entschieden. Nimmt man unbehandeltes Kupfer, dauert es mitunter bis zu 25 Jahre, bis sich die typische Patina bildet. Zu sehen ist das etwa beim neuen Turmhelm der Neustädter Hof- und Stadtkirche, der derzeit braun ist.

Jetzt sollen zunächst weitere Bohrungen Aufschluss darüber geben, ob der Beton auch in der Spitze der Kuppel noch die volle Druckfestigkeit hat. Dazu aber muss zunächst die Kinodecke demontiert werden, die lange nach dem Brand im Planetariumskino im März 1945 eingezogen worden war.

Zur künftigen Nutzung der Kuppel gibt es derzeit viele Überlegungen - der Kinobetrieb soll dort auf jeden Fall auch wieder angeboten werden. So wandelt sich das Medienhaus, das seit 88 Jahren das Gesicht Hannovers mit prägt, und bleibt dabei doch immer dem Anspruch treu: ein Wahrzeichen im Stadtbild und ein Haus der Kommunikation zu sein.


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