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Meine Stadt Neubau der Bauverwaltung an historischer Stelle?
Hannover Meine Stadt Neubau der Bauverwaltung an historischer Stelle?
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21:22 16.04.2018
Marode: Das 1955 errichtete Gebäude, in dem aktuell die Bauverwaltung mit rund 740 Mitarbeitern untergebracht ist. Quelle: Dröse
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Hannover

Mindestens 38 Millionen Euro: So viel soll die Sanierung von Hannovers maroder Bauverwaltung kosten. Und dann wäre das Gebäude immer noch rund 800 Quadratmeter zu klein, um die 470 Mitarbeiter des Amtes angemessen unterzubringen. Angesichts dieser Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie, die die Stadt am Freitag vorgestellt hat, fordert die CDU im Rat ein Umdenken. Sie setzt sich für einen Neubau an der Ostseite des Neuen Rathauses ein.

Dort stand schon einmal Hannovers Bauverwaltung, bis sie 1943 im Zweiten Weltkrieg in einem Bombenangriff der Alliierten zerstört wurde. CDU-Wirtschaftsexperte Jens-Michael Emmelmann hält das für den „einzig richtigen Weg“. Zum einen könne ein Neubau passend zum Raumbedarf der Bauverwaltung konzipiert werden. Außerdem entfalle das Problem, die Mitarbeiter während der Sanierung des westlich vom Neuen Rathaus  gelegenen Altbaus anderswo unterbringen zu müssen.

Das „würde nämlich richtig teuer“, warnt Emmelmann. Der Politiker fürchtet, dass sich kaum jemand finden werde, der nur für rund drei Jahre Platz für so viele Mitarbeiter vermieten werde, jedenfalls nicht zu aus Sicht der Stadt akzeptablen Konditionen.

Fest steht allerdings, dass die Stadt die jetzige Bauverwaltung auch dann sanieren müsste, wenn sie auf der anderen Seite einen Neubau errichtete. Anders als private Eigentümer könnte sie laut Niedersächsischem Denkmalschutzgesetz keine Ausnahme wegen wirtschaftlicher Unzumutbarkeit verlangen. „Bund, Land und Kommunen haben da eine besondere Vorbildfunktion“, sagt Rocco Curti vom Landesamt für Denkmalpflege.

Ohnehin sei das Bauverwaltungsgebäude erhaltenswert, weil es ein „sehr gut überlieferter Bau der Nachkriegszeit“, „städtebaulich prägend“ sowie von „hoher kultureller Bedeutung“ sei. Mit seiner „Zurückhaltung und Bescheidenheit“ stehe der 1955 errichtete Bau für den damaligen Zeitgeist, so Curti.

„Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten Schwachsinn“ sei der Erhalt der Bauverwaltung, kritisiert CDU-Experte Emmelmann. Zumal von dem historischen Ge­bäude bis auf das Stahlskelett ohnehin nicht viel übrig bliebe. Es ist so marode, dass es nahezu komplett wiederaufgebaut werden muss. Allerdings sollen dabei laut Stadt „die Elemente, die erhalten werden können, demontiert, aufgearbeitet und wiederverwendet“ werden, erklärt Sprecher Dennis Dix.

Auch die CDU sieht ein, dass die Stadt wegen des Denkmalschutzgesetzes nicht um eine Sanierung der derzeitigen Bauverwaltung herumkommt. Sie würde dort nach Abschluss der Arbeiten allerdings Mitarbeiter anderer Fachbereiche unterbringen, die derzeit noch in angemieteten Büros über die Stadt verteilt untergebracht sind. „Langfristig würde sich das lohnen“, glaubt CDU-Ratsherr Em­melmann.

Die Stadt hält das aktuell allerdings nicht für machbar. Zusätzlich zu den Kosten der „unumgänglichen Sanierung“ würden noch die Mittel für den Neubau anfallen. „Diese sind in der Haushaltsplanung der nächsten Jahre nicht berücksichtigt“, sagt Sprecher Dix.

Auch die SPD hält wenig von dem Vorstoß der CDU. Florian Spiegelhauer, Wirtschaftsexperte der SPD, geht davon aus, dass die Stadt zu angemessenen Preisen Flächen anmieten kann, um die Mitarbeiter der Bauverwaltung während der Sanierung des Gebäudes unterbringen zu können. Außerdem ist er der Meinung, dass die Stadt die Grünfläche neben dem Neuen Rathaus „nicht leichtfertig“ aufgeben sollte. Diese sei schließlich das „Eintrittstor in den Maschpark“.

Christian Bohnenkamp

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