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Meine Stadt Nazi-Eklat im 96-Trainingslager: Fußball-Chaot muss in Haft
Hannover Meine Stadt Nazi-Eklat im 96-Trainingslager: Fußball-Chaot muss in Haft
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00:17 15.07.2018
Quelle: Weichselbraun/privat
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Klagenfurt

Knast nach Nazi-Eklat in Österreich: Fußball-Chaot Timm G. (30) ist vor dem Landesgericht Klagenfurt zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden – vier Monate davon soll der Mann, der im Sommer 2017 beim Trainingslager von Hannover 96 am Wörthersee den Hitlergruß zeigte, im Gefängnis absitzen. Der Rest ist zur Bewährung. Im Prozess hatte sich der 30-Jährige laut der „Kleinen Zeitung“ (Klagenfurt) selbst als „treuer Fan des Fußballclubs Hannover 96“ bezeichnet. Bei der Verhandlung gab es den nächsten Eklat: Die Polizei setzte den Begleiter (35) des Angeklagten fest – wegen eines Nazi-Tattoos am linken Ringfinger. Ob der 35-Jährige in U-Haft muss, soll sich am Freitag entscheiden.

Das 96-Trainingslager 2017: Mit Frau und Hund hatte Timm G. das Testspiel gegen Kayserispor am 27. Juli verfolgt. Er stellte sich hinter die Bänke des türkischen Teams, zeigte den Hitlergruß, brüllte „Adolf Hitler“ und „Fuck Allah“. In Österreich stellt das einen Verstoß gegen das „Verbotsgesetz“ (Verbot der NSDAP) und eine „Herabwürdigung religiöser Lehren“ dar.

Alkohol schuld?

Der 30-Jährige räumte die Vorwürfe im Prozess ein, schob allerdings seinen Ausraster auf den Alkohol: „Sobald bei mir der Schnaps im Spiel ist, setzt bei mir etwas aus.“ 1,38 Promille hatte er intus. Angeblich habe er mit dem Nazi-Eklat nur provozieren wollen: Er will sauer gewesen sein, dass er des Platzes verwiesen worden war – sein Hund hatte keinen Maulkorb getragen.

Tatsächlich sind G. Nazi-Straftaten nicht fremd. Nach NP-Informationen wurde er in Deutschland schon wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verurteilt. Er bringt es auf zehn Vorstrafen. Häufig im Zusammenhang mit Fußballspielen. Der 30-jährige hat bereits eine längere Haftstrafe abgesessen. Nach seiner Entlassung hatte es eigens für ihn 2017 in der Nordkurve der HDI-Arena ein Willkommens-Banner von „Ultras, Fans und Hooligans“ gegeben.

Nach dem Prozess ist vor dem Prozess

Doch mit den strafrechtlichen Fehltritten sei Schluss, seit er seine Frau kennengelernt habe, behauptete der Fußball-Chaot vor Gericht. Die war allerdings bei dem Nazi-Eklat am Wörthersee auch schon dabei. Und: Es gibt in Deutschland längst eine neue Anklage gegen G. – wegen einer Straftat, die er im November 2017 begangen haben soll. Bei 96 hat er bis Sommer 2019 Stadionverbot.

Fährt G. demnächst für vier Monate in Österreich ein? Das hängt davon ab, ob er das Urteil akzeptiert. Überlegen kann er es sich noch, denn: „Die Rechtsmittelfrist ist noch nicht abgelaufen“, sagt Christian Liebhauser-Karl, Leiter der Medienstelle des Landesgerichts Klagenfurt.

Der Nazi-Freund von G. wird vorerst in Österreich festgehalten. Der 35-Jährige, der neben einer Odalrune (in Österreich ein verbotenes NSDAP-Symbol) am Finger weitere zweifelhafte Tattoos haben soll, bekommt ebenfalls Ärger: „Es droht ihm eine Anklage wegen Verstoß gegen das Verbotsgesetz“, so Marcus Kitz von der Medienstelle der Klagenfurter Staatsanwaltschaft. Die Behörde hat U-Haft gegen ihn beantragt. Am Freitag soll sich entscheiden, ob er ins Gefängnis muss.

Von Britta Mahrholz

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